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Das Verkehrswesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Anfang der sechziger Jahre hob sich das Omnibus 
wesen infolge von Tarifverbesserungen sehr rasch, 
um jedoch bald wieder einem starken Rückgänge zu 
verfallen, der hauptsächlich dem beginnenden Pferde 
bahnbetrieb, zum Teil auch der Zusammenfassung der 
verschiedenen Omnibusunternehmungen in die »All 
gemeine Berliner Omnibusgesellschaft« zuzuschreiben ist. 
Als im Jahre 1886 die »Neue Berliner Omnibus- und 
Packetfahrtgesellschaft« den Betrieb mit 40 Wagen 
aufnahm, führte der Wettbewerb zwischen beiden Ge 
sellschaften zu erheblichen Verbesserungen hinsichtlich 
der Geschwindigkeit und Einrichtung der Wagen; letzt 
genannte Gesellschaft veräusserte indessen im Jahre 
1893 ihre Linien nebst Wagen und Pferden an die »Grosse 
Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft«. Im folgendenjahre 
wurde die »Neue Berliner Omnibus-Aktiengesellschaft« 
gegründet. Die Wagen sind seitdem weiter verbessert, 
bequem und geschmackvoll eingerichtet worden, die 
Fahrt ist durch die Ausdehnung der Asphaltstrassen 
wesentlich angenehmer und leichter gemacht, die Tarife 
sind verbilligt; auf vielen Linien ist der Zehnpfennig 
tarif eingeführt. In neuerer Zeit verkehren auf den 
belebtesten Strecken auch Nachtomnibusse in Zwischen 
räumen von etwa 15 Minuten und befriedigen dadurch 
ein offenbares Bedürfnis der Grossstadt. Die Gesamt 
zahl der Wagen beträgt annähernd 400 Stück; die 
Anzahl der jährlich beförderten Personen ist von zehn 
Millionen im Jahre 1880 auf rund 35 Millionen im 
Jahre 1895 stetig und gleichmässig gestiegen. 
Die Strassenbahnen. 
Die grösste Bedeutung für die Beförderung des 
Personenverkehrs auf den Strassen Berlins hat die 
Pferdeeisenbahn erlangt. Die im Jahre 1873 begründete 
»Grosse Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft« 
hatte sich hauptsächlich die Hauptstrassenzüge der 
Stadt für ihren Betrieb ausersehen; sie schob von 
Jahr zu Jahr ihre Linien vor, so dass Berlin allmählich 
von einem dichten Netze von Pferdeeisenbahngleisen 
bedeckt wurde. Neben die Grosse Berliner Pferde 
eisenbahn-Aktiengesellschaft trat im Jahre 1876 die 
»Neue Berliner Pferdebahngesellschaft«, die mehr die 
östlichen Stadtteile und Vororte mit Verbindungen 
versorgt. 
Ueber die Entwicklung des Unternehmens der 
Grossen Berliner Pferdeeisenbahn-Gesellschaft giebt die 
nachstehende Tabelle 14 Auskunft. 
Der riesige Verkehrszuwachs im Jahre 1896, der 
sich sowohl bezüglich der Einnahmen, als auch bezüglich 
der beförderten Personen auf rund 11 Prozent gegen 
die Zahlen des Vorjahres stellt, während in den vorher 
gehenden 5 Jahren nur ein Zuwachs von etwa 2 Prozent 
zu verzeichnen war, ist der Einwirkung der 1896er 
Berliner Gewerbe-Ausstellung zuzuschreiben; er hätte 
jedenfalls einen noch erheblich bedeutenderen Umfang 
gewonnen, wenn nicht während der Dauer der Aus 
stellung der Regen die Regel gebildet hätte. 
Der Einführung des elektrischen Betriebes auf ihren 
Linien setzte die Grosse Berliner Pferdeeisenbahn- 
Gesellschaft langen und hartnäckigen Widerstand ent 
gegen. Während eine grosse Anzahl von Provinzial 
städten wie Breslau, Königsberg, Halle, Hannover, 
Hamburg, Frankfurt a. M. u. s. w. sich elektrischer 
Strassenbahnen erfreuten, während in Amerika schon 
seit einem halben Jahrzehnt der Pferdebahnbetrieb dem 
elektrischen fast vollständig hat weichen müssen, war 
es in der Reichshauptstadt Deutschlands, trotz Presse 
und Volksstimme, nicht möglich, auch nur auf einer 
einzigen Linie den elektrischen Betrieb einzuführen. 
Freilich ist nicht ausser Acht zu lassen, dass die mass 
gebenden Behörden die bewährte oberirdische Strom 
zuführung in den Hauptstrassen wegen befürchteter 
erheblicher Verunzierung derselben durch die Draht 
leitungen nicht zulassen wollten und die angestellten 
Versuche mit Akkumulatorenbetrieb höchst ungünstig 
ausfielen. Wandel hierin schaffte erst die Gewerbe- 
Ausstellung 1896, welche gebieterisch die Herstellung 
leistungsfähiger Strassenbahnlinien nach dem Treptower 
Park forderte und die Stadt Berlin veranlasste, eine 
Aufforderung zur Einreichung eines Kleinbahnentwurfs 
vom Görlitzer Bahnhof als Endpunkt der Pferdebahn 
linien nach dem Ausstellungsgelände mit wünschens 
werter Verlängerung bis zur Parkstrasse und der neuen 
Krugallee in Treptow ergehen zu lassen. Aus dieser 
Konkurrenz ging die Firma Siemens & Halske als 
Tabelle 14. Nachweisung des Verkehrs der Grossen Berliner Pferdeeisenbahn- 
Gesellschaft. 
Jahr 
Gleislänge 
km 
Pfercle- 
bestancl 
Stück 
Einnahme 
Mk. 
1880 
I2 5 
1743 
5 875 000 
1885 
169 
2984 
9 392 000 
1890 
237 
4793 
14 030 000 
1895 
284 
5748 
15 307 000 
1896 
296 
6262 
16 963 000 
Anzahl 
der beförderten 
Personen 
Durchschnitts- 
Einnahme für 
1 Person 
und Fahrt 
Pf. 
Jährliche 
der 
Einnahme 
Prozent 
Zunahme 
der 
beförderten 
Personen 
Prozent 
45 620 000 
12,90 
— 
— 
77 35° 000 
12,14 
7.5 
8,2 
I 2 I 250 OOO 
11.57 
6,6 
7,2 
138 900 OOO 
11,02 
1.7 
2,5 
154 200 OOO 
I 1,00 
10,8 
11,02
	        
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