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Das Verkehrswesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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durch das Entgegenkommen der Ausstellungsleitung, 
welche einen Beitrag von 150000 Mark unter den 
koulantesten Bedingungen zur Verfügung gestellt hatte, 
gelungen war, an technischen Schwierigkeiten, besonders 
hinsichtlich der Beschaffung der zum Betriebe notwendigen 
elektrischen Energie und der Betriebsmittel. Es gelangte 
danach die in Geländehöhe liegende, an den frequenten 
Wegekreuzungen über- oder unterführte, an den sonstigen 
Uebergängen durch Schranken abgeschlossene elektrische 
Rundbahn von 3,4 km Länge zur Ausführung. 
Die Herstellung des Bahnkörpers einschl. der Ueber- 
briickungen erfolgte durch die Ausstellungsleitung, der 
Betrieb war der Firma Gebrüder Naglo gegen Zahlung 
einer festen Pacht übertragen. Die von genannter Firma 
für Beschaffung des Oberbaues der elektrischen Leitungen 
und des rollenden Materials noch aufgewendeten Kosten 
bezifferten sich auf rd. 450000 Mk. Die Bahn hat in 
Berücksichtigung der nicht zu vermeidenden äusserst 
scharfen Krümmungen bis zu 20 m Halbmesser gut 
funktioniert, der Betrieb wurde mit Eifer und Geschick 
durchgeführt, der Verkehr ergiebt sich aus nach 
stehender Tabelle 17: 
Tabelle 17. Personenverkehr auf der Elektrischen Rundbahn. 
Mai 
Juni 
Juli 
August 
September 
Oktober 
I 
13 299 
10 902 
15 764 
16 622 
6518 
2 
II 212 
9 473 
24 924 
19 715 
8 297 
3 
3 518 
17 836 
12 164 
12 648 
11278 
10834 
4 
14588 
10 621 
18 269 
14 588 
31760 
5 
9 694 
18 062 
18 728 
15 992 
7 336 
6 
11 496 
13 302 
11 948 
15 340 
12 480 
7 
18 800 
21 234 
16 212 
15 461 
15 900 
8 
3 380 
16 173 
20 167 
15 403 
22 294 
12 198 
9 
16 368 
16 247 
28 148 
32 831 
23 503 
IO 
6 402 
17 5°7 
18 940 
16366 
11078 
14322 
11 
6 276 
17 IOO 
18 594 
10 588 
26 101 
12 
13 467 
32 167 
16 739 
12505 
11 650 
!3 
13 786 
19 224 
15 610 
37 925 
20 228 
14 
8633 
19 918 
21 365 
14 79i 
13073 
10 964 
15 
Ga 
CS 
Go 
O 
22 282 
17 554 
15045 
6 724 
16 
5 i73 
17 587 
17 372 
28 775 
16 508 
17 
9 867 
13 933 
14 149 
13 852 
10 820 
18 
4 785 
9 032 
22 262 
17 626 
12 612 
19 
4 549 
13 255 
25 304 
18893 
13556 
20 
6 079 
13065 
20 874 
15 494 
27354 
21 
5 742 
19 671 
20 827 
16 778 
10 089 
22 
10 285 
n 615 
20 999 
17 590 
14 iss 
23 
14 374 
12 234 
13639 
31584 
9 202 
24 
22 339 
14 075 
15113 
16 586 
8586 
25 
22 017 
11 426 
10394 
14 477 
11650 
26 
16 364 
12 830 
28 539 
21 090 
11366 
27 
15 992 
15 321 
18 295 
14 721 
28 382 
28 
11 937 
27 192 
22 715 
18 074 
8 634 
29 
12 918 
12 707 
3° 104 
19 042 
14411 
30 
10 656 
11 427 
10 323 
35 710 
13 58o 
3> 
21689 
— 
14 004 
24197 
— 
216 699 
431420 
568 163 
585 737 
474 373 
218 815 
Der Gesamt-Verkehr betrug hiernach 2 495 207 Personen. 
