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Gruppe XXIII der Berliner Gewerbe-Ausstellung Der ethnologische Theil 3. Kaiser Wilhelmsland und der Bismarck-Archipel

Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
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Baumhaus. 
Solche Baumhäuser gehören zu den kunstvollsten Bauwerken der Stein 
zeit, denn es ist nicht so leicht, in den Aesten und im Wipfel eines Baumes, 
oft in einer Höhe von 50 bis 60 Fuss, ein Haus zu bauen, das den Winden 
widersteht. Diese Häuser dienen als Festen und Warten, in welche sich 
die Dorfbewohner bei einem feindlichen Ueberfall zurückziehen. Die primitive 
Leiter aus Lianen, welche zu dem luftigen Bau führt, wird hinaufgezogen, 
und die Festung ist zur Vertheidigung fertig. Sie enthält ausser Wasser- 
voriäthen Unmassen von Wurfgeschossen in Gestalt von Speeren und 
Steinen, womit gar mancher Sturm abgeschlagen werden kann, wenn auch 
das Dorf in Flammen aufgehen sollte. 
Das Dorf wird ton acht Papua aus Neu-Pommern bewohnt, welche 
durch Vermittelung des Herrn Parkinson von der Ralum-Plantage auf der 
Gazelle-Halbinsel angeworben worden sind. Es sind Dorfälteste und Leute 
von Einfluss, welche durch ihre physische Entwickelung und durch ihr Auf 
treten als gute Typen dieser Rasse angesehen werden können. 
Die Papua. 
Die Bewohner von Kaiser Wilhelmsland und dem Bismarck-Archipel gehören, 
wie schon bemerkt, zur Rasse der Papua oder Melanesier, gut entwickelte, nicht 
allzu kräftige Menschen von Mittelgrösse. . Jm Allgemeinen ist die Farbe der Haut 
dunkelbraun. Das Haar ist kräuslich, wird aber schon von frühester Jugend 
an in der verschiedensten Weise künstlich behandelt, dass man von natürlichem, 
durch die Kunst unberührtem Haare kaum sprechen kann. — Die Färbung 
des Haares ist meist dunkel bis fast schwarz, wird aber durch Behandlung 
mit Kalk und Asche häutig bedeutend heller, bis löwengelb. Augenbrauen 
und Bartwuchs sind voll und reichlich entwickelt, werden aber durch Kunst 
sehr beeinflusst. — Ihre Kleidung ist, wir haben hier besonders die Be 
völkerung von Neu-Pommern im Auge, sehr dürftig, dagegen ist ihr Schmuck 
um so reicher und mannigfaltiger. Die Elemente der Tracht sind beim mela- 
nesisehen Manne ein geflochtener oder aus Rinde hergestellter Gürtel, der von 
den Hüften zwischen den Beinen durchführt, und beim Weibe eine oder zwei 
Faserschürzen aus Gras, Palmen- oder Pandanus-Blättern. Diese Elemente, die 
überall wiederkehren, werden mit skrupulöser Sorgfalt festgehalten und der Begriff 
des Schicklichen, des Anständigen in der Kleidung konzentrirt sich wesentlich 
auf sie. Beide Geschlechter tätowiren sich wenig, dagegen scheint die Be 
malung ein Privilegium der Männer zu sein, und zwar wird mit rothem Thone 
das ganze oder halbe Gesicht und die Brust in oft ganz wirksamen Linien 
bemalt. Auch sonst werden allgemein Gesicht und Körper, besonders bei 
kriegerischen Unternehmungen, mit weissen, rothen und schwarzen Streifen 
bemalt. Der Schmuck setzt sich aus den verschiedensten Theilen, und 
zwar aus Zähnen, Muscheln, Federn, Geflecht, Schildpatt, Perlmutter etc. 
zusammen. Am originellsten ist der Halskragen. Er besteht in einem teller 
artigen oblongen Geflecht aus gespaltenem Rottan, mit einer Oeffnung, so gross, 
um den Kopf durchzuzwängen, das oben mit Glasperlen besetzt, unterseits mit 
Kalk geweiss' st und nur von Männern verfertigt und getragen wird. Aus 
Muscheln angefertigte Armringe sind sehr werthvoli. Im Uebrigen werden viele 
der mühsamen Arbeiten nicht mehr angefertigt, da die Papua sich schon mit 
Imitation begnügten. So hat man z. B. die aus Emailleglas angefertigten Imitationen 
der kostbaren aus der Tridacna-Muschel geschliffenen Armringe auf den Markt 
gebracht, und diese haben sich Eingang verschafft. Mit dem Untergange der Steinzeit 
verschwinden auch die steinernen IVerkzeuge, Aexte aus geschliffenen Muscheln, 
mit deren Hilfe die Schnitzereien gemacht werden, immer mehr. Die landes 
üblichen Waffen: Wurfspeer, Schleuder und Keulen sind an der Blanche-Bai 
schon vielfach durch Feuergewehre verdrängt worden, doch ist dem Import schon
	        
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