Path:

Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Gruppe XXIII. Kolonial-Ausstellung 
51 
Die Ausstellung von Südwestafrika beherbergt mehrere Ein 
geborene und zwar drei Ho ttentotten, eine heidnische Hererofrau 
und einen Bastard, welche in ihren primitiven Hütten leben. 
Die Hottentotten. 
Die Hütten der Hottentotten sind aus Matten angefertigt und 
von den Holländern Pontocks genannt worden. Die bienenkorbartige 
Hütte besteht aus einem Fachwerk aus Aesten, über welchem sorgfältig ge 
flochtene Binsenmatten und Thierhäute ausgebreitet sind. Der Haupteingang 
ist der Richtung des vorherrschenden Windes entsprechend angebracht, 
während ein zweiter, welcher der Durchlüftung dient und zeitweilig offen 
steht, auf der anderen Seite angebracht ist. Nahezu in der Mitte des mit 
Blut und Ochsenmist überstrichenen Fussbodens ist eine Vertiefung, der 
Feuerherd, angebracht und längs der einen 
Wand ein auf Pfählen ruhendes Gestell zur 
Bergung der Felle und der Nahrungsmittel 
vor den allezeit hungrigen Hunden. Das 
Wagenbett, die „Kaddel“, welche der Hotten 
totte und auch der Bastard benutzt und in 
einer Ecke steht, ist ein rechteckiger, quer 
und längs mit Ochsenriemen straff über 
spannter Holzrahmen, der auf vier etwas 
über dem Boden erhöhten Pflöcken liegt. 
In einer solchen Hütte wohnt die ganze 
Familie, nämlich die Eltern, die unver- 
heiratheten Kinder, die Gäste und oft sogar 
noch die Dienerschaft. Das Familienober 
haupt bezieht den erwähnten Schrägen, die 
Uebrigen gruppiren sich, soweit Platz ist, 
um das die ganze Nacht durch fort 
glimmende Feuer. Der eigenthiimliche 
Hausrath ist bescheiden und durch die 
Einfuhr europäischer Güter immer mehr 
verdrängt und ersetzt worden. Bei einem 
ausgesprochenen Hirten- und Jägervolke, 
welches ein nomadisirendes Dasein führt, 
kommen die feineren Künste eben selten 
zum Durchbruche. Die Leute beschäftigen 
sich mit der Herstellung von Felldecken 
(Kaross) und Fellschuhen, die sie aus 
selbstgegerbtem Leder hersteilen. Die Soh 
len sind meist aus Giraffen- und Ochsen 
leder, das Obertheil aus dem Leder der 
Kudu-Antilope, nach Art unserer einfachsten Laschenschnürschuhe, konstruirt. 
Die Hottentotten, welche sich selbst Khoi-Khoin nennen, bewohnen den süd 
lichen Theil des Gebietes, das Gross-Namaland; diese gelben hässlichen Völker 
stämme, welche ethnologisch noch nicht genau bestimmt sind, sind jedenfalls 
mit den Buschmännern verwandt, aber geistig viel mehr entwickelt als diese und 
haben eine eigene Sprache mit Schnalzlauten. Geiz und Habsucht sind dem 
Hottentotten fremd; aber er ist treulos, wankelmüthig, aufgeblasen, ein grosser 
Liebhaber des Branntweins, welcher hier geradezu verheerend wirkt. Der Hotten 
totte erkennt rückhaltlos an, dass ihn der Branntwein moralisch und ökonomisch 
ruinirt hat, aber kann von dem Gift nicht lassen. Heute überlässt der Hottentotte
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.