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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Vorwort zur Untergruppe Seefischrei

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1896 
Betriebsarten, namentlich auf dem Gebiet der Treibnetzfischerei auf Heringe und 
der Angelfischerei auf Lachse, unsere Fischerei mit bestem Erfolge von der Küste 
auf die hohe See ausgedehnt. Im engsten Zusammenhang damit hat die Fabrika 
tion von Konserven und Räucherwaaren an der Ostseeküste einen höchst gedeih 
lichen Aufschwung genommen und nimmt jetzt, wenigstens in Bezug auf Räucher 
waaren, auch international die erste Stelle ein. 
In richtiger Würdigung der hohen nationalen Bedeutung des Seefischerei 
gewerbes haben sowohl die Reichsregierung wie die Regierungen der betheiligten 
Einzelstaaten der deutschen Seefischerei die wirksamste Unterstützung zu Theil 
werden lassen. Unablässig für sie thätig gewesen ist seit mehr als zehn Jahren 
der Deutsche Seefischerei-Verein unter der Leitung seines Präsidenten, des 
Klosterkammerpräsidenten Dr. Herwig in Hannover. 1885 als Sektion des Deutschen 
Fischerei-Vereins für Küsten und Hochseefischerei begründet und seit 1895 selbst 
ständiger Verein, hat er in verschiedenster Richtung für das Gedeihen und die 
Weiterentwickelung der deutschen Seefischerei gearbeitet. Aus seiner Thätigkeit 
ist unter vielem Andern in erster Linie die Ausdehnung der Küstenfischerei der 
Ostsee auf die hohe See, die segensreiche Errichtung zahlreicher Versicherungs 
kassen im ganzen deutschen Küstengebiet, die Anfänge einer deutschen Fischerei 
statistik hervorgegangen. Zuletzt — aber nicht als die geringste Triebkraft in der 
Entwickelung der deutschen Seefischerei nennen wir den Unternehmungsgeist 
und die Thatkraft der intelligenten Fischereibevölkerung der Nordseeküste und vor 
Allen der Rheder und Fischhändler der Küstenplätze, denen wir die Schaffung 
unserer Fischdampferflotte verdanken. 
Neben der praktischen Ausnutzung der heimischen Meere durch die See 
fischerei ist einhergegangen die wissenschaftliche Erforschung derselben im Dienste 
der Seefischerei, für diese so wichtig und bedeutungsvoll, wie die Chemie und die 
Bodenkunde für das Gedeihen der Landwirthschaft. Schon 1821 hat die 
Ministerial-Kommission zur wissenschaftlichen Erforschung der deutschen Meere 
ihre bedeutenden Forschungen auf dem Gebiet der heimischen Meereskunde 
begonnen und in ihren „Jahresberichten'“ niedergelegt. Seit 1885 hat dann der 
Deutsche Seefischerei - Verein wissenschaftliche Expeditionen und Forschungen 
in der Nord- und Ostsee angestellt und die Ergebnisse derselben sowohl in seinen 
regelmässig erscheinenden „Mittheilungen“, als auch neuerdings in besonderen 
„Wissenschaftlichen Abhandlungen zur Seefischerei“ niedergelegt. Seit 
1892 endlich besteht ein von Preussen begründetes und zum Ressort des Kultus 
ministeriums gehörendes ständiges Laboratorium für Meeresforschung, die Königl. 
Biologische Anstalt auf Helgoland, zu deren Hauptaufgabe die wissenschaftliche 
Erforschung der Nordsee im Dienste der Seefischerei, vor allem der Natur 
geschichte der Nutzfische gehört. Die Kieler Kommission und die Biologische 
Anstalt geben neuerdings ihre Forschungsergebnisse gemeinsam heraus unter dem 
Titel: „Wissenschaftliche Meeresuntersuchungen“. 
Die gegenwärtige Ausstellung der Deutschen Seefischerei ist das Werk 
des Deutschen Seefischerei-Vereins und die zweite derartige Ausstellung, die 
derselbe veranstaltet. (Die erste fand im Jahre 1890 in Bremen statt 
gelegentlich der Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrie - Ausstellung.) 
Sie will in freudigem Wettstreite mit der grossartigen Vorführung der gewerb 
lichen Produktion der Hauptstadt des Reiches ein würdiges und möglichst voll 
ständiges Bild der gesammten deutschen Arbeit auf dem Gebiete der Seefischerei 
geben. Die Fahrzeuge, die Fischereigeräthe und die Art des Betriebes werden 
in Modellen und bildlichen Darstellungen, zum Theil in Originalen (Logger, Ewer, 
Kutter u. a.) vorgeführt. Die nutzbaren Fische selbst werden als Genussmittel, 
theils in Konservenform, theils frisch vorgeführt und im Fischrestaurant und der 
Fischkosthalle den Besuchern der Ausstellung dargeboten. In der wissenschaft 
lichen Abtheilung endlich werden statistische Darstellungen über die Erträge und
	        
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