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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
In dem bedeckten 
Wintergarten 
sind eine Anzahl Baumwollstauden zu einer Plantage zusammengestellt, 
welche aus Neu-Guinea herübergebracht und von der Firma J. Seibt vorm. 
Becker & Cie. präparirt worden sind, die auch die Palmen für die Aus 
stellung geliefert hat. Aus den aufgebrochenen Kapseln quillt in schneeiger 
Fülle die seidenartige Baumwolle hervor. Hier findet sich auch eine grosse 
Anzahl ethnologischer Gegenstände, welche auf die Fischerei Bezug haben, 
ausgestellt. 
Baumwolle. 
Die Baumwolle stellt die Samenhaare verschiedener Arten der Gattung 
Gossypium, Familie der Malvaceen dar, die in tropischen und subtropischen 
Gegenden gedeihen. Es sind ein- oder mehrjährige Stauden von 1—1,8 m Höhe 
mit behaarten ästigen Stengeln, 3—5 lappigen Blättern, grossen gelben, weissen 
oder roth und weiss gestreiften, rasch verwelkenden Blüthen, die einzeln in den 
Blattwinkeln stehen. Aus ihnen entwickeln sich die wallnuss- bis hühnereigrossen 
Früchte, die aus Kapseln bestehen, die bei eintretender Reife an 3 bis 5 Klappen 
aufspringen und die langen elastischen, weissen, gelblichen, bläulichen oder röth- 
lichen Samenhaare, welche die einzelnen Samenkerne umhüllen, zum Vorschein 
kommen lassen. Die Ernte geschieht durch Herauslösen der Samenhaare sammt 
den Kernen aus den Kapseln etwa 4 Monate nach Aussaat der Pflanzen. Die 
gepflückte Baumwolle wird dann einige Tage an der Sonne getrocknet, in be 
sonderen Reinigungsmaschinen von anhaftendem Sand, Erde etc. und dann von 
den sogenannten Gins oder Entkörnungsmaschinen von den Samenkernen befreit. 
Die von den Samenkernen befreite Baumwolle wird Lintbaumwolle genannt. Im 
Durchschnitt besteht das Gewicht der Samenbaumwolle zu 2 / 3 aus Samen und 
zu einem Drittel aus Baumwolle. Da die Seefracht nicht nach Gewicht, sondern 
nach dem kubischen Raumgehalt berechnet wird, so wird die Lintbaumwolle für 
den Export in stark gespressten Ballen, die mit Eisendraht oder Bandeisen ver 
schnürt werden, versandtfertig gemacht. Die Güte der sehr verschiedenen Arten 
von Baumwolle hängt von der Länge, Feinheit, Farbe, Festigkeit und dem Glanz 
der Faser ab. In Bezug auf die Länge unterscheidet man Baumwolle von langen 
und kurzem Stapel. Die langstapligste und feinste Baumwolle ist die sogenannte 
Sea Island - Baumwolle, die in bester Qualität auf den zu dem Staat Georgia ge 
hörigen Inseln an der Ostküste der Vereinigten Staaten von Nordamerika 
gewonnen wird. Diese Faser wird 35—42 mm lang bei einer Dicke Vrs—Vir.o mm 
Die Baumwollproduktion der ganzen Welt ist seit Ende des vorigen Jahr 
hunderts enorm gewachsen. Der Weltverbrauch wurde im Jahre 1890 bereits 
auf 2800 Millionen Kilogramm geschätzt. Nordamerika, das wichtigste Land für 
Baumwollkultur, produzirte 1894/95 allein 9 900 000 Ballen im Gewicht von 
230 kg pro Ballen im Gesammtwerthe von 1244 Millionen Mark. Als wichtige 
Baumwollproduktionsländer folgen dann Britisch-Indien (mit Baumwolle von sehr 
kurzem Stapel) die asiatische Türkei, Egypten, Westindien, Japan, China, Russisch 
Centralasien u. s. w. 
Mit der Kultur der Baumwolle ist im Bismarck - Archipel zuerst von der 
Firma Forsayth begonnen worden. Dieselbe führte 1892 bereits ca. 55 000 Pfund 
Lintbaumwolle aus. Die Neu-Guinea-Compagnie hat 1889 in Konstantinhafen und 
seit 1891 in Herbertshöhe in Neu-Pommern die Baumwollkultur aufgenommen 
und ist das gewonnene Produkt von Anfang an wegen des unter dem günstigen 
Einfluss des feuchten Klimas erzeugten langen, seidigen und kräftigen Stapels an 
den Baumwollbörsen von Bremen und Liverpol ganz vorzüglich beurtheilt worden 
und hat Preise bis zu 110 Pfennige pro Pfund erzielt. 
Die Haupthalle 
stellt sich uns dar als eine Art Basilika, deren Wände nach Entwürfen 
des Malers Hcllgrewe in gobelinartiger Weise mit Landschaften aus den 
Kolonien von Herrn H. Schulze bemalt worden sind.
	        
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