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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

Gruppe XXIII. Kolonial-Aüsstellüng 
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Die Karten der 5 deutschen Schutzgebiete. 
Die vier afrikanischen Kolonien sind, in dem gleichen Maassstabe 
I : 500000 ausgeführt; es entspricht die Entfernung Kamerun-Viktoria etwa 
derjenigen von Berlin nach Zehdenick. Brandenburg oder Kloster Zinna 
oder die von Dar-es-Salaam nach der Militärstation Kilossa derjenigen von 
Berlin nach Hamburg, Hannover, Göttingen, Gotha oder Karlsbad. Man ver 
gleiche auch zur Abschätzung der Grössenverhältnisse die daneben hängende 
weitere Umgebung Berlins im selben Maassstabe 1 : 500000. Dagegen 
sind die Schutzgebiete im Stillen Ozean, welche sehr viel grössere Erd- und 
besonders Meeresräume als die afrikanischen umfassen, in dem kleineren 
Maassstabe 1 : 1500000 ausgeführt; hier diene zum Vergleiche, dass die 
beiden Hauptorte vom Kaiser Wilhelms-Land und vom Marshall-Archipel, 
nämlich Friedrich Wilhelms-Hafen und Djabor in Jaluit, ungefähr so weit 
von einander entferntjsind, als Berlin von Kairo, von Siid-Marokko oder von 
der asiatischen Küste des Kaspischen Meeres. 
Togo 
ist, wie die den deutschen Besitz kennzeichnende rothe .'Farbe anzeigt, die 
einzige Kolonie, deren Grenzen noch nicht nach allen Seiten feststehen und 
welche dank der glücklichen Expedition des Dr. Grüner voraussichtlich nach 
Norden noch einen bedeutenden Zuwachs erhalten wird. Die Namen derjenigen 
Landschaften, mit welchen bezügliche Schutzverträge abgeschlossen wurden, sind 
auf unserer Karte roth unterstrichen; sie 1 eichen in Gando nordwärts bis zum 
14. Breitengrade, während die mit Grossbritannien bisher im Westen festgesetzte 
Grenze nur bis zum 10. geht, die im Osten mit Frankreich vereinbarte schon 
am 9. Grade aufhört. Durch diese in Aussicht stehende Vergrösserung erklärt 
sich der Umfang der Karte, welcher weit über das bisher vom deutschen Reiche 
faktisch besetzte Gebiet hinausgreift und namentlich die Verbindung des Hinter 
landes von Togo mit dem Weltmeer durch den Nigerstrom zur Darstellung bringt. 
Um die Erforschung dieser unserer kleinsten, aber darum auch am besten be 
kannten Kolonie haben sich folgende Männer am meisten verdient gemacht: in 
den sechziger Jahren der Missionar Hornberger, gleich nach der Besitzergreifung 
1884, als der Erste, Dr. Zoller. 1887—88 Dr. Henrici, 1888—89 Stabsarzt Dr. Wolf. 
1888—89 von Francois, 1888—92 Lieut. Kling, 1890 Lieut. Herold, 1890—91 
Dr. Büttner, 1893—95 Lieut. von Doering, 1895 Dr. Grüner und Baumann, ausser 
dem Goldberg, Leusclmer, Klose und Dr. Küster. 
Der Landeshauptmann residirt in Sebbe; Regierungsstationen, die auf der 
Karte durch Unterstreichen kenntlich gemacht sind, sind Misahöhe und Kratschi. 
Kamerun. 
Die Entfernung von dem nördlichsten bis zum südlichsten Punkte dieser 
Kolonie ist so gross, wie diejenige von Berlin bis Rheims, Bern, Triest oder 
Stockholm, und vom Meere erstreckt sie sich östlich landeinwärts 660 km. 
d. h. fast so weit wie das Deutsche Reich von der Ostsee bis zu den 
bairischen Alpen. Im Süden und Osten grenzt sie an französisches Gebiet, im 
Westen an britisches; die ihr vorgelagerte Insel Fernando Poo ist spanisch. Ihr 
höchster Punkt, der Kamerun-Berg, lässt mit 3960 m den höchsten Berg des 
Deutschen Reiches, die Zugspitze, um volle 1000 m hinter sich. Schiffbare Flüsse, 
die mit dem Meere in Verbindung stehen, giebt es. abgesehen von einem Stücke 
des Benue im Norden, nicht. Der Regierungssitz ist Kamerun am gleichnamigen 
Aestuar, das nach den zeitweilig dort in Massen erscheinenden Krabben, portu 
giesisch camaroes, heisst; Regierungsstationen (auf der Karte unterstrichen), fast 
alle in der Nähe der Küste gelegen, giebt es 7; die am weitesten landeinwärts 
vorgeschobene ist die Yaünde-Station; die nördlichen zwei Drittel der Kolonie 
entbehren noch solcher. In den jetzt zu Kamerun gehörigen Norden sind schon 
lange, ehe an ein Deutsches Reich und an deutsche Schutzgebiete zu denken war. 
deutsche Reisende eingedrungen, und zwar gerade die hervorragendsten unserer
	        
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