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Full text: Deutsche Kolonial-Ausstellung 1896 / Meineke, Gustav

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Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1S98 
Von ethnographischen Gegenständen sind hier vor allem Schilder und Speere 
der Massai, der Wahehe, sowie der wilden Wakawirondo oder Wageia, die 
das Ost-Ufer des Viktoria-Nyanza bewohnen und deren Gebiet ausser dem 
Reisenden nur noch G. A. Fischer durchzog. 
Im Schranke in dem Seitenflügel für Ostafrika befinden sich Schmuekgegen- 
stände der;Massai, bestehend aus Glasperlensträngen, Eisen- und Messingspangen 
und Kettchen, Geräthe und Schwerter derselben, ferner Waffen, Geräthe. Kleidungs 
stücke verschiedener anderer Völker des inneren Ostafrika, wie der Wambugwe, 
Wairangi, Wafiome, Wasandawi, Wamangati, Wassoga, Waganda und andere 
gesammelte von demselben Reisenden. 
An der Wand links das Bild und die Reiseroute des Grafen v. Goetzen 
mit einer kleinen ethnographischen Sammlung, ferner die Reiserouten der deutschen 
Kamerun-Expedition unter Baron von Uechtritz und Dr. Passarge, der deutschen 
Togo-Expedition unter Dr. Grüner, Lieutenant von Garnap und Dr. Doering und 
von Dr. Emin Pascha, Dr. Stuhlmann, ferner die Expeditionskarte Dr. Oskar Bau- 
mann’s von seiner grossen Reise durch Massailand zur Nilquelle. Ferner noch eine 
Gehörnsammlung von Herrn von Bennigsen. Im Seitenflügel für Kamerun ist neben 
der reichhaltigen ethnographischen Sammlung von Dr. Zintgraf auch dessen Expe 
ditionskarte, sowie im ostafrikanischen Theil die Originalzeichnung der Karte Dr. Hans 
Meyers von dem Kilimandscharo ausgestellt. In dem Rotundenausbau befindet sich 
Die Erdkarte, 
etwa 6V2 m lang und 4*/ 2 m hoch. Sie soll den Antheil der Deutschen an 
der Erforschung unseres Planeten veranschaulichen. Die Mercator-Projektion, 
welche wegen der Grössenverhältnisse des zur Verfügung stehenden Raumes 
gewählt werden musste, und auch, weil sie die einzige ist, welche gestattet, 
die ganze Erdoberfläche im Zusammenhang darzustellen, erlaubt es, in den 
den Polen näher liegenden, grösser ausfallenden Gebieten die Namen der 
Reisenden und das Jahr ihrer Reise genau in die von ihnen besuchten 
Gebiete einzuschreiben. In grösserer Nähe des Aequators aber, wo die 
Länder in kleinerem Maassstabe zur Darstellung kommen, konnten sie nur 
summarisch in chronologischer Reihenfolge aufgeführt werden. Ein Versuch, 
alle Reiserouten selbst einzutragen, scheiterte an der Menge derselben und 
an der Undeutlichkeit, welche durch die zahllosen sich kreuzenden und 
deckenden Linien entstand, und so wurden nur ganz hervorragende Reisen 
routenmässig eingezeichnet, wie diejenige Alexander von Humboldts in 
Süd- und Mittelamerika, als die erste dortige wissenschaftliche Reise eines 
Deutschen, ferner solche, welche die erste, wichtige Durchkreuzung eines 
Erdtheils oder eines grösseren Gebietes darstellen, wie einige in Afrika 
(Barth, Nachtigal, Graf Götzen etc.), die grundlegenden von Richthofen- 
schen in China, die von den Steinen’sche und Ehrenreich’sche im Inneren 
Brasiliens u. s. w. Unwichtigere Reisende sind namentlich in viel bereisten 
Gebieten weggeblieben, und so mag es sich erklären, dass in wenig be 
suchten Ländern vielleicht eine unbedeutende Reise Aufnahme fand, während 
manche wichtigere in dem viel durchzogenen Afrika wegbleiben musste. Den 
Namen Bastians, der „vieler Menschen Städte geschaut und Sitten erfahren“, 
der alle fünf Erdtheile und viele Länder wiederholt besucht hat, überall 
einzuschreiben, ging auch nicht an. Andererseits aber fanden in Asien, 
durch Klammern als solche bezeichnet, manche Deutschrussen Aufnahme, 
weil sie, wenn auch in russischem Aufträge und mit russischem Gelde 
reisend, doch deutscher Abstammung, deutsch schreibend oder von rein 
deutschen Gelehrten begleitet waren. 
Die Darstellung der Schutzgebiete in den Seitenflügeln ist so gedacht, 
dass mit dem kartographischen Bild als Grundlage der Beschauer durch die 
dort aufgestellten Sammlungen über die Bevölkerung, die Fauna und Flora 
dieser Länder unterrichtet werden soll.
	        
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