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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei Wissenschaftliche Abtheilung

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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Kabliau erzeugt jährlich mehrere Millionen Eier, die im Winter in der Nähe der 
Küsten abgelegt werden und frei in den oberflächlichen Schichten des Wassers 
schweben. Die Jungen schlüpfen in sehr unvollkommener Gestalt aus und 
erreichen im ersten Jahre ungefähr eiue Länge von 15 cm ; bis zur Geschlechts 
reife vergehen mehrere Jahre. In der Sammlung befinden sich auch einige 
Dorsche mit missgebildeten Köpfen (Mopsköpfe, Dickköpfe), sowie eine Anzahl 
Dorschangeln mit Ködern, wie sie in der westlichen Ostsee gebräuchlich sind 
(Mus. Lübeck). 
Schrank VI. Der Schellfisch (Gadus aeglefinus L.), dänisch kuller, 
schwedisch kolja, englisch haddock. Ein naher Verwandter des Kabliaus, aber 
kleiner, höchstens 1 in lang; er fehlt fast ganz in der Ostsee. In der Nordsee 
und weiter hinauf bis zum hohen Norden ist er einer der wichtigsten Nutzfische, 
dessen Fleisch an Feinheit und Wohlgeschmack das des Kabliaus übertrifft. Er 
wird mit Angeln* (Langleinen), in grösster Menge aber mit dem Grundschleppnetz 
(Kurre oder Trawl) gefangen. Er lebt vorzugsweise am Meeresgründe, auf 
schlickigen und feinsandigen Gründen, und ernährt sich im Gegensatz zum Ka 
bliau hauptsächlich von Kleineren mehr oder weniger im Grunde verborgenen 
Thieren, wie Muscheln, Würmern, Seeigeln, Schlangensternen, Krebsthieren und 
andern. In der Sammlung sind ausgestellt die Proben des Meeresgrundes, auf 
denen der Schellfisch lebt, diese Proben ausgesiebt, so dass man die in ihnen 
enthaltenen Thiere sieht: ferner in zahlreichen Gläsern der Mageninhalt von 
Schellfischen und die ihn zusammensetzenden Thierarten. Die besondere Art 
dieser Nahrung bedingt den Wohlgeschmack des Fleisches der Schellfische. Die 
Eier des Schellfisches werden wie die des Kabliaus im Winter abgelegt, wahr 
scheinlich auf hoher See, und schweben frei im Wasser. Die Sammlung ist mit 
Ausnahme des Skelets präparirt und aufgestellt von der Biologischen Anstalt auf 
Helgoland (Dr. Hoffbauer). 
Schrank VIIVIII. IX und Fenstertische. Die für die Fischerei wichtigsten 
Plattfische oder Seitenschwimmer (Pleuronectiden): Steinbutt, Glattbutt, 
Seezunge, Scholle und Flunder. Sie bilden neben dem Schellfisch die 
wichtigten Gegenstände der Grundnetzfischerei mit Kurre oder Trawl (Hochsee 
fischerei mit Dampfern). Scholle und Flunder werden ausserdem, namentlich in 
der Ostsee, mit Stellnetzen (Buttgarnen), Waaden und Angeln gefangen. 
Die Plattfische leben fast ausschliesslich am Grunde des Meeres, wühlen sich 
mehr oder weniger in denselben ein und können sich durch ihre Färbung, die 
schneller Veränderung fähig ist, der Farbe des Grundes genau anpassen. Die 
grösste Eigenthümlichkeit ihres Körperbaues ist ihre unsymmetrische Gestalt, 
indem die rechte und linke Seite des Körpers ungleich gefärbt sind und beide 
Augen sich auf der nach oben gekehrten dunkleren Seite befinden. Die aus 
dem Ei ausschlüpfenden jungen Plattfische sind vollkommen symmetrisch wie 
alle anderen Fische, mit je einem Auge auf jeder Seite; erst im Laufe der ersten 
Wochen nach dem Ausschlüpfen wandert infolge ungleichen Wachsthums beider 
Kopfhälften das Auge der späteren weissen Unterseite des Fisches allmälig 
auf die andere Seite hinüber und ebenso allmälig legt sich das Anfangs auf 
recht schwimmende Fischchen mit der nun augenlos werdenden Unterseite auf 
den Meeresgrund. Die von der Biologischen Anstalt auf Helgoland ausgestellten 
Präparate der Entwickelung des Steinbutts, der Seezunge und der Flunder zeigen 
diese Wanderung des Auges der Plattfische aufs deutlichste, indem durch einen 
hinter dem Glase angebrachten Spiegel beide Seiten des Fisches gleichzeitig 
gesehen werden können. 
1. Steinbutt (Rhombus maximus L,), dänisch pig varren, englisch turbot, 
holländisch tarbot. Länge bis 2 m in der Nordsee, in der Ostsee kleiner. Die 
Augen stehen auf der linken Seite, die statt der Schuppen steinartige Haut 
knochen enthält. Der Steinbutt gehört wegen seines* vorzüglichen Fleisches zu 
den Edelfischen des Meeres, er nährt sich von grösseren Thieren, namentlich 
von anderen Plattfischen und Krebsthieren. Die Laichzeit fällt in die Sommer 
monate. Ein grosser Steinbutt erzeugt jährlich bis zu 30 Millionen Eier, die wie 
die Eier aller anderen Plattfische frei im Wasser schweben. 
2. Der Glattbutt oder Tarbutt (Rhombus laevis Rondelet), auch Kleist, 
dän. slaetvarren, engl, brill, holl, griet. Der nächste Verwandte des Steinbutts, 
Via 10
	        
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