Die fett gedruckten Tage stellen Sonn-, bezw. Feiertage dar. 
Die Abwicklung des Verkehrs auf der elektrischen 
Rundbahn bot insofern ein eigenartiges Bild dar, 
als hier zum ersten Mal den Fahrgästen eine voll 
ständige Selbstbedienung auferlegt wurde. Der Zu 
tritt zum Bahnsteig war nämlich durch Drehkreuze 
abgesperrt, durch Einwurf eines Zehnpfennigstücks in 
einen mit dem Drehkreuz verbundenen Apparat wurde 
der Zugang immer nur einer Person gestattet; be 
sondere Ausgangsdrehkreuze, welche sich nur in einer 
Richtung bewegen konnten, gestatteten Jedermann das 
Verlassen des Bahnsteigs, nicht aber den Zutritt zu 
demselben. Die Schrift des Eisenbahn-Bau- und Be 
triebsinspektors Wegner »die mechanische Abwicklung 
eines geschlossenen Verkehrs« (Verlag von Ernst & Korn 
in Berlin), sowie ein darauf bezüglicher in »Glasers 
Annalen für Gewerbe und Bauwesen 1895« abgedruckter 
Vortrag des genannten Herrn im Verein für Eisenbahn 
kunde lenkten die Aufmerksamkeit weiter Fachkreise 
auf das in Rede stehende Verfahren, bei welchem nicht 
allein eine erhebliche Ersparnis an Beamtenpersonal, 
sondern auch ein durchgreifender Schutz gegen Unter 
schleif gewährleistet wird. Wir zweifeln nicht daran, 
dass es eine grosse Zukunft für sich hat, sobald 
die kleinen, jeder Neuerung anhaftenden Mängel be 
seitigt sein werden. Jedenfalls gebührt der Firma 
Naglo das Verdienst, diese automatischen Einrichtungen 
zum ersten Mal in grösserm Umfange in den Verkehr 
eingeführt zu haben; die hierbei gemachten• günstigen 
Erfahrungen lassen für die Zukunft eine ausgedehntere 
Verwendung in gleichartigen Fällen erwarten. 
2. Die Stufenbahn. 
An Stelle der nach den Ausführungen des vorigen 
Abschnitts als Hauptverkehrsmittel geplanten grossen 
Stufenbahnanlage kam schliesslich noch eine derartige 
Anlage in kleinerem Umfange, zur Verbindung des 
Hauptausstellungsparks mit dem Vergnügungspark, zur 
Ausführung. Diese hochinteressante Beförderungsart, 
eine Erfindung des frühem Oberbaurats Rettig in 
München, wurde zum ersten Mal auf der Weltaus 
stellung in Chicago dem Publikum gezeigt und auf 
Anregung des Verfassers hier zur Ausführung gebracht 
und in Betrieb genommen. Eine Spezialbeschreibung 
der technischen Einzelheiten des Systems befindet sich 
in Glasers Annalen Jahrgang 1894. Die Bahn auf der 
Berliner Gewerbe-Ausstellung bildete eine langgezogene 
Schleife von 463 m Länge mit 122 Wagen, worunter 
sich 10 Motorwagen befanden. Jeder Wagen hatte 
3 Sitzbänke mit je 3 Sitzen und durchfuhr die Schleife 
stündlich 20 mal, bewegte sich also mit einer Ge 
schwindigkeit von 9,2 km in einer Stunde. Die An 
lagekosten erreichten infolge der wiederholten Arbeiter- 
ausstände, der zur Verfügung stehenden kurzen Bauzeit 
und sonstiger ungünstigen Umstände die aussergewohn 
liche Höhe von 255 000 M. Die Betriebskosten waren 
niedrig, sie betrugen für die ganze Dauer der Aus 
stellung nur 60 800 M., der stündliche Stromverbrauch
	        
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