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Gruppe XXIII der Berliner Gewerbe-Ausstellung Der ethnologische Theil 3. Kaiser Wilhelmsland und der Bismarck-Archipel

Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

30 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Eisenoxydthon bestrichen. Steuerruder giebt es nicht. Ein hinten im Boot 
sitzender Mann steuert mit einem einfachen Paddelruder, das gleich allen anderen 
aus einem etwa 1 m langen Holztheil mit einer länglich-herzförmigen, flachen, 
etwa 30 cm langen und 15 cm breiten Verbreiterung besteht. Die Anwendung 
von Rudern mit Hebelwirkung ist unbekannt, ebenso die von Segeln. Vier bis 
vierzig Mann bewegen ein solches Boot vorwärts, oft mit grosser Geschwindig 
keit. Sie spornen sich stets durch Gesänge („Heia — heia — heia“) an und 
können bisweilen 10—12 Stunden ohne Unterbrechung ihre Arbeit verrichten. 
Eine Flotte von 50—100 solcher Kanus, die um die Wette fahren, bietet einen 
prächtigen Anblick. Die meisten Boote findet man auf dem Ssesse-Archipel. 
Sie werden vielfach von dem König zu grossen Fahrten nach dem Süden des 
Sees herangezogen, für die sie keinerlei Bezahlung erhalten. (Stuhlmann). 
Die Kanus der Eingeborenen von Neu-Pommern gehören mit zum 
Reichthum, namentlich der Häuptlinge. Sie bestehen aus einem aus 
gehöhlten Baumstamm und erhalten durch den hohen, schnabelförmigen 
Aufsatz an beiden Enden eine für die Blanche-Bai eigenthümlicbe Form. 
Das Kanu selbst wird weiss, zuweilen mit etwas bunter Verzierung bemalt. 
Die Dimensionen eines sehr grossen-, von Finsch gemessenen Kanus waren 
folgende: Länge 10 1 / 2 m, Breite in der Mitte 54 cm, Tiefe 67 cm. Der 
Auslegerbalken, welcher übrigens das Umschlagen keineswegs verhindert, 
wird von einer Anzahl Querstangen gehalten. Nach dem Gebrauch werden 
die Kanus an Land gehalten und sorgfältig mit Matten bedeckt, weil das 
leichte Holz in der Sonnengluth platzen könnte. Wenn diese Kanus keine 
Segel haben, so werden sie mit Rudern (Paddeln) fortbewegt. 
Die Ausleger-Kanus mit Segeln sind von der ostafrikanischen 
Küste und in ihrer Art ausgezeichnete Fahrzeuge, wenn sie auch einfach 
aussehen. Der Suaheli-Neger wagt sich auf diesen schwachen Fahrzeugen 
zum Fischfang Meilen weit aufs Meer hinaus. Der primitive Fischerkahn 
(mtumbi) wird jetzt noch oft genug benutzt, um Sklaven vom Festlande 
nach Sansibar und Pemba hinüberzuschmuggeln.
	        
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