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Full text: Alt-Berlin auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Sache einst im Gefolge dieses zweiten Vorsitzenden der Berliner Gewerbe-Aus 
stellung in jener ersten dazu anberaumten Sitzung des Vereins für die Geschichte 
Berlins im deutschen Dome erschienen. Und auch das ist zufällig geschehen, daß 
der Herr Lubszynski, obgleich denselben „unter allen Umständen" abzulehnen der 
erste Vorsitzende der Gewerbe-Ausstellung so starke Gründe haste, jetzt der eigent 
liche Macher und Leiter der ganzen Angelegenheit „Alt-Berlin" ist. — Ach, das 
ist ja auf einem ganz harmlosen, natürlichen Wege so gekommen und läßt sich 
lächelnd als selbstverständlich darstellen, daß die ganze Unternehmung „Alt-Berlin" 
jetzt weiter nichts als eine jüdische Geldmühle geworden ist. Der alte Müller ver 
stand eben nichts vom Betriebe, er war freilich den Juden kein Geld schuldig und 
durch Wucher nicht zu fassen, aber andere Leute waren in der Juden Schuld mit 
ihrer Habe und ihrer Ehre, und da ist es denn auch wieder rein durch Zufall 
gelegentlich gekommen, daß dem Müller sein rechtlicher Besitz, seine Habe ge 
nommen wurde, und seine Ehre auch noch genommen werden sollte. Was sollte 
der Müller auch noch mit letzterem, in der modernen Welt so unnütz gewordenen 
Möbel, mit der Ehre? in die Rumpelkammer damit, wo der alte, morsche Kasten, 
die Vaterlandsliebe, schon steht. Derartige Scharteken hat kein „anständiger" 
Mensch jetzt niehr in der Wohnung. — Dies Alles ist ja auch so natürlich ge 
kommen „und ist an und fiir sich so harmlos", daß es kaum der Mühe lohnt, 
weiter davon zu reden. „Die Deutschen sind eben zu träge, sie verstehen „das 
Geschäft" nicht so; „der Jude ist viel mehr ans dem Posten" und auch intelligenter, 
vor allen Dingen aber genügsamer". Und was soll deshalb denn auch dieser 
alberne Antisemitismus, das Geschimpfe auf die braven Juden? — Man frage 
dock mal jeden Andern, ob nicht jeder „einen" Juden kennt, von dem er sagt: 
„der ist nicht wie die Andern, das ist wirklich ein anständiger Mensch!" — Und 
der Herr Geheime Kommerzienrath Goldberger ist sogar ein sehr anständiger 
Mann, schon sein Vater war sogar ein anständiger Mann. Er kaufte einem 
armen Kupferschmied die Erfindung jener galvanischen Ketten ab, die alle Welt 
voni „Reißen" kurirt haben, und von denen er selbst sagte, als er seine Millionen 
damit „intus" hatte: „Einem haben se (die Ketten nämlich) sicher geholfen! Mir!" 
Solch ein ererbtes Geschäft setzt man doch gern fort, nur muß man sich stets 
nach der herrschenden Mode zu richten wissen, wenn man auf dem Laufenden 
bleiben will und mit seinen Ketten „das Höchste" zu erreichen trachtet. Diese 
Ketten sind deshalb jetzt ganz andrer Natur. Die Welt wird immer „feiner und 
nobler", sie sind nicht mehr von ordinärem Kupfer, sondern von reinem, gutem 
Golde. — Solche Ketten sind viel stärker als die vom besten Stahl. Hat man 
eine solche einmal in der Hand, so kann man Alles daniit hoch bringen! und 
wenn der Eifelthurni auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung stünde, an einer solchen 
Kette kann man Alle, die zu unseren Leuten gehören, damit hoch und in die Ge- 
werbe-Ausstellung hineinziehen. 
In unserer niodernen Zeit wird Alles „Großartig!" und „die Gesellschaft, 
die keine Kosten scheut" wird auch schon dafür sorgen, daß dieses „Großartige" 
seine würdige Vertretung auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung, 1896, findet. — 
Wir erinnern uns gern an diese alten kleinen Jahrmärkte, auf denen der Jude
	        
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