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Fischerei-Geschichtliche Abtheilung Einleitung: Geschichtliches über das Fischwesen in der Provinz Brandenburg

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1896 
ders beliehen ist (I. 9, §§ 170, 171 — 175). Bezüglich der Ausübung der 
Fischerei enthält das Landrecht (I. 9, §§ 184 — 190) auch polizeiliche Vorschriften. 
Das Landrecht gilt aber für die Mark nur subsidiär, soweit nicht Provmzial- 
recht vorhanden; ein solches hinsichtlich der Fischerei ist nun für mehrere Theile 
der Mark, namentlich für die Kur- und Neumark existent. 
Das bestehende Provinzialrecht der Kurmark Brandenburg, bearbeitet von 
Sclioltz (Bd. I, 1854) sagt S. 6 in §11: 
„In Betreff der Ausübung der Fischerei in öffentlichen und nicht ein 
geschlossenen Privatgewässern treten für die Mark die Vorschriften der Fischerei 
ordnung vom 3. März 1690 ein (corp. const. marchic. Vol. IV. Abth. II. cap. IV. 
No. 2), insofern nicht rücksichtlich der Elbe und Oder auf gewissen Punkten 
besondere Vorschriften und Observanzen existiren.“ 
Die Rechtfertigungsgründe Theil I, S. 70 bemerken hierzu Folgendes: 
„Bei den Konferenzen hatten die Stände behauptet, dass in der Mark die 
Fischerei in Privatgewässern und Gräben, selbst wenn solche in dem Distrikte 
der Ländereien der Unterthanen liegen und die Unterthanen zu den Unter 
haltungskosten der Gräben beitragen sollten, ein Vorrecht der Grundherrschaft 
sei, und hatten verlangt, diese Bestimmung so in das Provinzialgesetzbuch auf 
zunehmen, wogegen aber die Justiz- sowie die Kammer-Deputation den Einwand 
machten, dass eine solche Observanz jedenfalls nicht so unbeschränkt, wie sie 
aufgestellt worden, angenommen werden könne. — Konferenzakten Vol. I, Fol. 105. 
203. 469. 520. Konferenzakten Vol. IV, Fol. 425. — In dieser Lage ist die Sache 
auch geblieben, indem die Stände bei ihrer Behauptung beharrten und solche 
hauptsächlich darauf stützten, dass die Fischerei eine Spezies der Jagd sei, welche 
den Unterthanen nie zugestanden habe, auch die einstimmigen (übrigens nicht 
beigebrachten) Berichte der Landräthe die allgemeine Observanz darthäten. 
Dass eine solche in der Art, wie die Stände sie angegeben haben, existire, 
lässt sich jedoch nicht annehmen. Direkte Beweismittel sind dafür nicht bei 
gebracht, und in den vorgelegten Schriften hat sich auch nichts anderes als allein die, 
allerdings die Ansicht der Stände unterstützende Behauptung Benkendorfs in der 
oeconomia forensis Th. I, S. 36, § 49 gefunden, welcher von den Privatgewässern 
in den Marken sagt: „Die stehenden Gewässer und kleinen Landbäche gehören 
zum Eigenthum eines jeden Gutsbesitzers. Ihr Gebrauch und Befischung aber 
ist ein Vorrecht der Grundobrigkeit, dessen sich kein anderer Dorfeinwohner be 
dienen kann, es sei denn, dass ihm solches besonders schriftlich oder mündlich 
verstattet worden.“ Diese Angabe steht aber auch wieder ganz nackt, ohne jede, 
nur irgend nähere Begründung da und kann also als ein Beweis für die Richtig 
keit der Ständischen Ansicht nicht betrachtet werden. Nun ist es freilich richtig, 
dass zum Theil in einigen Gegenden die Gutsherrschaften die Fischerei in nicht 
schiffbaren Gewässern als ein Vorrecht in Anspruch genommen haben, — cfr. 
Mittermaier, deutsches Privatrecht § 290 — und dass die Fischereigerechtigkeit 
in gewisser Beziehung als ein Vorrecht eines adligen Gutes angesehen wird. — 
cfr. Eichhorn, deutsches Privatrecht § 288 in Verbindung mit § 269 No. IV. —• 
auch im Zweifel, nach Analogie der Jagd, beurtheilt werden kann, und mit der 
selben oft verliehen wird; — ib. und Mittermaier; 1. c. § 290. — 
Indessen, aus allen diesem folgt nichts für die Richtigkeit der Behauptung, 
dass in der Mark nur die Grundobrigkeit das Recht habe, Privatgewässer zu be 
fischen, und die Ansicht der Stände, dass die Fischerei eine Spezies der Jagd 
gerechtigkeit, folglich in derselben enthalten sei und überall nach den nämlichen 
Grundsätzen beurtheilt werden müsse, ist unrichtig. Das Fischereirecht hat zwar 
wohl gleichen Ursprung mit dem Jagdrecht, auch ward der, dem die Jagd 
gerechtigkeit in einem Forste zustand, zugleich als Fischereiberechtigter in den 
innerhalb der Forst liegenden Gewässern häufig angesehen, dennoch aber unter 
scheiden sich beide Gerechtigkeiten, und namentlich wurde die Jagd später als
	        
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