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Fischerei-Geschichtliche Abtheilung Einleitung: Geschichtliches über das Fischwesen in der Provinz Brandenburg

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin 189ti 
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neben Schmucksachen aus Gold, gebraucht wurden, ohne dass auch nur eine 
Spur von Eisen oder Stahl, beziehentlich Silber nachgewiesen wäre, ist für einen 
grossen Theil der Mark bisher unerschüttert. Viele der so lange aus Stein müh 
selig gefertigten Fischergeräthschaften werden nun aus der schmiegsamen Mischung 
von Kupfer und Zinn hergestellt. 
Den Anfang dieser Bronzezeit chronologisch bei uns zu fixiren, ist bis jetzt 
vergebliches Bemühen, das aber wissen wir aus den Schichten-Verhältnissen der 
Wohnstätten, aus dem Inhalt der Grabhügel und Urnenfriedhöfe, dass diese Epoche 
viele Jahrhunderte gewährt, dass der Geschmack und die Technik der Geräthe im 
Laufe derselben sich wesentlich geändert hat und dass zu den reinen Handels 
importartikeln auch eine heimische Industrie — Beweis hierfür die nicht seltenen 
Schmelzstätten, Gussformen, Bronzeklumpen, Gusszapfen, Schmelzstücke mit Guss 
nähten, Gussschlacken — allmälig getreten ist. Vorhandene bronzene Angelhaken 
und andere Geräthe verrathen eine geschickte und sichere Handhabung der Metall 
technik. Die zahlreichen natürlichen Eilande, welche die Mark in ihren grossen 
Seen, in den alljährlich austretenden Strömen und deren Nebenflüssen fast überall 
bot, wiesen von selbst auf Gelegenheiten zum Fischfang, und so sind denn die 
Spuren der germanischen Urbevölkerung, um welche es sich während der 
Epoche der Bronzezeit handelt, auf unseren Inseln und Werdern, auf den jetzt noch 
vorhandenen, wie auf den ehemaligen, noch deutlich nachweisbaren, nicht selten. 
Gleichwohl sind die dieser Periode zugehörigen Reste der leicht verweslichen 
Fischgegräte und Fischschuppen neben den gespaltenen Markknochen von wilden 
Vierfüsslern und Vögeln nicht gerade häufig nachweisbar. 
Die Oderinsel Neuenhagen, politisch zur Neumark, örtlich mehr zur Ucker 
mark gehörig, ist reich an Ueberbleibseln der dort sesshaft gewesenen germanischen 
Fischerbevölkerung und wird um die Zeit, wo Cornelius Tacitus sein unsterbliches 
Buch über Germanien verfasste, als von den Sueven, speziell von dem Semno- 
nischen Zweig derselben, bewohnt gedacht. Wir finden daselbst noch die Trocken 
stätten für die Netze, die Raststellen für die Fischer mit ihren im Feuer ge 
borstenen Herden, den Thonschichten, mittelst welcher jene angestrichen waren, 
Holzkohlen- und Aschenschichten. Dem Verfasser gelang es 1878, mit den Pro 
fessoren von Martens und Hilgendorf zusammen, ganze, durch überlagernde Erde 
fest zusammengepresste Abfallschichten aufzufinden, mit zahlreichen Resten von 
Fischen, Wasservögeln und grossen Flussmuscheln, deren fleischiger Inhalt als 
Schweinefutter gedient haben mag. 
Bald darauf nimmt der Gebrauch des Eisens zu, den Tacitus unseren Alt 
vorderen erst im beschränktesten Maasse zugesteht; vom dritten Jahrhundert ab 
wird Stahl und Eisen mehr und mehr der Bronze ebenbürtig, ohne sie als das 
eigentlich „leitende“ Metall zu verdrängen. Die Fischernachen dieser Metallzeit 
sind daher bereits ungleich formgerechter gearbeitet. 
2. Die Wendische Zeit. 
„Es herrscht dort ein unglaublicher Ueberfluss 
an Fischen, sowohl aus dem Meere, wie aus 
Flüssen, Seen und Teichen, und für einen Denar 
würdest du einen ganzen Wagen frischer 
Fischlacke bekommen, und wenn ich über 
den Geruch und die Dicke derselben erzählen 
würde, wie ich denke, so würde ich der 
Gefrässigkeit beschuldigt werden.“ 
Aus Herbord’s Leben des Bischofs Otto v. Bamberg. 
Im Laufe der Völkerwanderung entleert sich die Mark von Germanen, und 
slavische Stämme, unter dem Namen Wenden zusammengefasst, dringen an ihre 
Stelle; in den letzten Jahrhunderten dieser die Eisenzeit bildenden jüngsten heid 
nischen Epoche nehmen die Wenden die heutigen Theile der Mark, welche zum 
Markgrafenthum Niederlausitz gehören, unter der Bezeichnung Sorben, die übrigen 
Theile unter dem Namen Wilzen ein. (Vgl. E. Friedei: Die Stein-, Bronze- und
	        
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