Path:
Das Verkehrswesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

147 
den Bezug aus Bayern, etwa ein Fünftel kommt aus 
Brandenburg und ein Siebentel aus Böhmen. 
Brennstoffe. Die Versorgung der grossen Städte 
mit Brennmaterial ist eine der wichtigsten Aufgaben 
der öffentlichen Verkehrsstrassen. Bis zum Jahre 1850 
fiel diese Aufgabe fast ausschliesslich dem Wasserwege 
zu; für den Hausbrand gelangten Holz und Torf, welche 
Materialien in der Nähe Berlins gewonnen wurden, zur 
Verwendung, für industrielle Zwecke englische, auf dem 
Wasserwege über Hamburg beförderte Steinkohle. Die 
anfangs der fünfziger Jahre auf der Niederschlesisch- 
Märkischen Eisenbahn eingeführte ausserordentliche 
Tarifermässigung, durch welche die anfängliche Fracht 
von 13 bis 14 Pfennig für einen Tonnenkilometer all 
mählich auf 2,2 Pfennig (Einpfennigtarif, d. i. rund ein 
Pfennig für eine Centnermeile) herabgesetzt wurde, 
machte erst die oberschlesische Steinkohle auf dem 
Berliner Markt konkurrenzfähig. Der Transport stieg 
von 5000 Tonnen im Jahre 1850 auf fast 200000 
Tonnen in 1857. Das Vordringen der oberschlesischen 
Kohle geschah auf Kosten des Holzes und der eng 
lischen Kohle; gleichwohl stieg der Bezug der letzteren 
bei dem fortwährend sich steigernden Bedarf Berlins 
noch immer von Jahr zu Jahr, namentlich wurde sie 
für die Fabrikation des Leuchtgases fast ausschliesslich 
verwendet, da die schlesische als hierzu nicht geeignet 
angesehen wurde. Eine entscheidende Wendung hierin 
brachte das Jahr 1870, als die englischen Zufuhren 
durch die Blokade abgeschnitten waren. Die Gas 
anstalten waren gezwungen, einheimisches Material zu 
verwenden; der Versuch fiel zur vollen Zufriedenheit 
aus. Seitdem sind die städtischen Gasanstalten nicht 
wieder davon abgekommen, während die englischen 
Anstalten bald überwiegend zur englischen Kohle 
zurückkehrten. Die inländische Kohle bedarf keiner 
grossen Lagerbestände, da der Bezug während des 
ganzen Jahres möglich ist; sie wird vermöge der 
hergestellten Gleisanschlüsse ohne Umladung direkt in 
die Anstalten gebracht. Heute entfallen etwa 30 °/o 
des gesamten Steinkohleneingangs von Berlin auf 
den Bedarf der Gasanstalten; der Gesamtverbrauch 
der städtischen Anstalten wird aus schlesischen Gruben 
gedeckt. 
Im Jahre 1870 bezifferte sich die Gesamtversorgung 
Berlins mit Brennmaterial auf 
750 000 t Kohlen 
250000 t Brennholz 
125 000 t Torf 
insgesamt 1 125 000 t 
Davon wurden rund 600 OOO t Kohlen mit der Bahn 
und nur 150 000 t auf dem Wasserwege befördert. 
Ueber den gegenwärtigen Kohlenverkehr giebt die 
nachstehende Tabelle 13 Auskunft. 
Hiernach entfielen von der Zufuhr im Jahre 1896 
unter Vernachlässigung des nur 0,5 Prozent umfassenden 
Anteils sächsischer Steinkohlen in runden Zahlen auf 
schlesische Steinkohlen 70, auf englische 20 und auf 
westfalische 10 Prozent, andererseits auf inländische 
Braunkohlen 90 Prozent, auf böhmische 10 Prozent. 
Die riesenhafte Zunahme des Verbrauchs an inländischer 
Braunkohle datiert seit der Ende der siebziger Jahre 
eingeführten Fabrikation von Briketts, welche sich 
wegen ihrer Trockenheit, Reinlichkeit, leichten Ent 
flammbarkeit und ihres geringen Aschenrückstandes vor 
züglich zur Zimmerfeuerung eignen und die Holz- und 
Torffeuerung fast ganz verdrängt haben. 
Das Verhältnis zwischen dem Bahn- und Wasser 
transport hat sich in den letzten Jahren sehr zu 
Ungunsten der Eisenbahn verschoben. Es betrug hin 
sichtlich der oberschlesischen Kohle 
im Jahre 
der Gesamteingang 
mit der Bahn 
zu Wasser 
t 
t 
t 
t 
1889 
939 000 
875 OOO 
64 OOO 
1890 
I 021 OOO 
879 OOO 
142 OOO 
1893 
967 OOO 
704 OOO 
263 OOO 
1894 
964 OOO 
618 OOO 
346 OOO 
1895 
884 OOO 
630 OOO 
254 OOO 
Diese gewaltige Zunahme des Wassertransports 
ist auf die in den letzten Jahren fertiggestellten günstigen 
Schiffahrtswege zwischen dem oberschlesischen Kohlen 
gebiet und Berlin zurückzuführen; die Abnahme im 
Jahre 1895 ist lediglich eine Folge des andauernd 
ausserordentlich niedrigen Wasserstandes, der an 
79 Tagen die Schiffahrt fast vollständig lahm legte. 
* * 
* 
Jahr 
>895 
1896 
gegen 1870 
Tabelle 13. Gesamtzufuhr von Kohlen auf dem Bahn- und Wasserwege nach Berlin 
in den Jahren 1895 und 1896. 
1 084 840 
1 151 605 
466 357 
Schlesische 
t 
Steinkohlen und Koks 
Westfälische 
t 
100 909 
146 870 
25 329 
Sächsische 
t 
10475 
8 279 
5 °75 
Englische 
t 
230 501 
328 381 
I 12 642 
Zusammen 
t 
1 426 725 
1635135 
609 403 
Braunkohlen und Briketts 
Böhmische 
t 
110 502 
102 742 
68 107 
Inländische 
t 
686 598 
774486 
66 123 
Zusammen 
t 
797 100 
877 228 
134 230 
Zusammen 
2 223 825 
2 512 363 
743 633
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.