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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei [Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände]

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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liehen. Die Waadegarnfischerei wird wie folgt betrieben: Das Ende einer Zugleine 
bleibt am Strande, die beiden Zugleinen und das Netz werden in ein Strandboot 
eingeladen und alsdann die erste Zugleine senkrecht zum Strande, das Netz 
parallel zu demselben und die andere Zugleine wieder senkrecht nach dem 
Strande hingefahren. Das Boot wird nun auf den Strand gezogen, und indem 
je 5—10 Personen an jeder Zugleine arbeiten, wird das Garn eingeholt, wobei 
sich die beiden Parteien einander allmälig nähern und endlich die unteren 
Simmen kreuzen. Nachdem dann die Fische aus der Metritze herausgenommen 
sind, wird das Netz wieder in das Boot gepackt nnd von neuem ausgefahren. 
12. Modell eines Lachstreibnetzes für Hochseefischerei. Die Lachstreibnetze 
sind aus dünnem Bindfaden gestrickte Netztücher je etwa 50 m lang, 36 — 40 ganze 
Maschen tief, bei 80—90 mm Maschenweite von Knoten zu Knoten. Diese Netztücher 
erhalten eine obere Simme, mit Korkflotthölzern durch 0,5 - 1 m lange Schnüre 
mit dem Netze verbunden. Eine untere Simme sowie jedwede Beschwerung der 
Netze unten fehlt gänzlich. Die Netze werden bei 50 m Länge so eingestellt, 
dass sie im Wasser je eine Länge von 28—30 m bei einer Tiefe von 4—6 m 
haben, und werden der Dauerhaftigkeit wegen, vielleicht auch, um sie den Fischen 
im Wasser weniger kenntlich zu machen, mit Katechu gebeizt. Derartige Netze 
werden 40—60 Stück zusammengebunden, an dem einen Ende mit einfachem 
Schwimmer, der eine Laterne trägt, versehen, am anderen Ende, also 1400 bis 
1800 m vom Schwimmer entfernt, an das Boot befestigt. Nachdem Netze und 
Boot 4—6 Stunden mit dem Winde getrieben haben, wobei der Mast des Bootes 
niedergelegt wird, werden die darin gefangenen Fische, die mit den Kiemen 
deckeln in den Maschen sitzen und sich in die lose herabhängenden Netze ein 
gewickelt haben, ausgelöst. Das bei dieser Fischerei benutzte Boot, der 
sogenannte Hochseekutter, ist im Modell unter No. 3323. 1 ausgestellt. 
13. Modell der Heringsmanze (Danziger Bucht). Die Heringsmanze der 
Danziger Bucht wird von sehr feinem Baumwollgarn mit 1,3 cm Maschenweite 
hergestellt, und hat eine Länge von 40—50 m bei einer Tiefe von 2—2,5 m. 
Die Obersimme trägt Körkflotthölzer, die Untersimme Steine oder Blei, berührt 
aber nicht den Grund, sondern schwimmt frei. Das Netz, welches mit Katechu 
gefärbt ist, wird nur an einem Ende verankert, stellt sich daher immer in die 
Richtung der Strömung. Zur Fischerei werden 4—5 Netze mit einander ver 
bunden ausgelegt. 
14. Modell des Flundernetzes. Die Flundernetze waren eine Zeit lang 
fast ganz durch die schädliche Zeesenfischerei verdrängt, sie kommen aber 
neuerdings wieder in Aufnahme. Das Netz besteht aus mehreren gleichartigen 
Stücken von je 80—100 m Länge und 1,5—4 m Höhe und ist aus feinem Flachs 
garn mit 6—8 cm Maschenweite angefertigt. An der oberen Simme sind in Ent 
fernungen von ca. 1 m die Flotthölzer befestigt, die aus halbkreisförmigen 
Tannenbrettchen von ca. 20 cm Länge bestehen; in gleichen Entfernungen ist 
die untere Simme durch kleine mit Steinchen gefüllte, cylindrische Säckchen 
beschwert. Das Netz ist sehr lose eingestellt, die Bauschen werden dadurch 
erreicht, dass in regelmässigen Abständen von der Obersimme zur Untersimme 
Schnüre (Gaddern) gehen, welche kürzer sind, als die Höhe des Netztuches. 
Zum Gebrauch werden gewöhnlich 2 oder mehrere Netztücher zusammengefügt 
und in einem von 3—4 Mann besetzten Boot nach geeigneten Stellen mit Sand- 
grund auf 16—24 m Wassertiefe gebracht. An dem einen Ende der in der 
Mitte mit einem centnerschweren Ankersteine versehenen Ankerleine wird als 
Boje eine ca. 6 m lange Stange, die, in der Mitte mit Korkholz umgeben, in 
senkrechter Stellung schwimmt, ein sogenannter Reiter, an dem anderen Ende 
die untere Simme des Netzes befestigt. Durch Rudern wird das Netz vorwärts 
bewegt und wenn das Netz bis zum Ende ausgelaufen ist, das Ende der Unter 
simme in derselben Weise wie der Anfang verankert und mit einem Reiter be 
zeichnet. Das Netz wird stets mit der Strömung geworfen und es muss die 
untere Simme möglichst nahe am Grunde liegen, da sich hier hauptsächlich die 
Plattfische bewegen. Gewöhnlich \frird das Netz nach 24 Stunden gelichtet, um 
die darin verschlengten Flundern herauszunehmen. 
15. Modell der Dorschangeln. An einer langen Leine werden in Abständen 
von ca. 60 cm mittelst Vorschnüren von 40—50 m Länge oft mehrere hundert
	        
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