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Fischerei-Geschichtliche Abtheilung Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände I. Ueberreste von Fischer-Niederlassungen aus heidnischer und mittelalterlicher Zeit

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1896 
Es sind Fragmente von allerlei Wirthschäftsgeräthen etc., namentlich Topf 
scherben (darunter ein Bodenstück mit eingestrichenem Kreuz), Knochen-Pfrieme, 
die auch beim Netzstricken gebraucht sein können, ein sägeförmiges Ivnochen- 
geräth, Wetzsteine, Spinnwirtel, Zierperlen, Schiiltknochen u. dergl. Ausser 
dem sind noch viele andere Fundstücke, namentlich auch Waffen, Sandalen u. a. 
dort gefunden. 
Pfahlwerk II. 10 6i9—5t. Aus einem grösseren wendischen Pfahlbau bei 
Alt-Friesack, Kr. Ruppin. der im Jahre 1880 bei Verbreiterung des Kanals zwischen 
dem Rhin- und dem Rutz-See ausgegraben wurde und viele wendische Ueberreste, 
darunter auch Netzsenker, enthielt, ln der Nähe dieses Pfahlbaues, bei Korrektion 
des angrenzenden Mühlengrabens . im Jahre 1857, wurde ein wendisches 
Götzenbild aus Holz, in ganzer Lebensgrösse, im Sumpf gefunden, dessen 
Modell in halber Grösse mit ausgestellt ist. II. 11 437. 
Holzpfahl II. 17 790. Aus dem wendischen Pfahlbau am See bei Ketzin, Kr. 
Osthavelland. 
Holzpfahl II. 15 234. Aus einem Pfahlbau bei Petershagen, Kr. Niederbarnim, 
am „Fliess“. 
Fundstiicke aus den Pfahlbauten im See von Lübbinchen, Kreis Guben. 
IV. 900—810. 
Als man den See abliess, um Wiesenland zu gewinnen und die Fischzucht 
anstalten daselbst einzurichten, traten zahlreiche Pfahlsetzungen und Reste 
von hölzernen Fischerhütten zu Tage. Im westlichen Theil des Sees bilden die 
selben ein förmliches System von Hausstellen (vergl. die Abbildungen XI. 1138 u. 
9), welche bis ins christliche Mittelalter hinein benutzt sein mögen; weiter östlich 
dagegen finden sich vereinzelt Pfahlbauten, die bisher nur alterthümliche Reste, 
namentlich nur wendische Topfreste heidnischer Zeit aufweisen. — Unter den 
Fundstücken mancherlei Geräthe und Geräthbruchstüeke von Holz, Knochen, 
Töpferwaare, Eisen etc. Viele gespaltene und zerschlagene Knochen von wilden 
und zahmen Thieren, darunter vom Torfschwein. 
Fischknochen, Gräten und andere Abfälle, II. 8121—59, aus dem Burgwall 
von Mellenthin auf Usedom. 
Fischknochen, darunter ein grosser Hechtkiefer, III. 185. Von einer wendi 
schen Wohnstätte bei Alt-Rüdnitz a. Oder. 
Fischschuppen II. 10413. Auf der Insel Toppenwerder bei Alt-Ruppin mit 
vielen wendischen und frühmittelalterlichen Resten zusammenlagernd ausgegraben. 
Fundstiicke von den Inseln und einstigen Pfahlbauten in der Oberspree, 
bei Stralau und Treptow, nahe Berlin. 
II. Fischfang-Geräthe und Zubehör. 
1. Fisclispeere (Harpunen), Hecht gabeln, Aalspeere. 
Das Ergreifen mit den Händen muss als die natürlichste und ursprünglichste 
Art des Fischfangs angesehen werden. Sobald der Mensch im Stande war, aus 
Stein, Knochen oder Holz Geräthe oder Waffen herzustellen, wird er auch solche 
Geräthe ersonnen haben, die den Fang von Fischen zu erleichtern geeignet waren. 
Die Annahme liegt nahe, dass zuerst Geräthe zum Stechen der im Wasser „stehenden“ 
Fische benutzt wurden, und zwar in Gestalt derselben leichten Speere aus Knochen 
oder Feuerstein, die auch als Waffen dienten. Um das Abgleiten des gestochenen 
Fisches zu verhindern, musste man allmälig darauf kommen, diese Speerspitzen 
am unteren Ende mit kleineren oder grösseren Vorsprüngen zu versehen, indem 
man Feuersteinspitzen pfeilartig ausdengelte bezw. Knochenspitzen durch Ein 
kerbungen zähnte und so die Wirkung von Widerhaken erzielte. An vielen 
Stellen der Provinz Brandenburg sind in der Nähe von Gewässern solche mehr oder 
weniger primitive Geräthe aus der ältesten Kulturperiode, der Steinzeit, gefunden, 
die allerdings vorzugsweise als Waffen im engeren Sinne gedient haben mögen, 
deren gelegentliche Verwendung als Fisclispeere oder Harpunen nach der Form
	        
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