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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Gruppe XXIII. Kolonial-Ausstellung 
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emporsteigt, einen der gewaltigsten Berge ganz Afrikas, ist aber auch sonst an 
Bergländern nicht arm, die durch gesunde Luft und fruchtbaren Boden zur 
Plantagenwirthschaft anlocken, wie Usambara, das schon heute so manches 
derartige Unternehmen aufzuweisen hat, die Landschaft Nguru, Ukami mit den 
herrlichen Uluguru-Bergen, das Rubeho-Gebirge, die Landschaften nördlich vom 
Nyassa-See, sowie südöstlich vom Eyassi-See, alle zwischen 2000 und 2500 m 
hoch, dann Ruanda im äussersten Nordwesten des Gebietes. Das ganze Jahr 
hindurch strömende Flüsse sind vielfach vorhanden; wie weit sie aber für kleinere 
Fahrzeuge schiffbar sind, bleibt noch genauerer Untersuchung Vorbehalten. Von den 
drei grossen Binnen-Seen trägt wenigstens der Nyassa schon seit Jahren einen 
deutschen Dampfer. Die Küste ist mit militärischen Stationen dicht besetzt, und 
die von dort zu den Seen und nach dem Kilimandscharo führenden Karawanen 
strassen, deren hauptsächlichste, die nach Tabora, vielleicht schon binnen wenigen 
Jahren theibveise von der Lokomotive befahren werden wird, sind gleichfalls 
durch solche geschützt. Auch dieses Gebiet war, wie Deutsch-Südwestafrika, 
schon fast drei Jahrzehnte, bevor es zur deutschen Kolonie gemacht wurde, 
von zahlreichen Forschern durchzogen worden, seitdem 1855 der deutsche 
Missionar Erhardt zuerst von einem grossen See im Innern gehört hatte: wir 
nennen nur von Engländern Burton, Speke, Grant, Johnston, Thomson. Livingstone, 
Stanley, Elton, Gameron und zahlreiche Missionare, die Franzosen Giraud, Guyot, 
Bloyet, von Belgiern Gambier, Becker, Burdo, von Deutschen Rebmann, Roscher, 
von der Decken, Kersten, Krapf, Dr. Fischer, Wissmann, Kaiser, Böhm, Reichard, 
Marno u. s. w. Aber riesige Gebiete waren vor 12 Jahren noch niemals von 
dem Fusse des europäischen Forschers betreten worden; sie sind seitdem durch 
deutsche Energie wesentlich verkleinert worden, wenn auch noch südlich und 
nordwestlich von Tabora, östlich vom Viktoria-Nyanza und im Süden zwischen 
Rufiyi und Rovuma so manches zu thun übrig bleibt. Immerhin haben die in Deutsch- 
Ostafrika ausgeführten Reisen wohl grössere und mehr in die Augen springende 
Erfolge aufzuweisen, als die in den anderen Kolonien; wir verdanken sie nament 
lich folgenden Gelehrten und Offizieren: 1886 Dr. Junker, 1885—86 Graf Pfeil, 
1887— 89 Dr. H. Meyer, 1888—95 Dr. 0. Baumann, 1888 ff. Pater Schynse, 
1888— 94 Dr. Stuhlmann (z. Th. mit Emin - Pascha), 1891 — 94 Dr. Lieder, 
1891—92 Baron von Fischer, 1892 Graf Schweinitz, 1893 — 94 Graf Götzen, 
Ramsay (Expedition von Scheele), Herrmann, 0. Neumann, und in den letzten 
Jahren, 1893—95, den Offizieren der Schutztruppe Böhmer, Fromm, Storch, 
Stenzler, Fonck, Glauning, Engelhardt, Schlobach und Prince. 
Die Schutzgebiete im Stillen Ozean 
enthalten kleinere Ländermassen als die übrigen Kolonien, denn Kaiser Wilhelms 
land, Bismarck-Archipel und die deutschen Salomons-Inseln zusammen erreichen 
mit ihren 256 000 qkm noch nicht den Flächen - Inhalt des Königreichs Italien 
(286 500 qkm), und die sämmtlichen über ein Meeresgebiet von 350 090 qkm 
zerstreuten Atolle des Marshall-Archipels enthalten zusammen nur 410 qkm Ober 
fläche. Ausgedehntere Reisen in das Innere sind nur in Kaiser Wilhelmsland 
möglich, allenfalls auch auf Neu-Pommern und Neu-Mecklenburg, aber bis jetzt 
sind nur diejenigen von von Schleinitz, Schräder und Zöller in ersterem zu 
nennen. Der Erste, welcher die Nordküste des Landes erforschte, war 1884—85 
Dr. Finsch; dann folgen 1886—88 von Schleinitz, 1886 ff. Schräder, 1886—87 
Hollrung, 1886 Dreger, 1888 Zöller, der auch die Salomon- Inseln besuchte, 
1888 Graf Pfeil (auf Neu-Mecklenburg), 1889 Hellwig und 1890 Lauterbach. — 
Der erste Deutsche, welcher die Marshall-Inseln zu Gesicht bekam, war 1816 der 
in der Champagne geborene Dichter A. von Chaimsso; später forschten dort 
Kubary, 1880 Finsch, 1874 ff. Hernsheim und 1891—94 Dr. Steinbach. 
Die Bevölkepung’|der deutschen Schutzgebiete. 
Deutschlands Kolonialpolitik ist auf den Schlachtfeldern des letzten 
Krieges gegen Frankreich geboren. Erst die durch jene unvergleichlichen 
Erfolge errungene Machtstellung des jungen Reiches, verbunden mit der 
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