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Full text: Alt-Berlin auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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liegenden dreißig Jahren in Berlin der Umwandlung von der „Königsstadt" zur 
„Kaiserstadt" zum Opfer gefallen sind, für die Erinnerung der Nachwelt aufbewahrt 
werden. Von dem Umfange dieses Werkes, dessen Bedeutung und den enormen 
künstlerischen Fleiß, welches dasselbe erforderte, giebt es einen annähernden Begriff, 
wenn bemerkt wird, daß die berühmte „Stridbecksche Sammlung", welche ein Bild 
von Berlin zu Zeiten des Großen Kurfürsten giebt, aus circa zwanzig Blättern, 
die Sammlung des Malers Rosenberg, Berlin unter Friedrich den Großen karakte- 
risirend, aus nur dreißig Blättern, jene Müllersche Sammlung aber aus circa 
hundert großen kolorirten Blättern besteht. — Nach der persönlichen Bestätigung 
des Herrn Müller ist der Impuls zu allen diesen Arbeiten, die Lust und die 
historische Neigung dazu, aus Anregungen hervorgegangen, die derselbe aus Be 
ziehungen in unserem Vereinsleben schöpfte. Besonders in jenen geistig so lebens 
kräftig bewegten Zeiten, als der Herr Geheimrath Schneider es so vortrefflich ver 
stand, das in unsern Statuten als ersten Zweck unsrer Vereinigung hervorge 
hobene Ziel: 
„Die Belebung des Sinnes für die Geschichte Berlins" 
in alle Kreise zu tragen, alle Kreise dafür heranzuziehen und damit zu einer so 
idealen Gelttmg zu bringet. 
Wenn also in dieser Beziehung der Verein für die Geschichte Berlins, jener 
Initiative des Herrn Kommerzienraths Kühnemann gegenüber, so vortrefflich zu 
einer Darstellung von „Alt-Berlin" vorbereitet war, so war das nur den Wir 
kungen, die unser Verein geistig auf seine Mitglieder und mit diesen in weiteste 
Kreise hinaus zu üben verstanden hatte, zuzuschreiben, und in dieser Hinsicht war 
Herr Müller also ein competenter Repräsentant unseres Vereins und dessen be 
rufenstes Organ nach dieser Richtung. 
Die Herren Lubszynski und Lewinson haben sich nun mit unsern: Vereins- 
Mitgliede, Herrn Müller, über die Angelegenheit in Verbindung gesetzt, was zur 
/-^^Folge hatte, daß dann im Oktober vorigen Jahres in unserm Vereins-Lokale, im 
Deutschen Dome, eine Versammlung für die Angelegenheit anberaumt ward. Zu 
dieser Versammlung war von dem ersten Vorsitzenden unsres Vereins, Hern: 
Geheimrath Reuter, unser Gesanimt-Vorstand und Herr Müller eingeladen, für 
den Ausschuß der Berliner Gewerbe-Ausstellung aber erschien dessen zweites Mit 
glied, Herr Geheimrath Goldberger, und im Gefolge des letzteren die Herren Lubs 
zynski und Lewinson, ferner die Herren Architekt Hoffacker und Professor Maler 
Döpler. 
Entgegen dem vom Herrn Komnrerzienrath Kühnemann bereits kundgege 
benen Beschlusse, daß dem Verein für die Geschichte Berlins, bezw. der Mitglied 
schaff dieser Korporation, das Recht auf jene Darstellung von „Alt-Berlin" gewahrt 
leiben solle, betonten, unter Führung des Herrn Goldberger, die beiden Herren 
Lubszynski und Lewinson, durch ihren Antrag*) auf Ucberlassung eines Platzes 
eine Präjudiz auf diese Darstellung von „Alt-Berlin" zu besitzen. Ebenso naiv 
war es, daß diese Herren auf den Antrag des Herrn Geheimrath Renter „ihre 
*) Dieser Antrag war, wie wir nochmals bemerken müssen, vom Gewerbe-Ausschuß 
ausdrücklich und schriftlich abgelehnt.
	        
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