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Beleuchtung und Illumination der Ausstellung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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dass das Publikum bei Beginn der Dämmerung, noch 
ehe die Festbeleuchtung in Gang gesetzt war, den 
Heimweg antrat, um nicht von der Dunkelheit im 
Park überrascht zu werden. 
Weitere Beleuchtungen fanden statt: im Mai an 
4 Abenden, im Juni an 4 Abenden, im Juli an 3 Abenden, 
im August an 7 Abenden, zusammen an 18 Abenden. 
Davon müssen 6 als ganz misslungen bezeichnet werden, 
weil die überaus ungünstige Witterung das Publikum 
verscheuchte und die Wirkung der Lampen beein 
trächtigte; 10 konnten nur als mässig gelungen gelten, 
da sich die Witterungseinflüsse als immerhin störend 
erwiesen. 
Nur 2 Abende gelangen in jeder Hinsicht. Sie 
waren thatsächlich von bezaubernder Wirkung und 
haben allgemeines Blntziicken erregt. Die farbige Ein 
rahmung des Sees mit flackernden Lämpchen und der 
ruhige Hintergrund, den hierfür die mit milchweissen 
Lampen besetzten Bogengänge der den See auf 
allen Seiten umgebenden Platanenalleen bildeten, 
boten, namentlich seit die Bogenlampen ganz gelöscht 
wurden, was man an den ersten Illuminationsabenden 
nicht gewagt hatte, einen Anblick, der den um den 
See wandelnden Beschauer wie ein Zaubermärchen um 
fing. Störend wurde nur eins empfunden: die beiden 
Hauptrestaurateure der Ausstellung, denen die bevor 
zugten Plätze an der Schmalseite des Neuen Sees und 
die Hallen der grossen Rotunde des Ausstellungs 
gebäudes zugeteilt waren, liessen sich zu keiner Be 
teiligung an der Beleuchtung bewegen. Ihre Hallen 
und Säulen blieben entweder dunkle Flecke in der 
glänzenden Umrahmung, oder sie störten durch ihre 
unangenehme weisse Beleuchtung das farbenprächtige 
Bild. Kontraktliche Abmachungen waren im Vertrauen 
auf das Entgegenkommen der beiden Beteiligten, welches 
nach allgemeiner Meinung in ihrem eigenen Geschäfts 
interesse gelegen hätte, nicht getroffen worden, und so 
musste die Störung ertragen werden. Künftige Veran 
stalter derartiger Festbeleuchtungen werden gut thun, 
in dieser Hinsicht vorsichtiger zu verfahren. 
Wie sehr solche Veranstaltungen von der Gunst 
der Witterung abhängig sind, zeigt leider die obige 
Zusammenstellung. In jeder neuen Woche wurden 
sehnsüchtig erwartende Blicke zum Himmel gesandt, 
wenn der für Beleuchtungen bestimmte Donnerstag 
herannahte. Der Himmel blieb ungünstig, und das 
beständige Sommerwetter, welches so sehnlich erhofft 
wurde und für die auf dem feuchten Wiesengrund des 
Treptower Geländes errichtete Ausstellung in jeder 
Beziehung notwendig war, trat nicht ein. Sollte man 
auf die Veranstaltung von Beleuchtungen gänzlich ver 
zichten, da diese doch in der Mehrzahl verregneten? 
Ein unvorhergesehenes Ereignis schaffte einen Ausweg. 
Das Theaterunternehmen Alt-Berlin sah sich ge 
nötigt, seine Pforten zu schliessen. Durch dieses, an 
sich im höchsten Grade zu bedauernde Ereignis wurde 
eine erhebliche Menge elektrischer Energie, welche von 
diesem Unternehmen für seine abendlichen Vorstellungen 
gebraucht worden war, verfügbar, und die Ausstellungs- 
leitung entschloss sich im Hinblick auf die andauernd 
ungünstige Witterung, zum erstenmal bei Gelegenheit 
des Besuchs der Ausstellung durch Li-Hung-Tschang, 
die verfügbar gewordene elektrische Kraft auszunutzen, 
und zwar zum Ersatz der empfindlichen Talglämpchen 
wenigstens in der unmittelbaren Umgebung des Sees. 
Hier wurden elektrische Glühlampen angebracht, welche 
in gefärbten Gläsern zwar des flackernden Reizes der 
Lampenbeleuchtung entbehrten, aber durch grössere 
Lichtfülle und Betriebssicherheit entschiedene Vorteile 
boten. Am 27. Juni kam ein Abkommen mit der All 
gemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft zu stände, in welchem 
diese mit grosser Bereitwilligkeit die Anbringung von 
7092 Glühlampen um den Neuen See übernahm. 
Anerkannt muss auch das Entgegenkommen werden, 
mit dem die Firma Hoppenworth in eine Lösung 
bezw. Umänderung des mit ihr abgeschlossenen Be 
leuchtungsvertrages willigte; dieser war noch keineswegs 
abgewickelt, da ein Teil der geplanten Beleuchtungen 
infolge der andauernd schlechten Witterung noch nicht 
hatte stattfinden können. 
Kombinierte Beleuchtungen, elektrisch am See und 
mit F'ettlämpchen in den Laubengängen, haben hier 
nach 5 stattgefunden. 
Eine schöne Erweiterung erfuhren die Beleuchtungen 
ausserdem durch den unabhängig nebenherlaufenden 
Entschluss, einen Teil der für die Ausstellungshallen- 
Beleuchtung bestimmten Kraft zu opfern, um auch die 
Fassade des Hauptgebäudes, welche, wie erwähnt, dem 
Beleuchtungskranz fehlte, in ihren Hauptlinien mit 
Glühlampen, an einzelnen hervorragenden Punkten mit 
farbigen Bogenlampen zu beleuchten. Auch diese 
Anlage wurde von der Allgemeinen Elektrizitäts- 
Gesellschaft bewirkt und umfasste ca. 2300 Glühlampen 
und 36 Bogenlampen. Der Eindruck, welcher durch 
diese Bereicherung der Beleuchtung erzielt wurde, war 
ein bedeutender und wurde wesentlich dadurch unter 
stützt, dass in den unteren Hallengängen die Bogen 
lampen durch blaue Schleier abgedämpft wurden, so 
dass ein wohlthuender Kontrast zwischen der strahlenden 
Aussenbeleuchtung und der dämmernden Innenbe 
leuchtung entstand. 
Da sich herausstellte, dass bei Anwendung grosser 
Vorsicht und äusserster Anspannung aller Faktoren 
die einmal programmmässige Beleuchtung der Aus 
stellungshallen neben der Aussenbeleuchtung des 
Hauptgebäudes in Betrieb gehalten werden konnte, 
nahm die Ausstellungsleitung Gelegenheit, die Be 
leuchtung der Hauptfassade häufig, namentlich an 
Tagen regen Besuchs, zu wiederholen, auch wenn 
eine Gesamtbeleuchtung der Seeufer nicht stattfand.
	        
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