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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Gruppe XXIII. Kolonial-Ausstellung 
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über Kohlenfeuern getrocknet. Aus diesen getrockneten Schnitten, der sog. Kopra, 
wird dann ein bei 18° G. bereits erstarrendes Oel gewonnen, das in grossen Massen 
zur Seifenfabrikation Verwendung findet. 1000 Nüsse liefern etwa 250 kg Kopra 
bez. 94 Liter Oel. Der Preis der Kopra schwankt zwischen 160 bis 400 M. pro 
1000 kg. Aus den Pressrückständen werden die für die Landwirthscbaft wichtigen 
Oelkuchen gefertigt. Aus der die Schalen umgebenden bastartigen Decke, dem 
Coir, wird durch einen Röstprozess und weitere Manipulationen ein gesuchtes 
Material für Herstellung von Bürsten und Schrubbern, Säcken, Hängematten, 
Tauen etc. gewonnen. Die Südseeinseln bilden nach den südasiatischen Küsten 
gebieten das wichtigste Kopra-Produktionsgebiet. Aus dem Schutzgebiete der 
Neu-Guinea-Kompagnie wurden 1892 circa 2500 Tons Kopra ausgeführt. 
Ausgestellt ist: Eine Kiste Kopra aus dem Bismarck-Archipel. 
Kapok. 
Kapok, der malayische Name für die Seidenbaurmvolle, hat mit der gewöhn 
lichen Baumwolle nichts zu thun. Sie stammt von Eriodendron anfractuosum, 
einem hohen Baum, und bildet die Umhüllung der in holzigen Samenkapseln ein 
geschlossenen Samen. Der Faserstoff wurde 1851 zum ersten Mal in Europa ein 
geführt, ohne dass es zunächst gelungen wäre, ihm einen Markt zu verschaffen. 
Zum Verspinnen eignet er sich nicht, da er zu kurzstaplig, zu glatt und zu elastisch 
ist. Dagegen hat der Artikel, der in Java in grossen Massen produziert wird, in 
Australien vermöge seiner Haltbarkeit und Elastizität eine grosse Bedeutung für die 
Herstellung von Matratzen und Kopfkissen erworben, die wegen ihrer Kühle und 
Leichtigkeit unter den Tropen sehr geschätzt sind. Melbourne ist zum tonan 
gebenden Markt für Kapok geworden, und ist kürzlich auch in Amsterdam eine 
Börse für diesen Artikel entstanden. Bei den steigenden Preisen bietet die mühelose 
Kultivirung dieser Pflanze günstige Aussichten. Auf den Stationen der Neu-Guinea- 
Kompagnie ist der Baum von Holländisch Indien eingeführt worden. Die Kerne 
lassen sich ebenso wie die Baumwollensaat mit Erfolg zur Oelgewinnung benutzen. 
Ausgestellt sind: Eine Kiste Kapok und eine Kiste Kapoksaat aus dem 
Bismarck-Archipel, ein Ballen Kapok, 35 kg, aus Friedrich Wilhelmshafen. 
Trepang, 
Die in dem Meere in der Umgebung des Bismarck-Archipels vorkommenden 
Holothurien, auch Seewalzen oder Seegurken genannt, welche sich von den ihnen 
verwandten Seeigeln und Seesternen durch ihren wurmartig gestreckten, walzen 
förmigen oder wurstartigen Leib unterscheiden, bilden als Trepang (biche de mer) 
den Gegenstand einer besonderen Fischerei und eines Handelsartikels für die 
chinesischen Märkte. Die durch einen umständlichen Koch- und Räucherprozess 
gereinigte, gallertartig gequollene Haut dieser Echinodermen liefert den Chinesen 
ein beliebtes Gericht. Ausgeführt werden etwa 50 000 Pfund. 
Ausgestellt: Verschiedene Sorten Trepang. 
Perlmuscheln. 
Die Schalen der Perlmuschel, welche durch Taucher auf dem Grunde des 
Meeres gesucht werden, bilden ein gesuchtes Rohmaterial für die Knopffabrikation, 
von dem jährlich ca. 6000 Pfund aus dem Schutzgebiet ausgeführt werden. 
Schildpatt. 
Das Meer in der Umgebung des Bismarck-Archipels birgt zahlreiche Schild 
kröten, die des Schildpatts wiegen eifrig von den Eingeborenen gejagt werden. 
Der Fang geschieht entweder dadurch, dass man den wmiblichen Schildkröten, 
welche in der Legezeit Sandbänke aufsüehen, den Rückweg abschneidet und sie 
durch Umdrehen auf den Rücken wehrlos macht oder dass man sie im Wasser 
selbst durch Wurfleinen fesselt. Nicht alle Schildkröten-Arten haben Schildpatt 
auf ihrem Rückenschild. Die sog. grünen Schildkröten sind w-erthlos. Von dem 
Rücken jeder nutzbaren Schildkröte lassen sich Platten ablösen. welche das sog. 
Schildpatt bilden. Die Eingeborenen benutzen das Schildpatt vielfach als Schmuck;
	        
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