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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

14 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
dem Götterberg. Er verdankt vulkanischen Kräften seine Entstehung, aber ist 
jezt erloschen, nur die auf der Oberfläche verwitterten Lavaströme und einige 
Solfataren erinnern noch an seine einstige Thätigkeit. Das Plateauland (700 bis 
800 m) steigt im Norden zu dem 1800—3000 m hohen Gebirge von Adamaua an. 
Flüsse: Der grösste in die Biafra-Bai mündende Fluss Kameruns ist der Lom 
(Sannaga mit dem Mbam), zum Theil schiffbar. Da das innerafrikanische Hoch 
plateau oft bis dicht an die Küste herantiitt, so entstehen im Unterlauf dieses wie der 
anderen Flüsse Schnellen und Wasserfälle, welche die Schifffahrt erschweren oder 
unmöglich machen. 
Auch der südlich 
vom Lom fliessende 
Nyong ist nicht 
auf weitere Entf'er» 
nungen schiffbar, 
übrigens noch we 
nig erforscht. Der 
K amerunfluss, 
welcher sich in sei 
nem Laufe aus 
mehreren Flüssen 
bildet, gestattet in 
seinem seeartig er 
weiterten Mün 
dungsgebiet grossen 
Seeschiffen einen 
sicheren Zugang 
zum Gentralsitz des 
Handels und der 
Regierung. Der das 
Hinterland durch- 
fliessende Benue, 
ein Nebenfluss des 
Niger, ist noch 
schiffbar. — Klima 
und Vegetation: 
Kamerun ist eine 
echteTrop enkolonie 
mit an der Küste 
ziemlich gleich blei 
bender, hoherTem- 
peratur (Mitteltem- 
peratur 26,6° G.) 
und dementspre 
chend für Europäer 
unter Umständen 
gefährlich, das Hochplateau ist wesentlich gesünder. Die hohe Luftfeuchtigkeit 
an der Küste hat eine sehr üppige Vegetation erstehen lassen und ist auch dem 
Wachsthum von Plantagenprodukten, wie Kakao, förderlich. 
Eine Fahrt auf dem Kamerunfluss gehört wohl zu dem Besten, was an 
tropischer Waldesschönbeit unsere Erde zu bieten vermag. Man denke sich einen 
Fluss, 180 Meter breit, in stetiger, ziemlich rascher Bewegung herunter stürzend, 
links und rechts ein geschlossen von steilen Hügeln, die über und über mit Baum 
kronen bis zu fünfzig und mehr Meter hoch bedeckt sind. Unten tauchen die 
Spitzen ihrer Zweige ins Wasser, ein dichtes Gewirr von Schlingpflanzen, wie 
eine endlose Draperie, kettet die vordersten Bäume an einander. Hier und dort 
streckt einer seine Aeste kahl in die Luft. Seine alten Blätter hat er abgestreift, 
seine neuen noch nicht getrieben, dafür aber schmücken ihn jetzt unzählige, 
faustgrosse, scharlachrothe Schmetterlingsblüthen, und über dem Ganzen fliegen 
Hunderte kreischender Papageien hin und her, aus einem der dunklen Laubgewölbe 
hervorbrechend, um alsbald in einem anderen wieder zu verschwinden. (Büchner.)
	        
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