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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Wissenschaftliche Abtheilung

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1896 
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mole umfriedigt ist. Die Tiefe im Hafen beträgt 1,5 bis 2,5 m. Die Wurzeln 
der Landmolen bestehen aus einer Steinschüttung mit flachen Böschungen, welche 
auf ihrer Krone in etwa Mittelwasserhöhe eine kleine Mauer aus Granitfindlingen 
trägt. Rund 50 m vom Lande entfernt, geht diese Bauweise bei den Landmolen 
in die für die Ostseehäfen übliche Holz-Stein-Bauart über, welche aus zwei ein- 
gerammten Pfahlwänden besteht, zwischen denen eine Steinschüttung bis Mittel- 
wasserliölie eingebettet ist. Die Pfahlwände sind, um ein Ausweichen unter dem 
Druck der Steinschüttung zu verhindern, durch starke Hölzer gegürtet und mit 
einander durch kräftige Queranker verbunden. Auf der abgeglichenen Schüttung 
ist die Mauer mit breitem hafenseitigen und schmalem seeseitigen Bankett er 
richtet. Die gleiche Bauart ist auch für die vorgelagerte Inselmole zur Aus 
führung gelangt. Auf besondere Anlegestellen ist als für die Zwecke eines Zu 
fluchtshafens entbehrlich keine Rücksicht genommen. Hierfür genügen die breiten 
binnenseitigen Banketts der Landmolen. Nach Erbauung des Hafens ist die 
Insel, welche der Stadt Greifswald gehörte, durch Kauf in den Besitz des Staates 
übergegangen. 
6. Plan und Modell des Hafens bei Sassnitz auf Rügen. Ebenso wie der 
in den Jahren 1874—1876 erbaute kleine Hafen auf der Greifswalder Oie dem 
dringendsten Bedürfnis.« der pommerschen Fischerei auf der Westküste Rechnung 
trug, war auch der Hafen bei Sassnitz zunächst lediglich als ein 'Fischerei 
zufluchtshafen für die Riigensche Küste mit einem Geldaufwand von 600 000 M. 
geplant, worden. Am freien südlichen Abhange der Halbinsel Jasmund gelegen, 
nach Nord und Nordost völlig durch das- bewaldete Kreidegebirge der Stubbnitz 
geschützt gegen Nordwest, West und Südwest von der halbkreisförmig vor 
springenden Halbinsel Mönchgut gedeckt, ist hier an der zwei Meilen breiten 
tiefen Meeresbucht, der Prorer Wiek, eine für einen Seehafen ausserordentlich 
günstige Stelle ausgewählt worden. An Schutzwerken gegen den Seeangriff 
waren dementsprechend nur solche gegen Ost und Süd in Aussicht genommen. 
Kaum gewährten jedoch diese 1889 in Angriff genommenen Molenstrecken einigen 
Schutz, als ein Herandrängen von Fahrzeugen aller Alt nach Sassnitz sich be 
merkbar machte, auf deren Aufnahme man bei Aufstellung des Entwurfs zum 
Fischerzufluchtshafen keineswegs gerechnet hatte. Die grossen fahrplanmässigen 
Personendampfer, welche den Verkehr von und zu dem Badeort vermitteln, 
Yachtensegler, die an den benachbarten Kreidebrüchen laden, Frachtschiffe mit 
allerlei Ladung für Sassnitz, daneben ganze Flotillen von Torpedobooten und 
sonstige Fahrzeuge der Marine — alle diese liefen in den Hafen ein, so lange 
noch irgend Platz vorhanden war. Diese Thatsache, sowie die günstige Aussicht 
für die Weiterentwickelung des Verkehrs — die kürzeste deutsch-schwedische 
Postdampferlinie führt von Sassnitz nach Trelleborg — machte die Erweiterung 
des Hafens schon während der Ausführung des Fischerhafens unahweislieh. Die 
Molen wurden daher verlängert, so dass die Hafenfläche nahezu auf das Vier 
fache, nämlich auf 25 ha gebracht wurde. In diesem Erweiterungsentwurf fanden 
dann auch die Anlagen für Lösch- und Ladezwecke eine ausgedehntere Berück 
sichtigung, indem Ladebrücken u. s. w., sowie eine Verbindung der vom Lande 
ausgehenden Molen bis zur Einfahrt hin mit rampenartigen Holzbühnen geschaffen 
wurden, an denen jedes Schiff seine passende Ladehöhe findet. Die Wassertiefe 
im Hafen beträgt durchschnittlich 5 m, die 80 m breite Einfahrt zwischen den 
Molen und der benachbarte Theil der Hafenfläche hat jedoch 6 l U m Wassertiefe. 
Der Erweiterungsbau ist im unmittelbaren Anschluss an den Bau des Fischer 
hafens im Jahre 1892 in Angriff genommen und wird einen Kostenaufwand von 
rund 1000000 M. erfordern, so dass die ganze Hafenanlage rund 1700000 M. kostet. 
Die Bauart der Molen entspricht der für die Ostseehäfen üblichen. Zwischen 
zwei schräg gerammten Pfahlwänden, welche ungefähr 4 m im festen Boden 
stehen und in Höhe des Mittelwassers durch kräftige Gurthölzer und eiserne 
Anker mit einander verbunden sind, ist eine Schüttung von gezangten Steinen 
gebracht. In Mittelwasserhöhe ist diese mit Zwickern ausgeglichen und mit 
Granitgestein in Gementmörtel übermauert. Zum Hafen führt ein ebenfalls neu 
erbauter Zufuhrweg von 7 m Kronenbreite bei einem Längsgefälle von 1 : 20. der 
zum Theil in das Meer geschüttet, zum Theil in das steile Ufer eingeschnitten 
ist. Ein Bahnhof, ein Hafenmeisterhaus und eine kleine Werft vervollständigen 
die Anlage, welche am 1. April 1895 dem Verkehr übergeben ist.
	        
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