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Das offizielle internationale Pressbureau

Full text: Berlin und seine Arbeit / Kühnemann, Fritz

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Schädigungen für die Aufnahme redaktioneller Notizen, 
die Schreibmaterialien und die Angestellten des Bureaus, 
beziffert sich auf ungefähr 30 000 Mk. Diese Summe 
ist nicht vollständig verausgabt worden; es wurde er 
möglicht, einige hundert Mark davon zu ersparen. 
An Entschädigungen für die durch das Auswärtige 
Amt vermittelte Aufnahme von Artikeln in über 
seeischen Blättern sind im ganzen nur etwa 1400 Mk. 
verausgabt worden, die in den angegebenen 30 OOO Mk. 
mit enthalten sind —- eine Summe, welche gegenüber 
den befriedigenden Erfolgen überhaupt nicht in Be 
tracht kommt. 
Max Horwitz. 
Das Propaganda-Bureau. 
Die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 hatte den 
Zweck, der ganzen Welt die grossen Fortschritte dar- 
zuthun, die Berlins Industrie, Gewerbe und Kunstgewerbe 
in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Sollte 
dieser Zweck erreicht werden, so war vor allem nötig, 
die Thatsache, dass ein solches Werk zu bestimmter 
Zeit erstehen werde, laut und überallhin zu verkünden; 
zu erzählen, was es dem Besucher Lehrreiches und 
Wissenswertes bieten, was es ihm an Unterhaltungen 
und Vergnügungen gewähren werde; und diese Ver 
kündigung so zu gestalten, dass sie die wirksamste 
Unterstützung der Einladung bildete-—ja, die eigentliche 
Einladung selbst war. Eine Ausstellung kann noch so 
wohl gelungen sein: sie verfehlt ihre Absicht, wenn sie 
nicht viele Besucher anzuziehen und deren Anerkennung 
zu erringen vermag. Wer vor aller Welt bestehen will, 
der muss alle Welt nicht bloss zu sich entbieten, sondern 
auch herbeiführen. Dass hierfür gesorgt werde, ist zum 
ideellen und materiellen Gelingen ebenso notwendig, 
wie dass ausreichende Vorkehrungen getroffen werden, 
um zum Empfang zahlreichen Besuchs gerüstet zu sein. 
Die vielverzweigte und vielgestaltige Thätigkeit, die 
vorschauend und vorbereitend den Grund für jeden 
Erfolg legen, ihm den Weg ebnen und seine Voraus 
setzung schaffen muss, fassen wir unter der Bezeichnung 
»Propaganda« zusammen. Aufgabe der Propaganda ist 
es, Besucher herbeizuziehen, ihnen an Ort und Stelle 
ein Führer zu sein, der Aufmerksamkeit die Richtung 
zu geben, Spannung hervorzubringen, sie zu steigern 
und doch in rechtem Masse zu halten, und alles dies 
unter Berücksichtigung der eigenartigen Erwartungen 
und Wünsche der Besucher aus den verschiedenen 
Provinzen und Ländern. Es leuchtet ohne weiteres 
ein, dass Wichtigkeit und Umfang dieser Aufgaben 
gross genug sind, um die Bildung eines eigenen Ressorts 
zu rechtfertigen und dessen Kräfte voll in Anspruch 
zu nehmen. 
AufAntrag des GeheimenKommerzienratsL.M. Gold 
berger schuf der Arbeitsausschuss im September 1895 
ein besonderes Propaganda-Bureau, dem der Genannte 
auch weiterhin die massgebenden Direktiven gab. 
Die erste Leitung des Bureaus wurde Herrn Adolf 
Schultz anvertraut, der die anfängliche Einrichtung be 
sorgte und dabei ein dankenswertes organisatorisches 
Talent offenbarte. Seit dem 15. Januar 1896 stand der 
Verfasser vorliegenden Berichts an der Spitze dieses 
Teiles der Verwaltung. 
Zur Kennzeichnung der zu leistenden Arbeitsmenge 
sei erwähnt, dass in dem Bureau bis gegen Mitte Juni 
ein Personal von acht Köpfen täglich 13 —14 Stunden 
angestrengt thätig sein musste, und dass die Zahl der 
abgehenden Briefe sich in der Regel zwischen 120 und 
140 täglich bewegte. 
In den massgebenden Kreisen galt von vornherein 
als feststehend, dass das beste Mittel, um an die 
kommende oder bereits eröffnete Ausstellung überall 
zu erinnern, ein augenfälliges, die Aufmerksamkeit auf 
sich lenkendes Plakat sein werde. Im Mai 1895 wurden 
an die beteiligten Künstlerkreise Ausschreiben versandt, 
auf die 98 Entwürfe einliefen. Das Preisgericht, dem 
als Vorsitzender Professor Anton von Werner, als 
Mitglieder die Professoren Woldemar Friedrich und 
Doepler der Jüngere, die Architekten H. Grisebach, 
Karl Hoffacker undBruno Schmitz, sowie die Mitglieder 
des Arbeitsausschusses angehörten, erkannte den ersten 
Preis dem Entwurf des jungen Malers Ludwig Sütterlin 
zu, dem die schaffende Arbeit symbolisierenden Hammer- 
Plakat.*) Dem Vorschläge der Jury gemäss wurde 
dieses als offizielles Ausstellungsplakat angenommen und 
gelangte in der Kunstdruckanstalt von Otto v. Holten 
zur Vervielfältigung. Das Hammerbild hat die mannig 
faltigste Beurteilung gefunden — unbestritten und un 
bestreitbar ist, dass seit langer Zeit kein Plakat 
seinen Zweck, die Aufmerksamkeit herauszufordern, ja 
zu erzwingen, so vollkommen erreicht hat, wie das 
Sütterlin’sche. Der Meinungsaustausch darüber, ob die 
gewählte Symbolik zutreffend und glücklich sei, diente 
der Absicht des Plakats aufs wirksamste. 
Als zweites für öffentlichen Anschlag bestimmtes 
Publikationsmittel erschien gegen Weihnachten desselben 
Jahres die von Professor A. Jacob entworfene, im litho 
graphischen Institut von Wilh. Greve in 12 Farben ver 
vielfältigte »Vogelschau-Ansicht der Berliner Gewerbe- 
Ausstellung 1896«. 
Beide Darstellungen waren in erster Linie zum 
Aushang in den Bahnhöfen, öffentlichen Lokalen, Hotels, 
Restaurationen und zum Anschlag an Plakatsäulen und 
Tafeln bestimmt. 
Bald machte sich auch das Bedürfnis nach kleineren 
Formaten für Eisenbahn- und Pferdebahnwaggons fühlbar. 
Demgemäss wurde das Hammer-Plakat in zwei ver- 
*) Der zweite Preis fiel an Julius Post, der dritte an Theodor 
Hauptmann, der vierte an Ferd. Weidlich und W. Seliger.
	        
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