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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Wissenschaftliche Abtheilung

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 1896 
Rundpfähle von 16 cm Durchmesser sind mit Faschinen und Haidekraut hinterpackt 
und mit Steinen beschwert. Diese Arbeiten, welche einen Kostenaufwand von 
2(10 000 Mark verursacht haben, sind von gutem Erfolge gewesen. Die Mündung 
ist festgelegt; Versandungen, die früher bis auf 0,4 m unter M. VV. sich zeigten, 
bestehen nicht mehr in gleichem Maasse; im Flusslaufe neben der Molenwand 
ist eine Tiefe von 2,0 m und darüber, weiter nach See auf der Barre eine solche 
von meist 1,4 bis 1,5 m. Die Besuchsziffer des Hafens hat infolgedessen 
ständig zugenommen, im Jahre 1894 konnten sogar von Hochseekuttern, die dem 
Lachsfange obliegen, 534 Stück die Lebamündung anlaufen. 
3 Plan des Hafens zu Kolbergermünde. Der Hafen Kolbergermünde liegt 
unmittelbar an der Mündung der Persante in die Ostsee, deren schlauchartige 
Erweiterung den Hafen bildet. Die Persante hat ein Sammelgebiet von 3255 qkm 
und eine mittlere Wasserführung von etwa 23 cbm. Da der Hafen an der engsten 
Stelle bei 24 m Breite rund 100 qm Durchflussquerschnitt hat, so beträgt die 
mittlere Geschwindigkeit des Wassers im Hafen an der ungünstigsten Stelle etwa 
23 cm. Dieses Maass verringert sich auf etwa 15 cm an den Stellen, wo die 
Schilfe laden und löschen. Die Wassertiefe des Hafens beträgt 5,0 m. Der Fluss 
führt im Allgemeinen wenig Sand in den Hafen, so dass es nur geringfügiger 
Baggerungen bedarf, um die Tiefe von 5 m aufrecht zu erhalten. Dagegen kann 
die Tiefe von 5,0 m von der Schifffahrt nicht immer voll ausgenutzt werden, 
weil bei starken Stürmen in dem Hafenmunde durch die Küstenströmung zeit 
weilig Versandungen bis auf 4 m Wassertiefe entstehen, deren Beseitigung durch 
Baggerungen vielfach wegen ungünstiger Witterung nicht so schleunig erfolgen 
kann, wie es die Ansprüche der Schifffahrt wünschenswerth erscheinen lassen. 
Der mittlere Wasserstand, welcher unter gewöhnlichen Verhältnissen um etwa 
0.3 m nach oben und nach unten schwankt, liegt auf 1,49 m am Hafen 
pegel = — 0,117 m N. N. Der höchste Wasserstand am 9./10. Februar 1894 
hetrug 3,77 m am Pegel = + 2,163 m N. N., der niedrigste Wasserstand am 
29. Dezember 1894 0,56 m am Pegel = — 1,047 m N. N. Die Hafenmündung 
wird durch zwei massive Hafenmolen eingefasst, eine Ostmole 340 m und eine 
Westmole 210 m lang, welche an ihrer Wurzel 24 m. an den Köpfen 43 m aus 
einander liegen. Die Ausfahrt ist ziemlich scharf gekrümmt und liegt in der 
Richtung N. W. z N. Die Längenausdehnung des mit Bohlwerken ein 
gefassten Hafens beträgt nur 350 m. Die mittlere Breite ist auf 42 m 
anzugeben, die sich an der Schwajestelle auf 56 m erweitert. Unmittelbar 
unterhalb der sogenannten Maikuhlenbrücke ist ein rund 110 ar grosser Winter 
hafen von 185 m mittlerer Länge und 60 m Breite angelegt, der in erster Linie 
zur Unterbringung hafenfiskalischer Fahrzeuge dient, von Handelsschiffen dagegen 
nur in sehr .geringem Maasse zur Ueberwinterung benutzt wird. Die Ostseite des 
Hafens ist mit Hafengleisen in einer Länge von rund 400 m besetzt, welche 
durch ein Anschlussgleis mit dem Bahnhof Kolberg in Verbindung gebracht sind. 
Auf der Westseite des Hafens befindet sich zur Zeit ein Liegehafen für Fischer 
boote im Bau, welcher Raum für 100 Fahrzeuge bieten soll. Zur Zeit sind in 
Kolbergermünde folgende Boote heimat.hsberechtigt: 1. 26 grosse gedeckte Hoch 
seeboote von durchschnittlich 9,25 m Länge, 3,0 m Breite und 1,0 m Tiefgang; 
2. 48 offene, auf Sohle gebaute Fischerboote von durchschnittlich 8,25 m Länge 
und 2,4 m Breite; 3. 12 offene, auf Kiel gebaute, sog. Norwegische Jollen von durch 
schnittlich 6,35 m Länge und 1,8 m Breite. Es ist somit auf eine Vergrösserung der 
Flotte um 14 Boote gerücksichtigt. Die gesammte Kailänge nach Fertigstellung eines 
Milteistegs wird 268 m betragen. Die Gesammtwasserfläche beziffert sich auf 
rund 50 ar. Eine grössere und zwei kleinere Aufschleppen werden auf der Nord- 
und Südseite des Hafens angelegt, damit die Boote im Winter zur Ausbesserung 
aufgeschleppt werden können. Die Umfassungswände des Liege-Hafens auf der 
Nord- und Südseite und auf einem Theil der Ostseite erhalten gepflasterte 
Böschungen, welche sich gegen eine unter Mittelwasser liegende Spundwand 
stützen. Die zum Anlegen der Boote bestimmten Längswände des Hafens erhalten 
Kaimauern, welche auf einer Spundwand und einer Reihe Rostpfähle ruhen. Die 
Rostpfähle greifen 2,0 m, die Spundpfähle 1,5 m unter die Sohle des Hafens, 
welche durchschnittlich 2,0 m unter Mittelwasser liegt. Die Oberkante der Kai 
mauer liegt 1,20 m über Mittelwasser. Zum Befestigen der Boote ist vor der 
Mauer auf Steinkonsolen eine hölzerne Gurtung angebracht, welche 0,75 m über
	        
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