Path:

Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

38 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
ein Geschütz befand. Die Pallisaden sind bis zu einer Höhe von etwa 2,50 m 
verflochten und zu beiden Seiten ganz mit Lehm und Steinen in einer Dicke 
von 50—60 cm überschmiert, so dass Kaliber 8 mm nicht durchschlagen kann. 
Die Schiessscharten sind zahlreich angebracht und laufen in verschiedenen 
Richtungen. Etwa ein Meter über dem lehmbeschmierten Theil sind noch die 
Pfahle durch Korbgeflecht stark Verbunden. Die Bastion, welche unter Zuhilfe 
nahme der Araber erbaut worden ist, enthält Geschützscharten und Schi esslöcher 
und ist durch ein Klappthor zugänglich. Von der Bastion aus führt ein 
anderes Thor in das Quikuru. Aber auch dann waren für den Angreifer 
noch nicht alle Hindernisse überwunden, er befand sich einer Pfahl reihe 
gegenüber, welche sich zu einem Eingang verengte, der wieder durch ein 
Thor verschlossen ist. Hinter dieser Pfahlreihe ist ein Aufwurf und ein 
Graben. Dann kamen, wie auf dem Bilde zu sehen, mehrere Temben- 
ringe, die aus Teakholz und Lehmbauten hergestellt waren, während in 
der Mitte sich das aus Ziegelbauten in arabischer Bauweise aufgeführte Haus 
des Sultans Sike befand. Man wird bei Betrachtung dieser bedeutenden 
Bauten, welche von Sike ahmälig aufgeführt wurden, begreifen, dass diese 
Festung nicht allein für Eingeborene unangreifbar war, sondern dass ihre 
Eroberung auch einer europäischen Truppe ganz ausserordentliche Schwierig 
keiten machen musste. 
Die Temben. 
Betreten wir nun durch die Bastion die Pallisaden (rechts und links 
sind die Hochstände wohl zu beachten), so gelangen wir in einen engen 
Gang, der durch eine Thür geschlossen ist (Tembenringl). Diese Thür 
ist etwas unbequem, hat aber den Vorzug der Solidität. Eine Reihe dicker 
Baumstämme hängt nebeneinander an einem Scharnier, so dass einzelne 
von ihnen, eventuell alle, gehoben werden können. Durch einen etwa in 
mittlerer Höhe angebrachten Querbalken wird dieses Thor sehr solide ab 
geschlossen. Aus dieser Tembe heraustretend, stehen wir vor einem zweiten 
Tembenring (Tembe II). Zur Linken stehen Häuser der Eingeborenen. 
Diese Temben, welche das Quikuru anfüllen, sind Bauten, welche sowohl 
von den Eingeborenen wie von Arabern beliebt werden. Sie wechseln in ihrer 
Ausführung sehr ab, sowohl was die Anordnung wie die Ausführung 
anbetrifft, doch lässt sich als das Charakteristische das Quadrat des Grund 
risses und das flache Dach leicht erkennen. 
Stuhlmann beschreibt die Tembe von Unjamwesi folgendermassen: „Die 
Dörfer, fast stets Temben von oft komplizirter Bauart, werden mit Vorliebe in 
der Nähe des Waldes und an wasserreichen Plätzen angelegt. Ein solches Dorf 
wird zumeist von einem Häuptling mit seinen Angehörigen, Sklaven und Unter- 
thanen, darunter auch bisweilen einige Fremde, bewohnt. Bei der ersten Anlage 
wird ein passender, etwas erhöhter, rechteckiger Platz mit einem Strick abge 
messen und auf - diesem die Tembe aufgebaut, die man aber in Unjamwesi 
sauberer und grösser als in Ugogo hergestellt. Das lehmgestampfte Dach hat 
stets den Falz nach aussen. Als Thören für die einzelnen Innengemäcber dienen 
mit Kuhmist gedichtete Rohrgeflechte, die durch einen Holzriegel festgehalten 
werden, bisweilen aber auch Holzthüren nach Sansibar-Art mit oft phantastischem 
Schnitzwerke. Der ganze Innenraum ist durch Scheidewände in verschiedene 
grosse Kammern getheilt, von denen einige sich durch die in der Nähe der Thür 
befindliche Feuerstelle (drei Lehmklumpen zum Aufsetzen der Töpfe) und durch 
primitive Bettgestelle ais Wohn- und Schlafräume kenntlich machen, während 
andere zur Aufbewahrung von Kornvorräthen dienen. Die letzteren bringt man 
in grossen Deckelschachteln (Lindo) oder lehmgedichteten Körben unter, die auf 
niederen Holzgerüsten ruhen. Während der trockenen Zeit werden alle Vor-
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.