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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

46 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Die Wakonde. 
Die Wakonde bewohnen das hinter Lindi und Mikindani befindliche Plateau, 
welches von Osten gegen Westen ganz gleichmässig ansteigt und dann aus einer 
Höhe von 2B70 Fuss steil in das Rovuma-Thal abfällt. Sein ganzer Umfang 
beträgt etwa 8400 qkm. Dieses ganze Gebiet ist mit einem niedrigen, dicht 
verschlungenen Buschgestrüpp bewachsen, welches das Reisen ausserordentlich 
erschwert. Aber dieser Buschwald ist nach den Berichten aller Reisenden 
ausserordentlich reich an Kautschuk und Gummi vorzüglichster Qualität. Das 
Wakonde - Plateau liefert ungefähr 2000 Frasilah (1 Frasilah = 34 Pfund) Roh 
gummi im Jahre, bei 5000 Frasilah Ausfuhr aus Deutsch-Ostafrika. Das Wakonde- 
Plateau ist seiner Bodenbeschaffenheit nach durchaus nicht unfruchtbar, leidet 
im Allgemeinen aber an Trockenheit. Die eigentlichen Wakonde bewohnen den 
Süd- und Ostrand des Plateaus. Sie stehen den südlichen Suaheli-Stämmen 
nahe und sind allmälig auf das Plateau durch die kriegerischen umwohnenden 
Völkerstämme zurückgedrängt worden. Sie sind in hohem Maasse unkriegerisch 
und ihren Feinden gegenüber immer auf die Flucht bedacht, wozu ihnen ihr 
Gestrüppland trefflich zu statten kommt. Sie sind ein unschöner Menschen 
schlag. Ihre Sprache ähnelt sehr den Kisuaheli; aber ihre Gebräuche unter 
scheiden sich in manchen Punkten stark von denen der umwohnenden Stämme. 
Stirbt ein Wakonde, so wird seine Hülle verbrannt, die Asche sorgfältig gesammelt, 
weit fortgetragen und begraben. Sie glauben nach Livingstone an ein höheres 
Wesen. Merkwürdig ist auch, dass eine Tätowirung bei ihnen (nach Living 
stone) viel Aehnlichkeit mit den Zeichnungen der alten Egypter hat —- Wellen 
linien, wie die Alten sie machten, um Wasser anzudeuten, Bäume und im 
Viereck angelegte Gärten scheinen in alten Zeiten die Anwohner des Rovuma 
bezeichnet zu haben; der Sohn erhält die Tätowirung von seinem Vater, und 
auf solche Weise ist sie überliefert worden, obgleich ihre Bedeutung jetzt ver 
gessen scheint. 
Vor der Araber-Tembe neben der Barasa steht noch eine sehr inter 
essante Eisen-Schmelzhütte der Wapare mit sämmtlichem Zubehör. 
Die Araber-Tembe. 
Die arabische, festungsartig aus Lehmziegeln hergestellte Tembe hat 
im Grossen und Ganzen den Grundriss des arabischen Hauses, ist immer den 
besonderen Verhältnissen im Innern angepasst und solider als die Temben 
der Eingeborenen gebaut. Auf der grossen mit Matten und Teppichen 
belegten Barasa spielt sich des Tags über das geschäftliche und gesell 
schaftliche Leben der Bewohner der Tembe ab. Hier werden Besuche 
empfangen, werden Geschäfte abgeschlossen, die Waaren in Empfang ge 
nommen oder ausgeliefert, die Karawanen expedirt und wird möglichst viel 
geklatscht, denn der ostafrikanische Araber ist bei seiner geringen Bildung dazu 
sehr geneigt, trotz seiner äusserlichen Würde. Auf der linken kleinen 
Barasa liegt Grenadillholz (Anthyllis cretica), noch von dem weissen Splint 
umgeben, aufgestapelt, welches dem Ebenholz ähnlich aber rothbraun ist 
und für Drechslerarbeiten bei uns sehr geschätzt wird. Diese schattige Barasa, 
auf welcher auch eine Kitanda steht (das wenig luxuriöse, mit den gewöhnlichen 
Ideen über orientalische Ueppigkeit schwer zu vereinbarende Sitz- und Schlaf- 
Möbel), ist in der That der angenehmste Aufenthalt in einer Tembe, zumal bei 
einem Tropenklima, denn da drinnen ist es weniger wohnlich. Durch die 
vergitterten Fenster, durch welche allein Licht hereinströmt, sehen wir in 
das Waarenhaus des Besitzers der Tembe, die genau nach dem Muster der 
Araber-Temben in Tabora aufgebaut ist. Die Thür, welche in das Entree 
führt und des Nachts verschlossen wird, giebt einen guten Begriff von der 
kunstvollen Schnitzarbeit an arabischen Thtiren. Die künstlerische Phantasie
	        
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