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1. Geschichtliches

Full text: Offizieller Haupt-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 / Berliner Gewerbe-Ausstellung (1896 : Berlin)

Geschichtliches 
III 
aber clie Bestrebungen für Berlin sich gestalten möchten, keinesfalls könnte 
schon der in der Eingabe des Vereins bezeichnete Zeitpunkt — 1896/97 — 
für die Veranstaltung einer neuen Ausstellung in Frage kommen. 
Am 7. Juni entgegnete der Verein, dass ihm nichts ferner liege, als mit 
den Bestrebungen für eine Welt-Ausstellung in Berlin die Absichten beein 
trächtigen zu wollen, von denen die Reichsregierung in Bezug auf die 
Chicagoer Welt-Ausstellung geleitet sei. Die Arbeiten für die Berliner Welt- 
Ausstellung würden die bereits getroffenen Anordnungen für Chicago um 
so weniger beeinflussen, als die für erstere ins Auge gefassten Schritte zunächst 
und noch für längere Zeit nur einen anregenden und nach der finanziellen 
Seite vorbereitenden Charakter haben könnten. Zur Verhütung von Miss 
deutungen habe übrigens der Verein in Uebereinstimmung mit dem Aeltesten- 
Kollegium der Berliner Kaufmannschaft und unter Zuziehung der hierbei in 
Frage kommenden bezw. in gleicher Richtung thätigen Vereine beschlossen, 
die Bildung einer „ freien Vereinigung zur Schaffung eines Garantiefonds“ 
bis zum Herbst zu vertagen. Der Zeitpunkt für die Veranstaltung einer 
Welt-Ausstellung in Berlin werde sich aus dem Fortschreiten der einleitenden 
Arbeiten von selbst ergeben; eine mit den Grundbedingungen des Unter 
nehmens in Widerspruch befindliche beschleunigte Ansetzung des Termins 
erscheine allseitig unzweckmässig. Dass die Jahre 1896/97 bei Gelegenheit 
einer vorbereitenden Versammlung im Berliner Rathhause besonders genannt 
Avurden. habe zum Theil seinen Grund in patriotischen, an jene Jahreszahlen 
geknüpften Erinnerungen, doch sollte damit eine endgiltige Verbindlichkeit 
nicht übernommen werden. Der Wunsch des Vereins gehe nur dahin, das 
Deutsche Reich und dessen Hauptstadt bezüglich einer Veranstaltung von 
so hoher Kulturbedeutung nicht durch rivalisirende Bestrebungen anderer 
Länder verdrängt, vielmehr rechtzeitig verbürgt zu sehen, dass Deutschlands 
Anspruch auf eine Welt-Ausstellung innerhalb dieses Jahrhunderts umviderruflich 
festgestellt werde. 
Dieses Schreiben war noch nicht 48 Stunden in den Händen des Herrn 
Reichskanzlers, als von Paris aus bestätigt wurde, wie wohlbegründet der 
Wunsch geAvesen war, den deutschen Anspruch auf eine Welt-Ausstellung in 
Berlin innerhalb dieses Jahrhunderts unwiderruflich festgestellt zu wissen. Die 
vertraulichen Meldungen über das, was in Paris sich vorbereitete, wurden an die 
zuständige Stelle geleitet, doch wurde damit eine sichtbare Wirkung nicht erzielt. 
Anfang Juli wurde offenkundig, was die Leiter des Vereins vertraulich 
erfahren und mitgetheilt hatten. Noch durfte man hoffen, dass sich der Vor 
tritt Berlins in dem Falle sichern liess, dass ein behördlicher Bescheid zur 
unverzüglichen Inangriffnahme der Bildung eines Garantiefonds aufforderte. Doch 
auf Seiten der Reichsregierung überwog die Scheu vor der Aufnahme eines Wett 
kampfes, und schon lag die Angelegenheit nicht mehr bei dem Reichskanzler,
	        
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