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Gruppe XX. Untergruppe: Seefischerei [Erläuterndes Verzeichniss der ausgestellten Gegenstände]

Full text: Deutsche Fischerei-Ausstellung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

Seefischerei 
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3405 Kollektiv-Ausstellung’ der Insel Helgoland, veranstaltet von der 
Kgl. Biologischen Anstalt, der Gemeinde Helgoland und der Kom 
paktkasse.*) 
1. Insel Helgoland. Modell, 2,10 m lang, 1 m breit, verfertigt von H. Philipp, 
Helgoland, Eigenthum des preussischen Staates. 
2. Die Hummerfischerei, als derzeit wichtigster Fischereibetrieb der Insel, ist 
dargestellt durch ein grosses Oelgemälde, welches der Helgoländer Maler Aeuckens 
im Aufträge der Gemeinde gefertigt hat. Auf demselben erblickt man im Hinter 
gründe das'rothe Felseneiland, vorn einige kleine Boote, welche mit dem Aussetzen 
und Aufnehmen der Hummerfallen (Helgol. „tiners“) beschäftigt sind. Jedes 
Boot lischt mit 40—100 Stück solcher Hummerkörbe, welche einzeln an langen 
Bojenleinen (sogen. „Simm“) auf den Meeresgrund versenkt und täglich nach 
gesehen werden, um entleert und mit frischem Köder versehen zu werden. Der 
Hummerfang wird das ganze Jahr hindurch mit Ausnahme der kältesten AVinter- 
monate und der Schonzeit (Mitte Juli bis Mitte September) betrieben. Sein Ertrag 
beläuft sich auf ca. (>0 000 Stück im Werthe von 50—60000 Mark. Die Hummer 
fischerei ist ferner illustrirt durch eine Anzahl photographischer Darstellungen 
und durch folgende Geräthe und Modelle: 
a) Körbe zum Hummerfang mit Bojenleinen im Original und imModell 
b) „Glipp e“, ein kleines am Eisenreifen hängendes Netz zum Hummerfang. 
c) Hummernetz, altes, nicht mehr im Gebrauch befindliches Geräth. 
d) Hummerkasten nebst Ankergeschirr („Mooring“) im Modell. Der 
selbe dient zur Aufbewahrung des lebenden Fanges auf der Rhede von 
Helgoland. 
e) Hummerbrutkasten, nach Angabe von Nielsen in Newfoundland, 
dient zur künstlichen Erbriitung der dem Mutterthiere abgestreiften 
Hummereier. 
f) Hummer, getrocknete und abgeworfene Schalen. 
g) Boot mit einfachem Raasegel im Modell, alterthümliche spezifisch 
Helgoländer Bauart, wird vorzugsweise beim Hummerfang benutzt. 
3. Der Schellfischfang mit Angeln wird von Helgoland in ähnlicher Weise 
betrieben wie von der ostfriesischen Küste, besonders Norderney (s. ds. No. 3401), hat 
aber von seiner ursprünglichen grossen Bedeutung seit der stärkeren Befischung 
der Nordsee sehr viel eingebüsst. Davon legt die stetig abnehmende und jetzt auf 
etwa 10 betriebsfähige Fahrzeuge reduzirte einst so stolze Schaluppenflotte ein 
trauriges Zeugniss ab. Der Ertrag der Fischerei ist meist gering und sehr 
schwankend, was um so mehr zu bedauern ist, als die Art des Betriebes eine 
Vorzugswaare allerersten Ranges liefert, die im Binnenlande wenig oder gar 
nicht bekannt ist. Der Fang des Schellfisches, die Waadenfischerei auf Spierlinge 
(Ammodytes tobianus), welche einen wichtigen zum Bestecken der Angeln be 
nutzten Köder darstellen, und das Bestecken (Ensen) der Angeln selbst ist durch 
eine Reihe photographischer Aufnahmen veranschaulicht, ferner durch folgende 
Objekte: 
h) Eine „Bakke Tau“, d. i. die Angelleine, nebst Zubehör an Draggen, 
Bojen etc., 
i) Spierlingswaade zum Fange von Ködern am flachen Strande der Düne, 
k) Gabel zum Graben von Wurmködem (Arenicola), 
l) Kekshaken zum Ueberholen grosser Angelfische und diverse andere 
Ausrüstungsgegenstände der Schaluppen, 
m) Schaluppe zum Schellfischfang, vollständig getakelt als 4 Fuss 
langes Modell, veranschaulicht die alterthümliche und originelle Helgo 
länder Bauart, welche die fast kiellos und bauchig gebauten Fahrzeuge 
befähigt, sich in schwerer See und selbst Brandung zu halten, ohne 
dass sie andererseits dem Aufsetzeii auf den flachen Inselstrand erheb 
liche Hindernisse bietet, 
*) Der »Kompakt« ist eine seit geraumer Zeit auf der Insel bestehende Versiche- 
rungs- und Unterstfitzungskasse für Fischer, welche dank häufiger privater Zuwen 
dungen über ein ansehnliches Vermögen verfügt.
	        
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