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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei [Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände]

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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8313 G. Manneck, Fischerwirth, Sarkau bei Cranz. 
Lachsstrandgarn der kurischen Nehrung. Modell. (Vgl. No. 3308.) 
3314 Tydeek II, Seefischer in Bommelseck. 
Lachstreibnetz mit Pricke und Laterne in wirklicher Grösse. (Vergl. 
Beschreibung No. 3310. 3. 
3315 W. Lack, Seefischer in Bommelwitte. 
1. Das Heringstreibnetz in wirklicher Grösse. Das an dieser Küste ge 
bräuchliche Heringstreibnetz (Strömlingsnetz) ist ein aus sehr feinen Hanffäden 
gefertigtes Netztuch von 40 m Länge und 6 m Tiefe, welches Maschen von 
18 bis 20 mm Weite hat. Ober- und Untersimme desselben bildet ein mittel 
starker Bindfäden. Letztere ist gar nicht beschwert, die obere dagegen in Ab 
ständen von je 30 cm durch 4-5 cm lange Fäden mit einer Neungarnleine ver 
bunden, an der Flotthölzer befestigt sind. Die obere Simme liegt daher, sobald 
das Netz zum Fischen ausgeworfen worden ist, 45 cm unter dem Wasserspiegel. 
Die Heringstreibnetzfischerei beginnt an dieser Küste der Ostsee gewöhnlich im 
April und endet im Juli, wild aber mitunter auch, jedoch nur in vereinzelten 
Fällen, im Herbste betrieben. Auch zur Heringstreibnetzfischerei vereinigen sich 
in der Regel zwei oder drei Fischer mit zusammen 40—50 Netzen und werfen 
diese, je nachdem sie Heringsschwärme antreffen, in geringerer oder grösserer 
Entfernung vom Lande, jedoch kaum über acht Seemeilen, aus und zwar am 
Abend, treiben dann in derselben Weise wie mit Lachstreibnetzen (vgl. No. 3310. 3) 
die ganze Nacht hindurch und ziehen die Netze bei Sonnenaufgang wieder ein. 
Die Fänge sind mitunter so ergiebig, dass ein Schock Heringe für 5 Pfennig 
verkauft wird. Im Herbste dagegen ist es mitunter vorgekommen, dass Heringe 
nur in sehr geringer Anzahl gefangen werden und dann als Besteck zur Lachs 
angelfischerei mit 4 Mark pro Schock Abnahme fanden. Ein Heringstreibnetz 
kostet, zum Fischen fertig gestellt, 30 - 32 Mark. 
2. Zeise, in wirklicher Grösse (6 m lang, 2 m tief). Die Zeise ist ein auf 
der Küstenstrecke von der russischen Grenze bis zum Badeorte Cranz in der 
Ostsee sehr beliebtes und in grosser Anzahl verbreitetes Gezeuge zum Flundern 
fang, welches aus Hanf hergestellt wird und aus einem 6 m langen Sack 
(Metritze genannt) und zwei Flügeln von je 6—8 m Länge besteht. Das Ende 
jedes Flügels ist an einen Stock (Bottknüppel) befestigt, in dessen Mitte sich ein 
eiserner Wirbel befindet, an welchem die Zugleine angebunden ist. Die Maschen 
weite der Flügel beträgt in der Regel 3 cm, diejenige im Vordertheil der Me 
tritze 2,5 cm und diejenige im hinteren Ende derselben nur 1,3 cm im Gevierte. 
Die Einfassung oder Simmen der Zeise bilden Neungarnleinen. Die obere Simme 
trägt in Abständen von 40 cm kleine Flotthölzer, die untere Simme dagegen in 
Abständen von 5—8 cm Stücke gewalzten Bleies. Zur Fischerei mit der Zeise 
gehen immer zwei Personen und benutzen dazu offene Boote in den ver 
schiedensten Dimensionen. Auf einer geeigneten Fangstelle angekommen, wird 
das Boot verankert und an der Ankerleine eine Boje (Reiter) befestigt, die aus 
einer etwa 3 m langen, durch ein starkes Holzkreuz gehenden Stange besteht, 
welches horizontral auf dem Wasser schwimmt. Die Spitze des Reiters wird 
am Tage durch einen farbigen Lappen, bei Nacht aber mit einer brennenden 
Laterne weithin sichtbar bezeichnet. An den Wirbeln der beiden Bottknüppel 
werden nun fingerdicke, sogenannte Wischleinen befestigt, die in Abständen von 
25—30 cm mit kleinen Strobbündeln und in etwas grösseren Zwischenräumen 
mit kleinen flachen Steinen besetzt sind, welche letztere die Wischleinen am 
Grunde halten, wo sie durch die Bewegung der Strohwische die Fische auf 
scheuchen. Am Ende jeder Wischleine wird dann noch eine dünnere, ungefähr 
160 m lange Endleine angebunden. Nachdem das freie Ende der einen Endleine 
am Ankertau des Reiters befestigt worden, lässt man das Boot vom Anker und 
rudert in einem Bogen von diesem ab, wobei man nacheinander die erste End 
leine und Wischleine, dann das Netz und hierauf die zweite Wisch- und End 
leine auslaufen lässt, hierauf nähert sich das Boot, nachdem es einen grösseren 
oder kleineren Bogen beschrieben, wieder dem Reiter und wird an diesem be 
festigt. Nun löst man die vorhin am Reiter angebundene Endleine, worauf beide
	        
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