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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Der ethnologische Theil. 
D 
1. Kamerun. 
Kurze Beschreibung der Kolonie.*) 
iIE westafrikanische Kolonie Kamerun, deren Erwerbungsgeschichte wir 
schon kurz mitgetheilt haben, liegt etwa zwischen dem 13° n. Br. und 
dem 2 0 n. Br. und zwischen dem 9 0 bis 15 0 ö. L. Gr. Sie ist durch 
Verträge mit England und Frankreich vollkommen abgegrenzt und hat 
eine Grösse von etwa 495000 Okm. Die Bevölkerung wird auf etwa vier 
Millionen Einwohner zu schätzen sein und zerfällt in eine Anzahl verschiedener 
Stämme, deren Sprache und Abstammung erst zum Theil erforscht sind. Am 
Kamerunbecken wohnen die Dualla, welche den Typus des westafrikanischen 
Küstennegers repräsentiren, gut gebaute und gut genährte Gestalten, welche eine 
gewisse Civilisation erreicht haben, vom Zwischenhandel leben und nicht leicht 
zu behandeln sind. Im Grossen und Ganzen sind sie infolge des mehrhundert 
jährigen Handels mit Europäern übermüthig und wohlhabend geworden. Nur ein 
Theil von ihnen bekennt sich zum Christenthum. 
Nördlich von ihnen, an den Abhängen des Kamerunberges, wohnen die 
Bakwiri und Bamboko, südlich von ihnen die Batangaleute an der Küste 
und die Bakoko und Fan. In dem Hinterland der Kolonie, welches durch einen 
breiten Urwaldgürtel von der Küste getrennt ist, wohnen in den sogenannten hoch 
gelegenen Grasländereien die kriegerischen Bali, Bandeng, Wüte und Yaünde, 
um nur die wichtigsten Stämme zu nennen. Gehen wir noch weiter in das 
Innere nach Adamaua, so stossen wir auf das Völkergemisch des Sudan, die 
viehzüchtenden und herrschenden mohamedanischen Fulbe und handeltreibenden 
Haussa und eine Anzahl von mehr oder weniger bekannten Sudanstämmen, 
bis am Tschadsee das Reich Bornu beginnt. — Bodengestalt: Das höchste 
Gebirge dicht am Atlantischen Ozean, nördlich von dem Mündungsgebiet des sogen. 
Kamerunflusses, ist das Kamerungebirge mit dem Mongo ma Loba (4000 m), 
*) Wir bemerken, dass ein grosser Theil der werthvollen, für die Ausstellung 
herübergebrachten ethnologischen Gegenstände, welche nicht zum täglichen Gebrauch 
der Eingeborenen dienen, in der Kolonialhalle, im wissenschaftlichen Theil der 
Ausstellung, und die Produkte ebenfalls dort in dem Tropenhause untergebracht sind.
	        
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