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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
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Als Ausfuhrprodukte Ostafrikas befinden sich in dem zweiten Raum 
Elfenbein. Kautschuk, Tabak, Reis, Kopal, Hirse, Kopra, Sesam, Kokosnüsse, 
Kaffee etc.; als Einfuhrwaaren neben den dort gebräuchlichen indischen 
Waaren, die aus Deutschland und anderen Ländern eingeführten wollenen 
und baumwollenen Gewebe, Eisenwaaren, Töpferwaaren, Weine, Bier, Pro 
visionen, sonstige Industriewaaren, Perlen etc. — Die Zusammenstellung 
für Ostafrika ist durch die Deutseh-Ostafrikanische Gesellschaft erfolgt, welche 
u. a. auch die von ihr geprägten Münzen — Rupie, halbe Rupie, viertel 
Rupie, Pesa — zur Anschauung gebracht hat. Die Ausfuhr Ostafrikas 
betrug 1894 5 480 210 M., die Einfuhr 8 054 445 M., der Gesammtumsatz 
demnach 13 500 000 M. 
Die in den übrigen Schutzgebieten, Deutsch-Südwestafrika, Kaiser 
Wilhelmsland, Bismarck-Archipel, Salomons-Inseln und Marschall - 
Inseln zur Ausfuhr gelangenden Produkte sind in dem Mittelraum des 
Erdgeschosses in Verbindung mit der Gesammtdarstellung der Verwerthuug 
der Produkte aus unseren Schutzgebieten in den heimischen Industrien zur 
Darstellung gebracht. Um diese in Augenschein zu nehmen, betreten wir 
nunmehr den Mittelsaal des Erdgeschosses. 
Der Mittelsaal ist bestimmt, die bisher erreichte Verwendung 
der wichtigeren Ausfuhrartikel der deutschen Kolonien in der 
heimischen Industrie und im heimischen Konsum zu illustriren; es soll 
dadurch gleichzeitig die Bedeutung zur Anschauung gebracht werden, welche 
unsere Kolonien schon jetzt, nach verhältnissmässig wenigen, grösstentheils 
den einleitenden Schritten und Versuchen gewidmeten Jahren für die Ver 
sorgung unserer] Industrie und unserer Märkte erlangt haben. Die vielen 
erst im Versuchsstadium befindlichen Produkte wurden demgemäss un 
berücksichtigt gelassen, was um so eher geschehen konnte, als die Ver 
wendungsmöglichkeit der in unseren Kolonien vorhandenen und verwerth- 
baren Pflanzen und Thiere in dem der Wissenschaft unserer Kolonien 
gewidmeten Hause der Kolonial-Ausstellung hinreichend gewürdigt wird. Die 
geringe, seit dem Beginn der Kolonisation verflossene Zeit bringt es mit 
sich, dass die meisten der ausgestellten Erzeugnisse noch Verwerthungen 
der Urprodukte darstellen, d. h. derjenigen Stoffe, welche das Land ohne 
Hinzuthun des Menschen aus sich selbst heraus hervorbringt, wie z. B. Elfen 
bein, Felle, Kautschuk, Kopal, Orseille, Steinnuss, Zierhölzer, sowie von Meeres 
produkten Schildpatt und Perlmutter; bei einer zweiten Gruppe befinden 
sich die sie' liefernden Organismen in einer Art Halbkultur, d. h. sie werden 
gehütet oder geschont, auch gelegentlich, aber ohne System, gepflanzt, hierzu 
gehört vor allem die Oelpalme und Kolanuss, sowie in manchen Gegenden 
auch die Kokospalme; eine dritte Gruppe wird von den Eingeborenen regel 
recht kultivirt, z. B. die Erdnuss und der Sesam, Hirse, Mais etc., während 
eine vierte Abtheilung durch Plantagenkulturen unter europäischer Leitung 
hervorgebracht wird. Gerade die Produkte dieser letzteren Kategorie werden 
sich in den nächsten Jahren ungemein vermehren, da die meisten Plantagen 
noch zu jung sind, um jetzt schon Ernten zu geben; immerhin kommen 
schon Kaffee, Kakao, Tabak, Vanille und Baumwolle als Produkte des 
Plantagenbetriebes in den europäischen Handel. 
Abgesehen von den darstellenden Firmen wurden auch noch von 
anderer Seite Gegenstände zu dieser Ausstellung geliefert, wo es galt, Lücken 
auszufüllen. Neben der Kolonialabtheilung des Auswärtigen Amtes, die 
Manches selbst aus den Kolonien kommen liess, sind vor allem zu erwähnen 
die Deutsche Kolonialgesellschaft, das Kgl. zoologische Museum hierselbst, 
Herr Prof. Dr. Sadebeck in Hamburg und Herr J. K. Vietor in Bremen.
	        
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