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Gruppe XXIII der Berliner Gewerbe-Ausstellung Der ethnologische Theil 3. Kaiser Wilhelmsland und der Bismarck-Archipel

Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Gruppe XXIII. Kolonial-Ausstellung 
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gegründet, welche hier für ihren Elfenbein- und Skavenhandel einen Mittelpunkt 
hatten. Die guten Geschäfte in Tabora veranlassten immer mehr Araber, dorthin 
zu ziehen, so dass Elfenbein- und Sklavenhandel den Eingeborenen ganz entrissen 
wurde, und diese nur noch als Träger zur Küste kamen. In den sechziger und An 
fang der siebziger Jahre war die Glanzzeit Taboras, später, als die Araber weiter 
nach Osten zogen, behielt es aber noch seine Bedeutung als Stapelplatz und war als 
Basis für sämmtliche Unternehmungen im Innern von ganz unberechenbarer Be 
deutung. Der Häuptling Sike war den Arabern verpflichtet, weil sie seinem 
Adoptivvater die Herrschaft gegeben und sie ihm selbst erhalten hatten, und so 
machte er mit ihnen, welphe eine ganz kluge Politik verfolgten, gemeinsame Sache. 
Dabei kamen natürlich die Kara 
wanen, von denen er Wegezoll 
(Hongo) erhob, recht schlecht weg. 
Er residirte etwa Stunden süd 
östlich von Tabora inmitten einer 
schönen und fruchtbaren, von 
sanften Hügelreihen eingesäumten, 
weiten Ebene, und da er sämmt- 
iiche Routen beherrschte und über 
mehrere befestigte Plätze gebot, 
war seine Macht nicht zu verachten, 
obwohl er persönlich ein aufge 
blasener, feiger und dem Trünke 
ergebener Neger von geringer In 
telligenz gewesen sein soll. Im Jahre 
1891 war Emin Pascha auf 
seinem Zuge in das Innere, bei 
dem er das Leben verlieren sollte, 
sehr gegen den Wunsch des da 
maligen Reichskommissars v. Wiss- 
mann, nach Tabora gegangen, hatte 
•dort mit den Arabern Freundschaft 
geschlossen und selbst Sike veran 
lasst, sich freundlich zu ihm zu 
stellen. Aber als Lieutenant Sigl 
in Tabora eine Station erbaut hatte, 
wollte Sike, welcher kurz vorher 
noch die katholischen Missionen 
aus dem dicht dabei gelegenen 
Kipalapala vertrieben hatte, durch 
aus nichts mehr mit den Europäern 
zu thun haben und liess den Stationsvorsteher, der diplomatische Verbindungen 
mit ihm anknüpfen wollte, trotz zweimaliger Anfrage in der Vorhalle seiner 
Wohnung vergeblich antichambriren. Sigl war mit seiner geringen Macht nicht 
in der Lage, eine Aenderung herbeizuführen. Die Araber in Tabora spielten 
während dieser Zeit eine durchaus zweideutige Rolle; die in Kwihara, einer 
Vorstadt von Tabora, wohnenden schlugen sich offen auf Seiten Sike’s, während 
die in Tabora sich mehr abwartend verhielten, in der sicheren Erwartung, dass 
nach irgend einer Richtung hin die Entscheidung einmal fallen müsste. Nach 
der Ablösung des Lieutenants Sigl durch Dr. Sehwesinger wurde die Lage für die 
Station kritischer. Dr. Sehwesinger erhielt Anfang Mai 1892 die Mittheilung, 
dass Sike sämmtliche Häuptlinge auffordere, mit ihm gemeinsame Sache gegen 
die Station zu machen, und ersuchte daher die gerade in Tabora befindliche, auf dem 
Marsche nach dem Victoria-See befindliche Expedition des Antisklaverei- 
Comites, welche vom Grafen v. Schweinitz geführt wurde, ihm bei der Er 
stürmung der Festung Sike’s behilflich zu sein. 
Der erste Angriff auf das Quikuru fand früh am 6. Juni 1892 statt; an dem 
selben nahmen fünf Europäer, 74 Sudanesen und eine Anzahl Irreguläre theil. 
Zur Verwendung kamen ein 4,7 cm-Geschütz und eine 3,7 cm-Schnellladekanone. 
Es gelang, in die Pallisaden einzudringen, die drei Tembenringe zu nehmen, 
Erklärungen.. 
b Bomaffurtr! 
C Wohnung SOws ständiger Askaris Ivordem JJtriege mit 
Station /*ö dann bis ZOO erhöht > 
d Wohnung der Bevölkerung vordem 3Mriegt 
C Wohnung der Suhansfamdie und der Großen 
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des Quikuru mahnenden Bevölkerung in der Sähe Taboras-, 
über 100 Butten 
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'-fyt Teil des Quikuru. melehrr auf der KolontalJtussteHung auf. 
gebaut ist ■
	        
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