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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei [Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände]

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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3308 J. Jandszims, Seefischer, Bommelsvitte. 
Tobieschengarn oder Bestecksklippe in wirklicher Grösse. Dieses Gezeuge 
besteht aus zwei Flügeln von je 30 m Länge und von 1—4-m tiefgehend, sowie 
einem aus Leinwand gefertigten Sack oder Mettritze. Die Maschenweite der Flügel 
betrügt 1 cm im Geviert. Diese werden in der Regel, um schwarz zu erscheinen, 
mit Steinkohlentheer getränkt. An jedem Flügel ist eine Zugleine von 200—300 m 
Länge angebracht. Die Fischerei mit dem Tobieschengarn wird vermittelst 
3—4 Personen und einem gewöhnlichen Strandgarnboot betrieben, mit welchem 
das Netz ausgefahren und dann vom Strande aus durch Menschenhände ein 
gezogen wird. Mit diesem Gezeuge werden nur die zum Besteck für Dorsch 
angel dienenden Sandaale (Tobiasfische oder Tobieschen) gefangen, wenn dieselben 
in den Monaten Juni bis einschliesslich September in grossen Mengen in die Nähe 
des Ufers kommen. Beim Einziehen des Garns fliehen die Tobieschen von den 
schwarzen Flügeln nach der hellen Mettritze, welche sie für eine Oeffnung im 
Netze halten. Ein Tobieschengarn kostet ohne Zugleine ungefähr 60 Mark. 
(Eytersberger.) 
3309 G. Beteit, Bommelsvitte bei Memel. 
Neunaugenreusen nebst Gienen in wirklicher Grösse. Die auf dem 
Kurischen Haffe gebräuchliche, kegelförmige Neunaugenreuse ist aus Weiden 
ruthen. die mit einander durch elastische Fichtenwurzeln verbunden sind, in 
einer Länge eines Meters und mit einer Eingangsöffnung von 40 cm Durch 
messer hergestellt, in welcher sich eine Einkehle befindet, deren innere nach 
der Spitze der Reuse gerichtete Oeffnung nur 4 cm weit ist. An dieser Spitze 
befindet sich die zum Herausnehmen der Neunaugen bestimmte Oeffnung von 
8 cm Weite, die vor dem Einlegen der Reuse mit einem Strohwische geschlossen 
wird. Nahe dem spitzen Ende des Reusenkegels ist eine Oese von Fichten 
wurzeln angebracht, in welcher die dünne Schnur befestigt ist, mittelst derer 
die Reuse an eine stärkere Leine, das sogenannte Gien geknüpft wird. Gewöhnlich 
werden an einem Gien nicht mehr als 60 Stück Reusen in gewissen Abständen 
von einander befestigt. Die Neunaugen-Fischerei wird auf dem Kurischen Haffe 
nur allein in der sogenannten Einkehle bei Memel betrieben. Auf zwei Stellen 
dieser Einkehle, und zwar zwischen dem sogenannten Schweinerücken (Sandbank) 
bei Schmelz und der Nehrung und weiter nördlich, neben der Plantage, in der 
Nähe des Leuchtthurms, legen die zur Neunaugen-Fischerei befugten Fischer 
aus Bommelsvitte, Memel, Schmelz und Suederspitze, zusammen 202 Schock 
Neunaugenreusen, an erstgedachter Stelle Mitte Juli, an der anderen etwas 
später aus und enden die Reusenfischerei zumeist erst dann, wenn sie Grundeis 
erwarten. Mit Neunaugenreusen, die, beiläufig bemerkt', auf dem Haffgrunde 
liegend fischen, werden hauptsächlich nur Neunaugen, sehr wenige Quappen, 
und noch weniger Aale gefangen. (Eytersberger.) 
3310 A, Krips, Kaufmann, Memel. 
1. Stintkeitel in natürlicher Grösse (12 m lang). Der Stintkeitel dient nur 
zum Fange der Haffstinte und ist zu diesem Zwecke mit entsprechend engen 
Maschen versehen, und zwar so, dass die Maschenweile des Achtergarnes bis auf 
0,4 cm im Gevierte hinabgehen darf, während die Maschenweite in den übrigen 
Theilen dieses Gezeuges mindestens 1,3 cm im Gevierte betragen muss. Da nun 
aber der Stintkeitel wegen seiner so engen Maschen unter Umständen den anderen 
Fischarten noch gefährlicher werden kann als der gewöhnliche Keitel, so ist 
seine Anwendung durch eine Verordnung vom 23. Dezember 1890 zeitlich und 
örtlich beschränkt. Mit dem Stintkeifel darf demnach im Frühjahre nur während 
der Stintlaiche, und zwar vorbehaltlich anderweiter Bestimmung von einem durch 
den Oberfischmeister festzusetzenden Tage bis zum Beginn der Frühjahrsschon 
zeit und nur auf der verlängs der Küste von Loekerort bis Rinderort belegenen 
Strecke des Haffes; im Herbste dagegen von einem durch den Oberfischmeister 
festzusetzenden, in die erste Hälfte des September fallenden Tage bis zum Beginn 
der Winterfischerei nur auf derjenigen Strecke des Haffes, welche durch die 
Linie Rossitten-Nemonien und Sarkau-Hewelbank-Schmiedehnen begrenzt wird, 
gefischt werden. Mit dem Stintkeitel fangen die Fischer hauptsächlich Stinte,
	        
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