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Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Fi scherei-Gescliichtliche Abtheilung 
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erklärlich, nach der Fundstelle wahrscheinlich ist. Ja, es hegt kein Grund vor, 
diese gelegentliche Verwendung auch den kleineren sogenannten Pfeilspitzen aus 
Knochen oder Bronze zuzusprechen, die in Gräbern der zweiten grossen Kultur 
periode, der Bronzezeit, ziemlich häufig gefunden werden. Denkt man sich diese 
an einem langen dünnen Stabe, etwa aus Rohr, befestigt, so sind sie vielleicht noch 
geeigneter zum Fischstechen als die ursprünglichen grösseren Speere. Von den 
vielen hiernach, sei es ausschliesslich, sei es in der Nebenverwendung, als Fisch- 
speere anzusehenden vorgeschichtlichen Fundstücken, die im Märkischen Provinzial- 
Museum angesammelt sind, werden nur einige typische Stücke unter dieser Be 
zeichnung ausgestellt, und daran schliessen sich gleich die sogenannten Hechtgabeln 
und Aalspeere, die mit der fortschreitenden Kultur und nachdem die Bearbeitung 
und Verwendung des Eisens allgemeiner geworden war, also in der wendischen 
Zeitperiode, erfunden wurden, um die Treffsicherheit zu erhöhen, die aber in 
der neueren Gesetzgebung verboten sind. 
Feuerstein-Speerspitze, II. 9185. Aus Feuerstein lanzettlich zugedengelt 
14 cm lang. Gefunden am Potzlow-See, Kreis Templin. (Waffe und Fischspeer 
zugleich: viele Hundert ähnlicher Spitzen sind in der Provinz Brandenburg ge 
funden.) 
Feuerstein-Speerspitze mit Widerhaken, II. 18 257. Aus Feuerstein pfeil 
epitzenförmig und sehr flach zugedengelt; die äusserste Spitze und die Schaft 
zunge abgebrochen; Rest 8 cm Jang, an der Basis mit den beiden Widerhaken 
4,5 cm breit. Die Beschaffenheit dieser Spitze spricht mehr für ihre Verwendung als 
Fischspeer wie als Waffe, und eine Analogie liegt in dem unten folgenden Knochen- 
Fischspeer III. 655 vor. Gefunden an einem See nahe der brandenburgisch- 
mecklenburgischen Grenze. 
Knochen - Fischspeer, III. 655. Aus einem flachen Knochenstück roh zuge 
schnitten; Spitze abgebrochen; an den beiden Widerhaken 4 cm breit; die 
Schaftzunge verbreitert uDd mit einem Loch zur Verstärkung der Befestigung 
am Schaft versehen. Gefunden in Pfahlbau-Resten bei Wangen am Bodensee. 
Knochen-Fischspeer (Harpune), II. 16 263. 18 cm lange stabförmige Spitze 
aus Knochen mit zwölf im stumpfen Winkel gegen die Spitze gerichteten Ein 
kerbungen : die dadurch entstandene Zahnung wirkt in ähnlicher Weise wie 
Widerhaken. Gefunden bei Calbe, Kreis Salzwedel. 
Knochen-Fischspeer (Harpune), II. 17 258. Dem vorigen sehr ähnlich, jedoch 
nur 15 cm lang. Bei Burgwall in der Havel, nahe bei einer steinzeitlichen 
Wohnstätte ausgebaggert. 
Knochen - Fischspeer (Harpune), II. 18 395. 20 cm lang, sonst dem vorigen 
ähnlich, auch an derselben Stelle in der Havel ausgebaggert. 
7 Knochen-Fischspeere (Harpunen), III. 631—637, mit ausgearbeiteten Wider 
haken. Aus den Pfahlbauten der Bronzezeit im Bodensee und im Bieler See. 
17 Harpunen, III. 638—54, aus Hirschhorn geschnitten, theils mit Asphalt 
resten zum besseren Befestigen am Schaft wie die ausgelegte Abbildung zeigt. 
Gefunden in den Pfahlbauten im Bieler See. 
Knochen-Harpune, II. 19 349. 10 cm lang, aus Knochen geschnitzt in Form 
eines Pfeils, das Pfeilblatt nur 1,3 cm lang, flach und mit den beiden scharfen 
Widerhaken 0.9 cm breit: der Stiel 8,5 cm lang, slabförmig, nach unten und 
oben etwas verjüngt, damit er fester im Schaft silzen kann. Gefunden in dem 
Leichenbrand einer Urne der Bronzezeit bei Wilmersdorf, Kreis Beeskow, auf 
demselben Gräberfelde, wo auch der Bronze-Angelhaken II. 20872 in einer Urne 
gefunden wurde. Da die Knochenmasse verbogen und kalzinirt erscheint, so hat 
diese Harpune, wie auch die beiliegenden Reste gleicher Spitzen, die Leichen 
verbrennung mit durchgemacht, und die Annahme liegt nahe, dass der betr. Todte 
zu dem Fischfang in Beziehung stand, eine Annahme, die auch für die folgenden 
Harpunen II. 18 455—57, für den Bronze-Angelhaken II. 20872, wie für die vielen, 
sonst noch im Märkischen Museum vorhandenen, im Leichenbrand von Urnen 
gefundenen ähnlichen Harpunenspitzen gilt.
	        
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