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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Wissenschaftliche Abtheilung

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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Mittelwasser liegt und mit der Mauer verankert ist. Ferner werden für je zwei 
Boote Anbindepfähle eingerammt, die am Kopfe bewegliche Ringe zum Fest 
machen der Boote erhalten, so dass diese vor Beschädigungen durch Aneinander 
schlagen vollständig gesichert sind. Die Kosten der Herstellung werden rund 
550UO M. betragen. 
4. Modell des Hafens von Swinemiinde. Der Hafen von Swinemünde erhielt 
seine heutige Gestalt und Bedeutung erst in den zwanziger Jahren dieses Jahr 
hunderts. Die Reguhrungsarbeiten der früheren Zeiten hatten das Bett des 
Swinestroms nicht über 2 m hinaus zu vertiefen vermocht. Erst durch 
die während der Jahre 1817 bis 1829 ausgeführten Bauten der beiden Molen 
wurde die Fahrtiefe auf 7 bis 8 m erhöht und somit der Swinemünder 
Hafen zu dem besten Hafen der Ostsee umgeschaffen, da nunmehr aucli 
die grössten Seeschiffe, welche den Sund durchfahren, hier einlauf'en können. 
Zunächst bildet die Swine von der Sternbake am Mövenhaken ab bis etwa zum 
Osternothafen einen guten, natürlichen Hafen von etwa 5 km Länge und einer 
Breite, welche für Schiffe von 7 m Tiefgang 80—140 m, für solche von 5,5 m 
Tiefgang 120—200 m und endlich für Schiffe mit geringerem Tiefgange 330—775 m 
beträgt. Ausser dem Haupthafen sind verschiedene Seitenhäfen vorhanden. Der 
wichtigste von diesen ist der Winterhafen, zwischen der Stadt Swinemiinde und 
der grünen Fläche belegen, 1 km etwa lang, 100 m im Mittel breit und 4—5 m 
tief. Zum Ueberwintern der Oder- und Haffkähne dient der Kahnhafen innerhalb 
der grünen Fläche, weiter unterhalb folgen der Bauhafen, ein kleinerer Winter 
hafen neben dem Bahnhof und ein Bootshafen am Lootsenwachtthurm. Auf der 
Ostseite befinden sich als Seitenhafen der Osternothhafen für Fischerfahrzeuge, 
der Deckhafen, der Fährhafen, und ein Bootshafen, ln dem Hafengebiet dienen 
verschiedene Seezeichen zur Orientirung und Richtung der Schiffe. Die von See 
kommenden Schiffe erkennen schon in weiter Ferne die Lage des Hafens andern 
stattlichen, 68 m hohen Leuchtthurm, welcher, 1854 bis 1857, massiv erbaut in 
der Nachi durch ein festes Feuer von 20 Seemeilen Sichtweite erleuchtet wird. 
Auf der Rhede angelangt, haben sie von der 1250 km vor dem Kopf der Ostmole 
ausgelegten Glockenboje ab ihren Kurs über die auf der Westmole befindliche 
Flügel- und Galeriebake zu nehmen. Diese Einsegelungslinie ist bis zu dem vor 
dem Kopf der Ostmole befindlichen schwarzen Seesteuder zu verfolgen und von 
hier ab mit der Richtung über die Wiedbake auf der Oslmole und die Landbake 
auf dem Oststrand zu vertauschen. Während der Nacht führen die Leuchtbake 
auf dem Kopf der Ostmole und die Wiedbake rothes, die Landbake weisses Licht. 
Zwischen den Molen ist das Fahrwasser durch Steuder und Tonnen gekennzeichnet. 
Am oberen Ende des Hafens befinden sich noch die drei Deviationsbojen, die 
zum Vertäuen der Schiffe dienen, welche die Deviation ihres Kompasses ver 
mitteln wollen. Zur Zeitregulirung ist auf dem linken Dfer innerhalb der Stadt 
eine eiserne Zeitballsäule von 37 m Höhe errichtet Der Ball fällt täglich 12 Uhr 
nach mitteleuropäischer und nach Greenwicher Zeit. Der Hafen wird durch 
Gaslaternen erleuchtet, seine Ufer sind durchweg theils durch Bohlwerke, theils 
durch Steinböschungen befestigt. 
5. Plan des Fischereihafens auf der Greifswalder Oie. Das zwischen der 
Südostkante der Insel Rügen und dem Festlande gelegene Binnentief, der Greifs 
walder Bodden, wird nach der See zu durch ausgedehnte Sandbänke gesperrt, 
als deren höchste Erhebungen über Wasser sich die Inseln Rüden und Greifs 
walder Oie darstellen. Letztere besonders erscheint als ein Rest dieser einst 
Festland gewesenen Küste. Die Schifffahrt von Stralsund und Greifswald hat 
daher, bevor sie die freie See gewinnt, Untiefen zu durchfahren, welche auch 
der freien Küstenschifffahrt gefährlich sind. Zur Bezeichnung dieser Küstenstelle 
erbaute daher die Preussische Regierung im Jahre 1855 auf der Greifswalder 
Oie einen Leuchtthurm. Zwanzig Jahre später von 1874—1876 wurde dann an 
dem südwestlichen Theil der Insel ein Fischerzufluchtshafen für 3Ö0 000 M. 
erbaut, um dem dringendsten Bedürfnis# der Küstenfischerei Rechnung zu tragen, 
welche alljährlich zahlreiche Fahrzeuge an der gefährlichen Küste Pommerns 
und Rügens einbüsste. Im Jahre 1894 endlich ist die Insel auch mit einer Eng- 
strömschen Nebelsignalkanone ausgerüstet worden. Der Fischerzufluchtshafen 
stellt sich als eine rechteckige, rund 5,5 ha umfassende Fläche dar, welche durch 
zwei vom Ufer abgehende Landmolen und eine in See quer vorgelagerte Insel
	        
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