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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei [Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände]

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1806 
Fischer, jeder an einem anderen Ende des Bootes stehend, die Leine mit dem 
Netze gleichmässig einziehen. Zur Vermeidung eines ungleichen Einholens, 
welches ein Entschlüpfen der umspannten Fische möglich machen würde, sind 
beide Leinen in gewissen Zwischenräumen mit gleichen Kennzeichen, gewöhnlich 
gleichfarbige Läppchen versehen. Nach Hebung und Entleerung der Zeise wird 
sie wieder neu ausgeworfen und auf diese Weise nach , und nach die ganze im 
Umkreise des Reiters belegene Wasserfläche abgefischt. Die Zeise ist ein für 
den Fischbestand sehr gefährliches Gezeuge, welches nicht allein die kleinsten 
Flundern in erschreckender Menge fortfängt, sondern auch durch Abreissen des 
ohnehin spärlichen Pflanzenwuchses am Grunde dieses Theiles der Ostsee die 
Laichplätze mancher Fischart vernichtet. Die Zeise kostet fertig 15—20 Mark 
und werden mit ihr zumeist nur Flundern gefangen. (Eytersberger). 
3316 G. Kiehr in Sarkau. 
Heringstreibnetz, Modell etwa 1 : 13. -- Vgl. Beschreibung zu No. 3315. 1. 
3317 Chr. Junker, Seefischei- in Sarkau. 
Zeise, Modell 1 : 32. 
3318 H. Münsterberg-, Seelischer in Sarkau. 
Flundernetz, Modell etwa 1:16. Zum Fange der Flundern in der Ostsee 
benutzen ausschliesslich die Fischer von Sarkau und Cranz das zum Fange der 
Brassen im Kurischen Haffe gebräuchliche, aus dreifachen Wänden bestehende 
Staaknetz (siehe No. 3310. 2), jedoch hat in diesem Falle dasselbe in seiner 
Schlange Maschenweiten von 35—50 mm im Gevierte. Ein solches Flundernetz 
ist 40—50 m lang und annähernd 2 m tief. Gewöhnlich thun sich vier Fischer 
mit je 8 Netzen zu dieser Fischerei zusammen, benutzen dazu ein gewöhnliches 
offenes Seefischerboot und verankern die Netze bis 16 Seemeilen ab vom Strande 
in tiefem Wasser und auf mit Muscheln bedecktem Meeresgründe, auf dem ihrer 
Nahrung wegen sich Flundern in grösserer Anzahl aufzuhalten pflegen. Auf 
solchen Stellen und mit den in Rede stehenden grossmaschigen Netzen werden 
meistentheils nur grosse, preiswerthe Flundern und häufig in nicht unbedeutender 
Menge gefangen; die Sarkauer und Cranzer Fischer versenden diese Flundern, 
nachdem dieselben geräuchert, grösstentheils nach Königsberg. Ein derartiges 
Flundernetz kostet 20—25 M. (Eytersberger). 
3319 Ostpreussiseher Fischerei-Verein, Königsberg. 
A. Geräthe vom Kurischen Haff. 
30. Zwei Kurrenkähne und Kurrennetz. Modell. (Kähne 1:10, Netz 1: 240.) 
Das K u r r e n n e t z, eine Eigenthümlichkeit des Kurischen Haffes, ist ein aus dreifachen 
Netzwänden bestehendes Gezeuge. Jeder Flügel hat eine Länge von 160 bis 180 mund 
eine Tiefe bis zu 3 m. Das Netz ist oben und unten von einer starken Leine aus Flachs, 
der sogenannten Simme eingefasst. Die mittlere Netz wand, Schlange genannt, besteht 
aus feinen Flachsfäden und führt auf Grund des § 14 der Allg. Verord. vom 
8. August 1887 Maschen von 3,5 cm im Gevierte, dagegen haben die aus stärkeren 
Fäden hergestellten beiden Aussenwände (Ledderings oder Gaddern) 50 cm weite 
Maschen. Die mittlere Netzwand (Schlange) ist erheblich länger als diebeiden Simmen, 
an denen ihre Längsseiten befestigt sind, auch die Höhe der an den beiden 
Simmen befestigten Aussenwände ist weit geringer als diejenige der Schlange, 
welche daher in ganz lockeren, bauschigen Falten hängt. Als Schwimmer dienen 
Stücke von Pappelborke, die in Abständen von je einem Meter auf einer an der 
oberen Simme befestigten dünnen Leine aufgestreift sind; in gleicher Weise sind 
auf einer an der unteren Simme angebundenen Leine als Senker Steine, Sand 
säcke oder Thonringe aufgezogen. An das Ende jedes Flügels schliesst sieh ein 
etwa 10 m langes stärkeres Netztuch mit Maschen von 5—6 cm Weite an, dessen 
Höhe am Flügel selbst diesem gleich kommt, bis zum sogenannten Bottknüppel 
hin sich aber bis zu 1,20 m verjüngt. Dieses Netztuch wird der Schulmeister 
genannt. Seine Simmen sind mit denen des Flügels verbunden und gehen an 
dem schmalen Ende durch den 1,20 m langen Bottknüppel hindurch, eine 
Hahnenpfote bildend, in deren Oese die 50 m lange Zugleine befestigt wird.
	        
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