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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

96 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
Afrikaforscher, wie Heinrich Barth 1851 und 1852, Vogel 1854-, Rohlfs 1860, 
Nachtigal 1872 und Flegel 1882—84. Nachdem dann Nachtigal 1884 an der 
Küste, welche schon vorher 1872—75 von Reichenow, Liihder und Buchholz 
besucht worden war, während der Botaniker Mann 1861—62 mit Burton den 
Kamerun-Gipfel mehrmals erstiegen hatte, die deutsche Flagge gehisst hatte, ist 
kaum ein Jahr ohne einen bedeutenden Zuwachs unserer Ivenntniss verstrichen; 
am wenigsten bekannt, ja fast noch ganz unerforscht ist indessen noch der ganze 
Osten und Süclosten. Gleich zu Beginn wirkten an der Küste Zoller, Büchner, 
B. Schwarz; tief ins Innere, zum Theil bis zum Benue, drangen vor Dr. Zint- 
graff (1887—90 und 1890—92), 1887 ff. die Offiziere Kund und Tappenbeck, 
1889—91 Morgen, 1892 Ramsay, 1893 von Stetten und im Norden vom Benue aus Dr. 
Passarge und von Uechtritz. Dass daneben hier, wie in den übrigen Kolonien, von 
Missionaren, Botanikern, Zoologen, Geologen u. s. w. zahlreiche kleinere Forschungen 
ausgeführt wurden, die hier aufzuzählen der Raum fehlt, ist selbstverständlich. 
> Deutsch-Südwestafrika 
erstreckt sich von Norden nach Süden circa 1300 km, so weit, als etwa die 
Entfernung von Berlin nach Bordeaux, Neapel, Bukarest oder St. Petersburg be 
trägt. Im Süden ist es im Durchschnitt nur etwa 400 km breit (gleich der Strecke 
Berlin-Frankfurt a. M. oder Berlin - Danzig), wächst aber nach Norden beständig 
und erreicht zuletzt durch den weit nach Osten ausgreifenden Zipfel, der uns 
die Theilnahme an der Sambesi - Schifffahrt sichern soll, eine Breite von über 
1400 km (d. h. Mpalera am Sambesi liegt so weit von der Küste entfernt, als 
das Schwarze Meer bei Odessa, die Insel Sardinien, die Pyrenäen oder die nörd 
lichste schottische Insel Lewis von Berlin). Die Kolonie, gesundheitlich die bevor 
zugteste von allen, ist so gross, wie das gesammte Deutsche Reich und die 
cisleithanischen Kronländer Oesterreichs zusammengenommen. Mit flacher, fast 
hafenloser Küste, nach Osten zu gleichmässig ansteigend und in den Gipfeln 
2000 — 2300 m Höhe erreichend, dann sanft sich zu den unendlichen Steppen 
und Wüsten des Innern abdachend, enthält das Land keinen einzigen perennirenden 
Muss; in allen auf unserer Karle mit Doppellinien eingetragenen Wasserrissen 
erlangt man einen grossen Theil des Jahres hindurch nur durch Graben das er 
sehnte Nass. Fliessende Ströme giebt es nur an den äussersten Grenzen, der 
Oranje Rivier im Süden, der Kunene im Norden, der Okavango und Sambesi 
(Zambesi) im (Nordosten. Im Gentrum des Landes liegt der Regierungssitz 
Windhoek, mit dem Hafen Swakopmund (Tsoakhaubmund) durch eine Reihe 
militärisch besetzter Stationen verbunden, wie solche sonst nur noch der Süden, 
das Gross-Namaland, besitzt, während sie dem Norden noch ganz fehlen. 
Als 1884 das Reich die Lüderitz’schen Erwerbungen in Südwest - Afrika unter 
seinen Schutz stellte, war das Land durch zahlreiche Reisen von Engländern 
(Andersson, Alexander, Baines, Galton, Lloyd, Green, Smuts, für den äussersten 
Osten Livingstone, Selous, Bradshaw) und deutschen Missionaren (1857 H. Hahn 
und Rath, 1866 und 1871 H. Hahn, 1872—80 Büttner, 1877 Böhm und Bernsmann 
und in den siebenziger Jahren Th. Hahn) in seinen Grundzügen schon ziemlich be 
kannt. Aber deutscher Fleiss und deutsches Wissen haben in den letzten zwölf 
Jahren doch gewaltig viel gethan, um die Kenntniss der Kolonie zu erweitern 
und zu vertiefen; von den Männern, die sich darin hervorgethan, seien hier be 
sonders genannt: 1884—86 Schinz, 1885 Beide und Schenck, 1886 Stapff, 
1888 von Steinäcker, 1889 Gürich, 1890—93 Major von Francois, dei eifrigste 
Kartenzeichner von Allen, 1890—91 Fleck, 1892 Graf Pfeil und 1892 ff. Dove. 
Deutsch - Ostafrika 
ist mit seinen 955 000 qkm Flächen - Inhalt nicht ganz doppelt so gross als das 
Mutterland mit 540 419 qkm. Von Norden nach Süden erstreckt sich die 
Kolonie ungefähr 1200 km, von Westen nach Osten etwa 1100 km, so weit wie 
von Berlin bis Rom, Liverpool oder Edinburgh, und ungefähr eben so entfernt 
liegen die weitesten Militärstationen Bukoba am Viktoria-Nyanza und das neu 
zu begründende Udschidschi am Tanganyika - See von der Kolonialhauptstadt 
Dar-es-Salaam. Sie umfasst im Kilimandscharo, der zu 5860 m Meereshöhe
	        
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