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Fischerei-Geschichtliche Abtheilung Einleitung: Geschichtliches über das Fischwesen in der Provinz Brandenburg

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Fischerei-Geschichtliche Abtheilung 
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Eisen-Zeit in der Mark Brandenburg, Berlin 1878, S. 32 flg.) Die slavischen 
Einwanderer, aus dem wasserreichen Osten und Nordosten Europas stammend, 
sind in unseren Gegenden recht eigentlich ein Fischervolk zu nennen. Anden 
Seen und Flüssen des Landes, sagt Giesebrecht in seinen Wendischen Ge 
schichten' trieben Fischer ihr friedsames Gewerbe; ganze Dorfschaften (villae 
piscatorum) bestanden nur aus ihnen. 
Eine besondere Eigenthümlichkeit der wendischen, zumal der wilzischen 
Bevölkerung, ist die Anlage künstlicher Fischerstätten (Kietze) in Seen 
auf Pfahlbauten. Sämmtliche aus der Mark bis jetzt bekannten derartigen 
Niederlassungen im Wasser datiren erst seit der wendischen Zeit; Fischergeräthe 
aller Art, als Fischspeere, Haken, Schnüre, Netzsenker, Netzschwimmer, Netz 
reste, Hütkasten, Fischotterfallen, Eisäxte, Schlittknochen, Fischerkähne mit voller 
Ausrüstung etc. werden auf diesen Stellen gefunden; dergl. wendische Fischer 
pfahlbauten sind vom Verfasser (Zeitschrift „Bär“, 1879, S. 252) mehrfach inner 
halb Berlins nachgewiesen. Nicht selten dienen sie in der Mark Burgwällen 
zur Unterlage, in deren Schüttung mitunter gewaltige Massen von Gräten, 
Schuppen, Wassergeflügelknochen, Muscheln und Schnecken mit den Resten von 
Kochgeräthschaften ausgegraben werden. 
Im Jahre 1783 urtheilte der Gelehrte Bloch (I. S. 127) über die wendische 
Fischerbevölkerung bereits folgendermassen: 
„Es sind allenthalben in der Mark Spuren zu finden, dass zu der Wenden 
zeit die mehresten Brücher in den Heiden und Feldmarken mittelst Grabens in 
Verbindung gestanden haben, welche durch die Länge der Zeit verfallen sind; 
und wahrscheinlich sind die mehresten Brücher und Lücher Karpfen-*) oder 
andere nutzbare Fischteiche gewesen. Spuren von aneinander hängenden Teichen 
findet man in der Chorinschen Heide, woselbst das Kloster Chorin Karpfen- und 
Fischteiche gehabt, welche aber im dreissigjährigen Kriege und nach der Refor 
mation, da es den Besitzern an dem Geldvorlage zur Unterhaltung dieser An 
stalten gefehlt, oder die Güter bona vacantia geworden, eingegangen sind. Es 
gehört also zur Landeskultur, dergleichen verfallene Teiche, welche wegen der 
Stagnation des Wassers nachtheilige Ausdünstungen und eine ungesunde Weide 
hervorbringen und daher schädlich sind, wiederum herzustellen. Zur Wenden 
Zeit ist das platte Land in der Mark weit besser bevölkert und kultivirt gewesen, 
als heut zu Tage, nachdem sich der Fleiss nach den in neuern Zeiten erbauten 
Städten gezogen und das platte Land grösstentheils zur unfruchtbaren Wüsteney 
geworden, wo die ehemaligen fruchtbaren Felder mit Sande überzogen, oder mit 
Heiden bewachsen sind, und die ehemaligen fruchtbaren Viehweiden in ungesunde, 
dem Viehe schädliche Sümpfe, Moräste, Lücher und Brücher verwandelt und die 
zu Teichen dienliche Oerter kaum mehr zu kennen sind, wenigstens .mit grossen 
Kosten wiederum von neuem umgeschaffet werden müssen.“ — 
Jedenfalls verdanken wir den Wenden die ersten wirthschaftlichen Regelungen 
des Fischwesens; die Wassergebiete waren genau eingetheilt, Raubfischerei ver 
pönt, und bestimmte Beamte, deren Name Pritzstabel (von Pristaw: Vogt) sich 
bis in die neueste Zeit erhalten hat, überwachten den Fischfang und die Fisch 
gewässer. Auch viele der heutigen Fischnamen, wie Uekley, Plötze u. s. f„ haben 
wir von der slavischen Vorbevölkerung überkommen. 
Kein Wunder, dass das Wasser eine solche Sorgfalt lohnte und dass, als 
Otto, der Apostel der Pommern, im 12. Jahrhundert durch die fischreiche 
Neumark nach Pommern zog, sein bambergischer Kapellan Sefrid dem Busen 
freund und Kollegen Tiemo gegenüber wegen der Fülle von Fischen in jenes für 
einen Geistlichen etwas überschwänglich entzückte Wort ausbrechen konnte, welches 
unter unserer Kapitelüberschrift steht. 
*) Gewöhnlicher ist die Vorstellung, dass der Karpfen erst durch die christlichen Geist 
lichen bei uns eingeführt worden sei. Verf.
	        
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