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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

103 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
gelangt sind in neuerer Zeit die aus einer Mischung von Weissen und Hotten 
totten hervorgegangenen Bastards, deren energischer Widerstand gegen die deutsche 
Oberherrschaft wohl noch in frischer Erinnerung lebt. 
Schrank 20: Sammlungen von Dr. Gürich (Breslau). 
B. Südsee. 
5. Neu-Guinea und der Bismarek-Archipel. 
Die Eingeborenen von Kaiser Wilhelms-Land, wie der zu Deutschland gehörige 
Theil von Neu-Guinea genannt wird, dem Bismarck-Archipel und den Salomonen 
sind bis auf die von polynesischen Einwanderern abstammende Bevölkerung 
einiger weniger kleiner Inseln und mehrerer über das ganze Gebiet zerstreuter 
Dörfer Melanesier und gehören zu der Papua genannten Völkerfamilie. Es sind 
mittelgrosse, gutgebaute Leute von dunkelbrauner Hautfarbe, starkem, krausem, 
zu Büscheln vereinigtem Haupthaar und kräftigem Bartwuchs. Andere Merkmale 
sind: eine schmale Stirn, breite Backenknochen, breite Nase, dicke Lippen und 
massiges, aber merkbares Hervortreten der Kiefer. Ueber die Zahl der Bewohner 
ist nichts bekannt, da das Innere sowohl von Kaiser Wilhelms-Land als auch 
von den vorliegenden Inseln noch gänzlich unerforscht ist. Erschwert wird die 
Forschung durch keinen Umstand mehr, als durch die unglaubliche Verschieden 
heit der einzelnen Stammessprachen. Es ist wahrscheinlich, dass Hunderte von 
Idiomen auf Neu-Guinea allein gebräuchlich sind. Die Kulturstufe in dem ganzen 
Gebiet, soweit es von Melanesiern bewohnt wird, ist überall fast die gleiche; 
politische Einheiten über das Dorf hinaus existiren nicht; Metalle waren bis zur 
Ankunft der Weissen unbekannt und nur Werkzeuge von Stein und Muscheln in 
Gebrauch. Um so bewundernswerther sind die Leistungen, die besonders auf dem 
Gebiet der Schnitzerei mit diesen primitiven Werkzeugen hervorgebracht worden 
sind. In dieser Hinsicht stehen der Bismarck-Archipel und die Solomons-Inseln 
in der That unerreicht da (vgl. Schrank 15 und 16). So gering das Bedtirfniss 
nach Kleidung ist, so gross ist die Vorliebe für körperlichen Schmuck aller Art. 
Besonders ausgebildet ist dieses Bedürfniss bei dem männlichen Geschlecht, und 
Ohrringe, Nasenzierrathe verschiedenster Art, Halsketten aus Hundezähnen, Brust- 
schmuck mit kostbaren, künstlich gekrümmten Eberhauern, Arm- und Bauch 
bänder sind nur ein Theil dessen, was der Papua auf seinem Leibe mit sich 
herumträgt. Auf verhältnissmässig hoher Stufe steht der Häuserbau. An der 
Küste steht das oft zweistöckige Gebäude stets auf Pfählen (vgl. zwei Solche am 
Karpfenteich), während im Inneren dieser Unterbau wegfällt. 
Schrank 15: Auswahl aus der grossen Sammlung von Dr. 0. Finsch in 
Delmenhorst. 
Freistehend zwei grosse Ahnenfiguren: 224. Modell des Abumtan Gabiang, 
Finschhafen. 225. Modell des Telum Mul, Astrolabe-Bai, Ronge. (Auch aus 
der Sammlung Dr. Finsch.) 
Schrank 16: Sammlung aus dem Bismarck-Archipel (Herr Ribbe in Rade 
beul bei Dresden). 
Schrank 17 und 18: Sammlungen aus dem Bismarck-Archipel (Museum 
Umlauff in Hamburg). 
Schrank 19: Sammlungen aus der Salomo-Gruppe (Herr Ribbe in 
Radebeul). 
(Die unter 15—19 erwähnten Sammlungen sind verkäuflich, Auskunft er- 
theilen die Aufseher.) 
6. Die Marsehall-Inseln. 
Ueber einen Flächenraum von der Grösse Preussens (350 000 qkm) ausge 
breitet, nehmen die unter dem Namen der Marsehall-Inseln zusammengefassten 
beiden Gruppen der Ralick- und Batack-Inseln nur den winzigen Umfang von 
400 qkm ein. Sie sind ausnahmslos Koralleninseln und bieten demgemäss mit
	        
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