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Das Verkehrswesen

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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werden konnten. Zu diesen Unzuträglichkeiten gesellten 
sich noch die Störungen des öffentlichen Strassen- 
verkehrs, welche aus dem häufigen und bisweilen lange 
andauernden Oeffnen der Brückenklappen hervorgingen, 
sowie diejenigen des Schiffsverkehrs, welche das 
Schliessen der Drehbrücken für den Uebergang der 
sich stetig vermehrenden Eisenbahnzüge der Anhalter 
und Potsdamer Bahn verursachte. In letzterer Beziehung 
ist schon seit geraumer Zeit durch die Höherlegung 
der neueren Bahnhofsbauten Abhilfe herbeigeführt 
worden, ebenso sind die meisten Strassenbrücken nach 
dem im Jahre 1875 erfolgten Uebergang derselben in 
den Besitz der Stadt Berlin umgebaut worden. Die 
Beseitigung der sonstigen Uebelstände erfolgte in den 
Jahren 1883 bis 1890 dadurch, dass der Kanal unter 
Herstellung steiler, mit Quadern bekleideter Ufer 
einfassungen durchweg eine für vier Schiffsbreiten nutz 
bare Breite erhielt und auf einzelnen, dazu besonders 
geeigneten Strecken — am Maibachufer, Halleschen 
Ufer und Charlottenburger Ufer ordnungsmässige Lade 
strassen angelegt wurden. Des weiteren hat die Stadt 
Berlin im Jahre 1892 am Urban, gegenüber der Ver 
einigungsstelle des Louisenstädtischen und des Land 
wehr-Kanals, eine grössere Hafenanlage zur Ausführung 
gebracht. 
Innerhalb der Stadt Berlin war die 1800 m lange 
Strecke der Spree von der Abzweigung des Schiffahrts 
kanals unterhalb der Waisenbrücke bis zur Einmündung 
des Kupfergrabens oberhalb der Ebertsbriicke bisher 
für die durchgehende Schiffahrt nicht benutzbar, weil 
die Stauwerke am Mühlendamm keine Schiffsschleuse 
hatten. Die Anlage einer solchen in Verbindung mit 
der Regulierung der Unterspree wurde, nachdem im 
Jahre 1887 der Ankauf und Abbruch der ehemaligen 
Dammmühlen durch die Stadt Berlin bewirkt war, mit 
einem Kostenaufwande von II Millionen Mark bewirkt. 
Dieses hochbedeutsame Werk, welches eine durch 
greifende Umgestaltung eines der lebhaftesten Stadt 
teile von Berlin herbeiführte — Beseitigung und Neu 
bau der umfangreichen Stauwerke in der Spree, sowie 
der darüber führenden Brücken, der bereits erwähnte 
Abbruch der Dammmühlen und der Neubau eines 
städtischen Verwaltungsgebäudes, der Abbruch und 
Neubau der Kurfürstenbrücke und Friedrichsbrücke, die 
Neuanlage einer Uferstrasse zwischen Mühlendamm und 
Königsstrasse, die Herstellung neuer massiver Ufer 
mauern vom Mühlendamm bis zur Friedrichsbrücke, 
die Beseitigung der weit in das Spreebett hineinragenden 
Domfundamente — wurde in den Jahren 1888 bis 1893 
zur Ausführung gebracht. Der natürliche Hauptlauf der 
Spree ist dadurch für die grossen Elb- und Oder-Schiffe 
zugänglich geworden und bildet somit die dritte und 
zugleich leistungsfähigste Schiffahrtsstrasse durch Berlin. 
Ueber den grossartigen Güter-Verkehr, der auf 
den beschriebenen drei Schiffahrtsstrassen bewältigt 
wird und den gesamten Verkehr aller 13 in Berlin 
einmündenden Eisenbahnen an Gewichtsmenge nahezu 
erreicht, giebt die untenstehende Tabelle 1 Auskunft. 
Der umfangreiche Güterverkehr der Vororte Berlins 
ist in den vorstehenden Angaben nicht mitenthalten, 
da eine Statistik darüber nicht geführt wurde. 
Nach den Gattungen vertheilen sich die Güter 
wie folgt: 
Mauersteine, Dachziegel und Thonröhren .... rund 30 Prozent 
Bruchsteine und Steinwaren » 5 » 
Sand, Kies, Lehm »'17 » 
Cement, Trass, Kalk » 3 » 
Holz (ohne Flossholz) » 8 » 
Se. Baumaterialien rund 63 Prozent 
Steinkohlen » 12 » 
Getreide, Plülsenfrüchte, Mehl » 8 » 
Sonstige Lebensmittel (Obst), Fette, Leder, Stroh, 
Heu, Braunkohlen etc » 17 » 
Die Personenschiffahrt auf den Berliner Wasser 
strassen dient fast ausschliesslich dem Vergnügungs 
verkehr. Abgesehen vom Ruder- und Segelsport, der 
von den Berlinern stets mit Vorliebe gepflegt wurde 
und, wie die zahlreichen Ruderer- und Seglervereine be 
weisen, in hoher Blüte steht, werden die an der Ober 
spree, an der Dahme, sowie an der Unterspree und Havel 
mit ihren seeartigen Erweiterungen belegenen Ortschaften 
von Dampfern entweder in regelmässigen Fahrten oder 
in bestellten Sonderfahrten besucht, um das Bedürfnis 
der Einwohnerschaft nach Erholung und Naturgenuss 
zu befriedigen. Die Stärke dieses Verkehrs ist teils 
Tabelle 1. Nachweisung des Güter-Verkehrs auf den Wasserstrassen Berlins. 
Jahr 
A. Segelschiffe 
B. Dam 
, fe r (Schlepper, Kettenschiffe, Giiterdampfer) 
Summe 
der Ladungen 
A. und B. 
t 
durch 
gegangene 
An 
ange- 
koinmene 
^ahl 
ab 
gegangene 
zusammen 
Gewicht 
der Ladungen 
t 
durch- 
gegangene 
An 
ange 
kommene 
'ahl 
ab- 
gegangene 
zusammen 
Gewicht 
der Ladungen 
t 
1885 
3956 
35 420 
35 °74 
74 45° 
4013 312 
59 
1722 
1687 
3 468 
36 599 
4049911 
1888 
3654 
37 923 
37 749 
79 326 
4835 347 
19 
2815 
2869 
5 703 
60 054 
4 895 401 
.891 
4199 
39 I2 7 
38 306 
81 632 
5 506421 
16 
3593 
3572 
7181 
94 901 
5 601322 
1892 
4234 
34 38i 
34007 
72 622 
4 906 662 
161 
4541 
4491 
9193 
81389 
4 988 051 
1893 
4262 
37 3«2 
36 909 
78 483 
5 308 784 
97 
4946 
4951 
9994 
80 672 
5 389456 
1894 
5692 
34 985 
34 372 
75 °49 
5 595 298 
5 
4983 
5035 
10 023 
85 861 
5 681159 
1895 
4066 
34 546 
33 926 
72 538 
5 525 692 
95 
6094 
6100 
12 289 
78 092 
5 603 784
	        
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