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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

52 j ■ “ Spezial-Katalog der, Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
das Tragen der Schamschürzen und Sandalen, als eines Grootmannes unwürdig, dem 
Buschmanne und verfertigt sich — sofern es ihm seine Mittel nicht vom Händler zu 
kaufen gestatten — Hosen und Jacke aus selbst gegerbtem Antilopen- oder Ziegenleder, 
schustert sich seine eigenen Schuhe zurecht und dünkt sich nicht geringer als jeder 
Weisse, der ihm auf seiner Werft seinen Besuch abstattet. Die Frauen tragen im 
Allgemeinen Röcke aus Buntdruck und pflegen an Stelle eines Hutes den Kopf mit 
bunten Tüchern, die zu den besten Handels-Artikeln Gross-Namalandes gehören, 
kunstgerecht zu umwickeln. Die Hauptwaffe der Hottentotten ist zur Zeit unbestreit 
bar das Gewehr. Wir gehen hier nicht weiter auf ihre Gesetze, Regierungsform der 
Gemeinden, Häuptlingswürde, Missionswesen u. s. w. ein, sondern wollen nur 
noch kurz bemerken, dass ihre Einwanderung in grösserer Anzahl in diese Ge 
biete auch erst verhältnissmässig jungen Datums ist, als sie nämlich von den 
Weissen der Kapkolonie immer mehr nach Norden gedrängt wurden. Im Laufe 
dieses Jahrhunderts haben die von der Kultur mehr oder weniger beleckten ver 
schiedenen Stämme die Kapkolonie evakuirt und, mit den Ureinwohnern, den 
Bergdamara und Buschmännern kurzen Prozess machend, sie zur Leibeigenschaft 
herunterdrückend, sich an verschiedenen Wasserplätzen niedergelassen. Sie kamen 
bald in Berührung mit der nach Süden vorrückenden Banturasse, und Jonker 
Afrikaner, von dem Häuptling des rothen Volkes zur Hilfe gerufen, ge 
lang es, die Herero zu schlagen, worauf er sich in Windhoek niederliess. Aber 
zwischen den .kolonialen“ Hottentotten und den schon länger dort ansässigen, in 
der rothen Nation vereinigten Stämmen kam es bald zu Streitigkeiten, in denen 
die letzteren unterlagen, so dass schliesslich Jonker Afrikaner mit seinem Anhang 
das Feld behauptete. Er konnte sich aber gegen seine eigenen Stammesgenossen 
nur halten, indem er den einzelnen Häuptlingen die möglichste Freiheit liess, 
sich einander zu bekämpfen, wodurch schliesslich ihr Untergang herbeigeführl 
wurde. Denn als 1861 der gefürchtete Jan Jonker starb, waren ihre geknechteten 
Gegner, die Ovaherero, wieder soweit stark geworden, dass sie unter Katjamuaha, 
dem Vater des nachmaligen Häuptlings Maherero, die allgemeine nationale Er 
hebung wagen konnten. Die Hottentotten wurden vielfach besiegt, und erst im Sep 
tember 1870 kam ein Friede zu Stande. Im Jahre 1880. brach aber unerwartet eine 
neue furchtbare Katastrophe ein, mehrere Herero wurden in Namaland ermordet und 
Maherero liess an die sämmtlichenUnterherrseher den Befehl ergehen, in ganz Herero 
land mit Flinte und Lanze zu vertilgen, was Hottentottenblut in den Adern habe. 
Die Herero zerstörten Windhoek und schlugen die Hottentotten. Im Süden ver 
suchte nunmehr der Häuptling von Gibeon, Moses Witbooi, als Feldherr der 
ganzen hottentottischen Heerschaaren aufzutreten, wurde aber wieder 1881 mit 
1500 Hottentotten von 2500 Ovaherero geschlagen. Die Kapregierung machte 
1882 einen neuen Versuch, Frieden zu stiften, aber es kam nur ein Separatfriede 
zwischen den Ovaherero und Bastards von Rehoboth zu Stande, der bis heute 
gedauert hat. Jetzt tauchte nun als Führer unter den Hottentotten Hendrick 
Witbooi auf, ein hochbegabter Christ, von dem Missionar Olpp ausgebildet, der 
in mystisch-religiöser Betrachtung allmälig zu der Ueberzeugung gekommen war, 
er sei zum Messias seines Volkes ausersehen. Auf einem Zuge im Jahre 1885 
wurde er aber gründlich geschlagen und kehrte nach dem Gansberg zurück, wo 
sich allerlei Hottentottengesindel zusammengefunden hatte, welches vom Vieh 
diebstahl lebte. Im Jahre 1886 wieder aufs Haupt geschlagen, wurde er, nachdem 
er mit anderen Hottentottenhäuptlingen sich auf Tod und Leben bekämpft hatte, 
gezwungen, Gibeon aufzugeben und führte seit der Zeit ein Räuberleben, indem 
er nacheinander auch die in der Nähe vorhandenen Hottentottenstämme aufrieb. 
Im Jahre 1889 wandte er sich nach Süden, besiegte die Veldschoendragers, brach 
aber dann nach Norden wieder auf, verbrannte im Herbst 1890 Otyimbingue und griff 
im Januar 1891 die Herero nördlich von Windhoek an. Mit der Befestigung der 
deutschen Macht in Südwestafrika, welche er übrigens niemals anerkannt hatte, 
wurde mit der Zeit seine Stellung unhaltbar. Nach langen Kämpfen musste er sich 
im Jahre 1894, in der Naukluft mit seinen Anhängern (die nach dem weissen Tuch 
um den Hut „Witkam“ genannt wurden) von der Schutztruppe arg bedrängt, ergeben 
und wurde dann in Gibeon angesiedelt. Seit der Zeit hat er zu dem Deutschen 
gehalten, ja sogar einen .heiligen“ Vertrag mit Major Leutwein geschlossen, den 
Deutschen im Falle eines Krieges mit seinem Anhang Heeresfolge zu leisten.
	        
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