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Die Anlagen und Bauten der Ausstellung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

Flächenraum von etwa 25 OOO qm und lag am Karpfen 
teich. Es war also kein allzu umfangreiches Gebiet, 
welches aber in geschickt täuschender Anordnung 
von wenigen Strassen mit noch weniger grösseren und 
kleineren Plätzen durchzogen war. Die Anlage der 
Strassen, ihre zwanglosen Krümmungen, die Unregel 
mässigkeit der Plätze, das Vor- und Zurücktreten 
der einzelnen Baulichkeiten und ihrer Teile, die An 
deutung des verschiedenartigen Baumaterials, alles das 
gab ein reiches und wechselvolles Bild. An anderer 
Stelle dieses Werkes ist ausführlicher über die An 
lagen »Alt-Berlin« und »Kairo« berichtet. Von den 
Firmen, die an der Errichtung Alt-Berlins teilgenommen 
hatten, sind zu nennen: die Firma H. Görisch für 
die Maurer- und Zimmerarbeiten, G. Heydrich für 
die Herstellung der Loth’schen Patentholzlättchen-Ge 
webe an Wänden, Decken und Gewölben, F. Butzke 
& Co. für die Beleuchtung; den Hauptteil der Deko- 
rations- und Malerarbeiten führte Eilers aus, neben 
ihm waren für diese Zwecke Karl Berg, Heintze 
und andere thätig. Hugo Baruch & Co. lieferten die 
Kostüme. Der Maler Harder war der Urheber des 
den Blick auf das alte Schloss darstellenden Dioramas. 
Albert Hofmann. 
Beleuchtung und Illumination der Ausstellung. 
Wohl noch nie hat eine der vielen Ausstellungen, 
welche als internationale, nationale oder Weltaus 
stellungen im Laufe der verflossenen Jahrzehnte das 
schau- und lernbegierige Publikum zu ihrem Besuch 
einluden, eine Beleuchtung in so weitem Umfange zur 
Ausführung gebracht, wie die Berliner Gewerbe-Aus 
stellung 1896, die nach Gestaltung und Umfang wohl 
geeignet erscheint, mit den vorausgegangenen inter 
nationalen Ausstellungen verglichen zu werden. Wie 
im bürgerlichen Leben, seit die Elektrizität die Welt 
beherrscht, die Ansprüche, welche an die Beleuchtung 
gestellt werden, mit Riesenschritten gewachsen sind, 
so musste, dem Gang der Zeitentwicklung folgend, 
jede neue Ausstellung mit grösseren Ansprüchen 
in Bezug auf die Beleuchtung rechnen. In Würdi 
gung dieses Umstandes war schon in dem ersten 
Programm, welches als Ankündigung der Berliner Ge 
werbe-Ausstellung 1896 im Juni 1895 versandt wurde, 
die Beleuchtung nicht nur des Parks und der 
Restaurationsräume, welche schon bei allen voran 
gegangenen grösseren Ausstellungen mit Beleuchtungs 
anlagen versehen waren, um den Besuchern nach der 
anstrengenden Besichtigung der Ausstellung eine Er 
holung in den kühleren Abendstunden zu ermöglichen, 
sondern auch eine abendliche Beleuchtung der Aus 
stellungshallen selbst in Aussicht gestellt. Es wurde 
dabei vor allem darauf Bedacht genommen, dass der in 
seiner Zeit beschränkte Fremde und auch die Ein 
heimischen, die über freie Tagesstunden nicht verfügen, 
die Abendzeit zum Studium ausnutzen könnten. Sind 
doch gerade diejenigen Berliner Kreise, auf deren Inter 
esse an der Ausstellung im engeren Sinne in erster Linie 
zu rechnen war, vielfach noch am Abend durch ihre 
Erwerbsthätigkeit in Anspruch genommen. 
Inzwischen war das bekannte Ereignis eingetre 
ten. Dem Druck der öffentlichen Meinung nach 
gebend, war, da ein Platz im Tiergarten nicht zur 
Verfügung gestellt werden konnte, die Wahl zwischen 
dem beschränkten Gelände des Witzlebener und dem 
fast unbeschränkten des Treptower Parks zu gunsten des 
letzteren entschieden worden. Wenn die Herstellung 
einer durchgeführten elektrischen Parkbeleuchtung 
schon für Witzleben eine grosse Aufgabe gewesen wäre, 
so stellte das Treptower Gelände an die Berliner In 
dustrie, die es sich zur Pflicht gemacht hatte, nur mit 
einheimischen Maschinen diese Aufgabe zu lösen, kaum 
erfüllbar erscheinende Forderungen, und zwar einer 
seits an die Berliner Maschinenbauer, andererseits an 
das Syndikat der Elektrotechniker, welches sich aus 
den Firmen: Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, 
Siemens & Halske, Gebr. Naglo, Elektrizitäts-Aktien- 
Gesellschaft vorm. W. Lahmeyer & Co., Neue Elek 
trizitäts-Gesellschaft, Berliner Maschinenbau-Aktien-Ge- 
sellschaft vorm. L. Schwartzkopff gebildet und die 
Verpflichtung übernommen hatte, vorausgesetzt, dass 
die erforderliche Maschinenkraft zur Verfügung ge 
stellt würde, die Gesamtbeleuchtung der Ausstellung 
einzurichten und in Betrieb zu nehmen. Es kann 
hier nicht darauf ankommen, Betrachtungen darüber 
anzustellen, ob die gewaltigen Anforderungen, welche 
der Treptower Park stellte, sich besser hätten be 
friedigen lassen, wenn man die Grösse dieser Aufgabe 
von vornherein Schon übersehen hätte. Wie sich 
das ganze Ausstellungswerk unter den Händen zu den 
riesigen Dimensionen auswuchs, die es fast einer 
Weltausstellung gleichkommen Hessen, so trat auch die 
volle Grösse der Beleuchtungsaufgabe erst hervor, als 
das Werk schon weit vorgeschritten war und kaum 
mehr Zeit zu Erwägungen verblieb. Zwar wurde mit 
Rücksicht auf die grossen pekuniären Opfer, welche 
erforderlich waren, im letzten Augenblick noch einmal 
die Frage erörtert, ob man angesichts der veränderten 
Sachlage und angesichts der Thatsache, dass sich 
die Elektrotechniker sowohl als der Berliner Maschinen 
bau auf eine wesentlich geringere Ausdehnung der 
elektrischen Anlagen eingerichtet hatten, von der Be 
leuchtung der Hallen Abstand nehmen sollte. Die 
Entscheidung konnte jedoch angesichts der durch die 
öffentliche Ankündigung übernommenen Verpflichtung 
kaum zweifelhaft sein. 
Die Elektrotechniker erklärten sich im Oktober 
1895 zur Uebernahme der Aufgabe bereit. Hierauf
	        
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