Path:
Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Wissenschaftliche Abtheilung

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

148 
Deutsche Fischerei-Ausstellung Berlin ISMO 
3. Der grosse Taschenkrebs oder die Taschenkrabbe (Cancer pagurus L.), 
engl. crab. der grösste kurzsohwänzige Krebs der Nordsee und dort gemein auf 
den verschiedensten Gründen, von der Küste bis auf die hohe See und von an 
sehnlicher Grösse. In England eins der beliebtesten Volksnahrungsmittel, bei 
uns noch wenig geschätzt. Auf Helgoland wird er zahlreich in den Hummer 
körben gefangen und frisch zerstossen als ausgezeichneter Köder für die Fisch 
körbe verwandt. 
4. Der kleine Taschenkrebs oder gemeine Krabbe (Carcinus maenas 
Leach), gemein in der ganzen Nord- und Ostsee, findet meistens nur als Köder 
für Fischreusen Verwendung. Den beiden letztgenannten verwandte kurzschwänzige 
Krebse der Nordsee sind die Schwimmkrabbe (Portunus holsatus Fabr.) 
und die Spinnen kr abbe (Hyas aranea Leach). 
Schrank XII. Die Auster (Ostrea edulis L.) lebt in der Nordsee und den 
europäischen Küsten des atlantischen Ozeans, sowie im Mittelmeer. In der Ost 
see war sie auch in vorhistorischen Zeiten angesiedelt; seitdem ist jedoch das 
Wasser dort zu schwach salzhaltig geworden, und Ansiedelungsversuche mit ihr 
und der amerikanischen Auster in der Ostsee sind erfolglos gewesen. — Am 
meisten geschätzt von deutschen Austern sind die sogen. Holsteiner, welche 
auf den fiskalischen Bänken im Wattenmeer neben den Inseln Sylt. Amrum und 
Föhr gefischt werden. Die sogen. „Helgoländer Austein“ stammen gewöhn 
lich nicht von der etwa 3 Seemeilen SO. von Helgoland gelegenen Helgoländer 
Austernbank, sondern von den ausgedehnten, in der offenen Nordsee zer 
streuten Gründen. Der Begriff der Austern b a nk darf für unsere und die meisten 
anderen Gebiete nicht dahin verstanden werden, dass die Austern einem felsigen 
Untergründe aufsässen. Vielmehr liegen sie einem durch „Schlick“beimischung 
etwas gefestigten Sandboden in Gesellschaft leerer Muschel- und Schneckenschalen 
lose auf, wovon die Nachbildung einer solchen Bank eine Vorstellung giebt 
(siehe Galerie). Hierdurch werden auch die Bedingungen für das Vorkommen 
mancher anderen Thiere und Pflanzen gegeben (Seeigel. Seesterne als Feinde der 
Austern. Moosthiere, Hydroidpolypen, Einsiedlerkrebse, Miesmuscheln u. dgl.j, mit 
denen also für die Auster eine gewisse Lebensgemeinschaft (Biocoenose) besteht. 
In den Schränken finden sich hierfür vielfache Belege. Die Austern präsentiren 
sich hier häufig in der natürlichen Stellung mit geöffneter Schale, so dass die Kiemen 
(der „Bart“) noch zu athmen scheinen. In ihrer Umgebung haben die Mitbe 
wohner der Bänke Platz gefunden. Die Auster hat keinen Fuss, wie z. B. die 
Miesmuschel, mit dessen Hilfe sie sich vom Fleck bewegen könnte. Nur als 
kleine Larve schwärmt sie im Wasser und kann mit Hilfe der Meeresströmungen 
grössere Wegstrecken zurücklegen. Jedoch behält die Mutterauster die zahlreichen 
kleinen Schwärmlinge so lange in der Schale, bis sie zum Schwärmen reif sind 
und eine blaue Farbe angenommen haben (siehe Präparat). Nach einiger 
Zeit freien Lebens heften die kleinen Larven sich auf einer Unterlage (Muschel 
schale, Dachziegel u. dgl.) fest und werden bei uns erst nach etwa 6 Jahren 
marktfähig, d. h. erreichen eine Schalendicke von 18 mm. Die Altersstadien der 
Holsteinischen Austern sind ausgelegt und zum Vergleich auch einige von 
norwegischen und amerikanischen Austern. Letztere (Ostrea virginica L.) ist ge 
wöhnlich mehr gekrümmt und hat einen blau gefärbten Eindruck des Schliessmuskels 
(„Stuhl“). — Die künstliche Austernzucht, welche besonders in Frankreich, 
Holland, Italien und Amerika betrieben wird, bezweckt 1. die Austernschwärmlinge 
auf geeigneten Ansatzkörpern aufzufangen und 2. die gefangene Brut zu markt 
fähiger Grösse heranzuziehen. Um die künstliche Austernzucht zu demonstriren, 
sind einige Brutsammler aus Reisig und Muschelschalen und ein dick mit Austern 
bewachsener Dachziegel ausgestellt, auch Modelle von sogen, hängenden Betten 
zum Auslegen, von Mutteraustern, wenn der Untergrund ungünstig ist. Die 
Präparate sind von der Kgl. Biologischen Anstalt Helgoland, Herrn Geheimrath 
Möbius und Prof. Dr. Henking gesammelt und im Berliner Museum von Herrn 
Präparator Bullemer aufgestellt, die anatom. Präparate von Prof. Henking an 
gefertigt. 
SchrankXlII. Muscheln und andere Schalthiere. 1. Die Miesmuschel (Mytilus 
edulis L.), auch Pfahlmuschel; die gemeinste essbare Muschel an allen Küsten 
des mittleren und nördlichen Europas; am grössten in der Nordsee, in der Ostsee
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.