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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

40 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
sauber abgeputzten Aussenwänden der Ternbe grosse rohe Zeichnungen von 
thierischen (Eidechsen, Rinder, Giraffen etc.) oder menschlichen Figuren, die mit 
der Kohle des Mkmu- Baumes hergestellt sind. Sie scheinen nur zum Schmuck 
zu dienen, und weiter keine symbolische Bedeutung zu haben. 
Der Weg führt uns rechts herum und dann an die Westseite von 
Tembe II, in der mehrere Räume zu besichtigen sind, welche mit afrika 
nischem Hausgeräth, Lagerstätten, Töpfen, Mörsern, Hacken, Matten etc. 
ausgestattet sind. In diesen Temben sind die Eingeborenen des Nachts unter 
gebracht worden, in Räumlichkeiten, welche besonders für sie eingerichtet 
worden sind (der Boden ist gedielt und die Räume können geheizt werden) 
und die dem Publikum nicht offen stehen. In Tembe II sind die Kameruner 
und die Papua, in Tembe III die Togoleute untergebracht. 
Haben wir im Vorbeigehen in die Räume einen Blick geworfen, so ge 
langen wir auf einen von den Temben umgebenen Platz, auf dem sich ein 
guter Theil des afrikanischen Lebens abspielen wird. Vor uns sehen wir 
die grosse Arabertembe, welche nach dem Muster einer Tembe in Tabora 
erbaut ist und eine andere Gattung charakterisirt. (Illustration auf S, 45) 
Eingeborene aus Ostafrika. 
Der freie Platz ist der Aufenthaltsort der Ostafrikaner, von denen 
drei Stämme vertreten sind: die Suaheli, Massai und Wakonde. 
Wir bemerken dabei, dass die Suaheli aus Lindi, die Wakonde aus 
dem Hinterland herstammen und die Massai bei der Station Moschi am 
Kilimandscharo angesiedelt waren. Wenngleich Letztere auch etwas civilisirt 
sind und deshalb auch die Frauen ihren Hals-Eisenschmuck abgelegt haben, 
so sind sie doch gute Repräsentanten einer stolzen Völkerrasse, welche in 
Europa noch niemals zur Ausstellung gebracht worden ist. 
Die Suaheli. 
Die Suaheli sind eine Mischrasse Ostafrikas, welche infolge der jahrhunderte 
langen Vermischung zwischen Arabern und Eingeborenen entstanden ist. Unter 
den Suaheli findet man demgemäss alle Schattirungen der Hautfarbe und alle 
Zwischenstufen der Körperbeschaffenheit. Aber nicht nur in der Körperbeschaffen- 
heit, auch in der Sprache, in dem gesammten Wesen und Sein des Einzelnen 
wie des ganzen Volkes sind die Spuren dieser Mischung deutlich zu bemerken. 
Der Einfluss der höheren Rasse auf die niedriger stehende ist indessen, wie man 
auch anderorts bemerkt hat, nicht in jeder Beziehung ein günstiger gewesen: 
Das Suahelivolk ist noch nicht gleichartig genug, um schon die guten Eigen 
schaften eines echten Mischvolkes zeigen zu können, welches durch jahrhunderte 
langes Bestehen ohne weiteren Zufluss von fremdem Blute völlig verschmolzen ist. 
Wenn man vom eigentlichen Suaheli reden darf, so umfasst man damit im All 
gemeinen die Bewohner von Mombas, Lamu und Sansibar, welche jedenfalls 
die gebildetsten Suaheli sind. Die Suaheli haben im Allgemeinen einen kräftig 
und schön gebauten, mehr beleibten als mageren Körper, mit guter Brust und 
nicht hässlichen Gesichtszügen, wenn man von dem Negertypus absieht. Ihre 
Haltung ist im Allgemeinen salopp, sehr im Gegensatz zu den Somali und 
Massai, der Gang ist stets etwas schwankend und schleppend. Dies tritt be 
sonders bei dem weiblichen Theile hervor, ein vollständig geputztes Suaheli 
mädchen wackelnd und sich drehend langsam dahingehen zu sehen, die Beine 
dicht neben einander setzend, ist ein amüsantes Schauspiel. Dieses Vorwärts 
schieben des Körpers ist besonders charakteristisch, wenn die N go rna, die Trommel, 
(von der eine ganze Anzahl auf der Ausstellung vorhanden sind), zum Tanze 
ruft. In einen grösseren oder kleineren Kreis zusammengedrängt, schiebt sich 
Alles unter den monotonen Paukenschlägen der Ngöma und den durch-
	        
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