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Das Propaganda-Bureau

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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schiedenen Grössen, und zwar 38 X 30 und 22 X 13 cm, 
angefertigt. 
Die Plakate des grösseren Formats wurden je nach 
Bedarf mit dänischem, englischem, französischem, italieni 
schem, polnisch-russischem und schwedischem Aufdruck 
versehen, da man von der Auffassung ausging, dass in 
fremden Landen die Ankündigung unserer Ausstellung 
nicht nur den verhältnismässig wenigen der deutschen 
Sprache Mächtigen, sondern vor allem auch der breiten 
Masse der Bevölkerung verständlich sein müsse. Be 
züglich der kleinen Plakate beschränkte man sich auf 
die verbreitetsten Sprachen. Als fernere Hilfsmittel, die 
Bekanntmachung der Ausstellung zu bewirken, standen 
dem Bureau zur Verfügung: Prospektheftchen in 
deutscher, englischer und französischer Sprache; ferner 
ein kleines Werkchen »Bunte Blätter der Berliner 
Gewerbe-Ausstellung 1896«, enthaltend 6 chromo 
lithographische Ansichten der hervorragendsten Baulich 
keiten nebst Text (auf Ersuchen des Norddeutschen 
Lloyd in Bremen wurde für die in den Salons seiner 
Dampfer aufzulegenden Exemplare eine englische Ueber- 
setzung hergestellt); Klischees der in eben erwähntem 
Hefte bildlich wiedergegebenen, sowie einiger anderen 
Gebäude und der Bilder der Arbeitsausschuss-Mitglieder, 
welche von den verschiedensten Zeit- und > Fachschriften 
des In- und Auslandes zum Abdruck gebracht wurden — 
erschienen die Portraits doch sogar in einer Zeitschrift 
indischer Zunge! 
Schliesslich seien noch die Siegel- oder Ver 
schlussmarken aufgeführt, welche um eine symbo 
lische Darstellung der Berolina in 4 Sprachen die Um 
schrift »Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896« zeigten und 
nicht nur zum Verschlüsse der Briefe der Ausstellungs 
leitung dienten, sondern auch in vielen hunderttausenden 
von Exemplaren bis zum Schlüsse der Ausstellung von 
hiesigen und auswärtigen Firmen zu gleichem Zwecke 
benutzt wurden. Die Kosten, welche dem Bureau für 
Herstellung, Versendung der Plakate u. s. w., für Ge 
hälter, Porti, Pachten der Anschlagsplätze an Säulen 
und Tafeln u. s. w. erwachsen sind, betrugen annähernd 
300 OOO Mk. — eine kleine Summe gegenüber dem, 
was von anderen Ausstellungen für den gleichen Zweck 
ausgegeben worden ist, zumal wenn man in Erwägung 
zieht, dass damit die Verteilung und Verbreitung von 
mehr als einer halben Million von Exemplaren der 
verschiedensten Publikationsmittel bewirkt worden ist. 
Dieses günstige Ergebnis war nur möglich durch das 
überaus dankenswerte Entgegenkommen sehr vieler 
Staats- und Gemeindebehörden, sowohl im Vaterlande 
wie im Auslande, die bereitwillig den unentgeltlichen 
Aushang bezw. Anschlag unserer Plakate bei den ihnen 
untergebenen Dienststellen gestatteten. 
Der erste, zunächst vorbereitende Schritt, welcher Mitte 
1895 gethan wurde, bestand in nachstehendem Schreiben 
des Arbeitsausschusses an das Auswärtige Amt: 
»Kein volles Jahr mehr trennt uns von dem 
Beginn der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 
deren Protektorat Se. Königliche Hoheit Prinz 
Friedrich Leopold von Preussen übernommen hat, 
und deren Ehrenpräsident der preussische Herr 
Handelsminister Freiherr von Berlepsch ist. Die 
wetteifernde Beteiligung der gewerbefleissigen 
Kreise und die Förderung der städtischen Behörden 
werden ein Werk bürgerlichen Gemeinsinns schaffen, 
das, wie zuversichtlich zu erwarten, dem Vaterlande 
zu Ehre und Ruhm gereichen wird. Darf Berlin 
als grösste Industriestadt des Kontinents vertrauen, 
in seinen Leistungen Sehenswürdiges zu bieten, in 
manchem Betracht den gegenwärtigen Stand der 
Industrie überhaupt darzustellen und rühmlichen 
Fortschritt auf allen Gebieten aufzuweisen, so hätte 
der im ersten Jubiläumsjahre des Reiches in dessen 
Hauptstadt veranstalteten Gewerbe - Ausstellung 
doch die rechte Weihe gefehlt, wenn nicht neben der 
Stadt auch Staat und Reich dem Werke ihre Gunst 
geschenkt und dadurch untrennbaren Zusammen 
hang bethätigt hätten. Der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896 werden Zusammenstellungen aus 
den öffentlichen Sammlungen des Staates und des 
Reiches, sowie aus dem Besitze Sr. Majestät des 
Kaisers zum Schmucke gereichen, die ihr an 
gegliederte deutsche Kolonialausstellung wird ihr 
eigenartigen Charakter geben, durch die Beteili 
gung des gesamten deutschen Fischereiwesens 
wird ihr auch auf diesem Gebiete der Rang einer 
nationalen Ausstellung verliehen. In dem bei 
geschlossenen, freundlicher Kenntnisnahme empfoh 
lenen Verzeichnis der Organe der Ausstellung wird 
ein getreues Bild der vielgestaltigen Gruppen- 
Einteilung gegeben. Unter den bei der Leitung 
dieser einzelnen Gruppen Beteiligten sind Männer, 
die Deutschlands unbestrittene Erfolge in Chi 
cago herbeizuführen geholfen haben und die 
mit Gewähr dafür bieten, dass die Berliner Ge 
werbe - Ausstellung 1896 gleich rühmlich be 
stehen wird. 
Das freundliche und fördernde Entgegen 
kommen, das wir seither von sämtlichen Behörden 
erfahren haben, ermutigt uns zu einem Anträge, 
den wir dem hohen Auswärtigen Amte im fol 
genden zu unterbreiten uns erlauben: 
Es würde dem Gelingen unseres Werkes be 
sonderer Glanz, seiner materiellen Wirkung be 
sondere Nachhaltigkeit gesichert werden, wenn das 
ferne wie das nahe Ausland in geeigneter amt 
licher Weise auf die bevorstehende Berliner Ge 
werbe-Ausstellung 1896 aufmerksam gemacht würde. 
Wir nehmen uns deshalb die Freiheit, dem Aus 
wärtigen Amte vorzuschlagen und ihm den Vor 
schlag mit dringender Bitte zu empfehlen,
	        
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