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Die Anlagen und Bauten der Ausstellung

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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gelagerte Blockhaus der »Ehrengerechsamen Wirtschaft 
des Münchener Bürgerbräu, ausgeübt von Robert 
Baitz und Fritz Jahn«, eine köstliche Nachahmung 
eines oberbayerischen Dorf-Bierausschankes, die eine 
vielbesuchte Erholungsstätte war. Es war eine vor 
treffliche Leistung des Münchener Malers Lentner, 
der in Gemeinschaft mit Heilmann und Littmann in 
München ein Werk schuf, dessen liebenswürdige Nach 
bildung aller, auch der kleinsten Zufälligkeiten ein 
grosses künstlerisches Feingefühl verriet und das in 
der Echtheit der alten Bemalung, in der Zusammen 
stimmung des Ganzen, wde überhaupt in der Treue der 
Nachahmung unter den kleinen Bauten der Ausstellung 
unerreicht war. Das Innere entsprach in seiner Aus 
bildung durchaus der breiten Behaglichkeit und liebens 
würdigen Heimlichkeit des Aeussern. Von ähnlichem 
Eindruck war die nach den Entwürfen Karl Hoffackers 
für die Wirtschaftszwecke der Patzenhofer Brauerei 
errichtete Spreewaldschänke, worin der Berliner 
Verein zur Erhaltung der Volkstrachten eine Aus 
stellung eingerichtet hatte. In der Nähe dieser Schänke fiel 
der nach Entwürfen des Architekten A. Tie de in einem 
freien persischen Stil errichtete stattliche Pavillon Sarotti 
auf. Im Vergnügungspark waren es das Automatische 
Restaurant (Architekt H. A. Krause), der gefällige 
kleine Fachwerksbau der Münchener Malzbier 
brauerei von Chr. Groterjan, mit vortrefflichen 
Malereien geschmückt (Architekt Ernst Jacob), sowie 
der Turmbau nach Entwürfen Möh ri ngs, welche die Auf 
merksamkeit auf sich lenkten. Beim Verlassen des Ver 
gnügungsparks begegnete man zunächst dem Theater 
Alt-Berlin, einem feuersichern grossen Bau des Archi 
tekten Bernhard Sehr in g. Dann folgte das in Ziegel- 
fugenbau in romanischen Formen errichtete Haus des 
Vereins für Feuerbestattung, zu welchem die Ver 
blend- und Formsteine Bienwald & Rother und die 
Fussbodenbeläge Rosenfeld & Co. sowie Richard 
Schäffer in Berlin lieferten. Als ein bemerkenswertes 
Bauwerk folgte weiter das Nordische Blockhaus der 
Firma C. R. Meyer, das nach den Entwürfen des Archi 
tekten Bruhn zur Ausführung gelangt war. Bei diesem 
erhoben sich auf einem steinernen Unterbau die aus 
Birkenstämmen, denen die Rinde gelassen war, ge 
fugten Wände. Die aus der nordischen Holzbaukunst 
bekannten Dachformen, Veranden, Galerien und phan 
tastischen Schnitzereien gaben dem stattlichen Bau ein 
malerisches Gepräge. Die Wandflächen des Innern 
waren mit lasiertem Kiefernholz bekleidet; ein Wand 
gemälde der Herren Westphalen und Storch stellte 
die Holzgewinnung im Walde dar. Bei der Fortsetzung 
des Rundgangs fielen ferner auf das saubere Tucher- 
bräu (Architekt Hoffacker), die von dem gleichen 
Architekten errichtete köstliche, als deutscher Fach 
werksbau entworfene Weinlaube der Berliner Wein 
händler, dann das Haus von Siemens & Halske, der 
in den Formen der französischen Renaissance der ab 
getragenen Tuilerienbauten gehaltene Pavillon Fürsten 
brunn. Vor allem aber ist hier einer köstlichen Gruppe 
von Bauwerken zu gedenken, die auf dem Bezirke der 
sogenannten Alpenwiese vereinigt waren, die durch eine 
charakteristische Umfassungsmauer mit Thorbau gegen 
Norden abgeschlossen war und das Alpenpanorama, 
den Pilsener Bierausschank und den Sektausschank 
von Kloss & Förster trug. Es war hier eine kleine 
Gruppe von Bauten vereinigt, deren oberbayerischer und 
Tiroler Stil deutschen Charakters, geschickte Altertümelei 
und malerische Auffassung allseitigem Beifall begegneten 
und vor der strengen architektonischen Würdigung aus 
gezeichnet bestanden haben. In erster Linie stand das 
Alpenpanorama, eine geschmackvoll angelegte Baugruppe 
im Tiroler Stil von grosser Stiltreue. Die Verwendung 
der verschiedenen Architekturmotive wie der gemauerten 
Bogenhallen, offener Veranden, vorgeschobener Erker, 
charakteristischer Dachformen ist von den Architekten 
desBaues, Hochgürtel und seinem Mitarbeiter Stadler, 
mit dem gleichen Erfolge bewirkt worden, wie sie es ver 
standen haben, dem interessanten Bau die Patina lang 
jähriger Witterungseinflüsse zu geben. Das Gleiche 
war bei dem durch dieselben Architekten errichteten 
Pilsener Bierausschank der Fall, der in seiner Aussen- 
gestaltung die malerischen Formen eines mittelalter 
lichen Thorbaues aufwies und, nach den Stilformen zu 
urteilen, alle Zeiten seit der romanischen Periode mit 
grösseren oder geringeren Spuren jeder derselben 
glücklich überstanden hatte. Die romanische Sekt 
klause der Firma Kloss & Förster in Freyburg a. U. 
war ein bescheidenes Bauwerk von vielleicht noch 
grösserem historischen Reiz und von den gleichen 
Künstlern entworfen. Das Ganze bestand aus einem 
Hauptraum, an den sich ein Büffet, kleine Vorrats 
kammern und eine offene Halle anschlossen. Der 
Kneipraum hatte etwa 4,5 : 7 m, war gewölbt und 
hatte ebenso wie das Aeussere durch den Maler 
Max Seliger einen humoristischen Schmuck mit dem 
Motiv biblischer Darstellungen erhalten. Die Erwähnung 
dieser köstlichen Bauwerke möge die grosse Gruppe 
der privaten Ausstellungsbauten abschliessen, über die 
eine unerschöpfliche Fülle witziger und launiger Ein 
fälle und frischer Gestaltungskraft ausgegossen war. 
An der Herstellung aller dieser zahlreichen Bauten 
war ein Heer fleissiger Bauhandwerker beschäftigt. Es 
ist ganz unmöglich, sie alle zu nennen. Unter ihnen 
waren die Firmen F. Pumplun & Co., F. Kallmann, 
König, Kücken & Co., W.Neumeister, R. Schirmer, 
A. Meyendorf, Kräft in Wolgast, Küster, Stiebitz 
und Köpchen u. s. w. Erwähnt sei noch, dass die von 
den Endkuppelräumen der geschwungenen Wandel 
halle des Hauptgebäudes ausgegangenen und in diver 
gierender Richtung verlaufenen geraden, hölzernen, mit 
Leinwand eingedeckten Wandelhallen von Pumplun
	        
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