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Full text: Alt-Berlin auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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öffentlichen diskreter Weise dem Herrn Geheimrath G. Rth. Reuter überlassen, falls- 
fich dasselbe etwa noch hinter seinem Spiegel finden sollte. 
Aber das wollen wir an dieser Stelle doch klar zum Ausdruck bringen, daß 
Herr Müller! es nicht gewesen ist, der „Ansehen und Würde" des Vereins 
verletzt und damit jenes Ausschluß-Verfahren gerechtfertigt hat, daß jenes unser 
Vereinsmitglied es keineswegs war, das die heiligsten Interessen unserer, dem 
deutschen Vaterlande geweihten Gesellschaft auf eine schmachvolle Weise mit Füßen 
getreten hat. Kann aber ein einzelnes Mitglied die Würde unseres Vereins ver 
letzen! so kann auch in ihm wiederum die Würde des Vereins verletzt werden- 
das ist hier geschehen und in einer Weise, die eine strenge Sühne fordert. 
Durch ein gerechtes Urtheil kommen wir zu der Erklärung, daß das Ver 
fahren des Herrn Müller, sein bei der Angelegenheit „Alt-Berlin" bewiesener un 
endlicher Fleiß und die treue Hingebung, mit dieseni Unternehmen für den Verein 
für die Geschichte Berlins höchst segcnsvolle Ziele zu erreichen, ein hohes, unge- 
theiltes Lob verdienen, und es diesem unserm Vereinsmitgliede zuerkannt werden, 
muß, in einem strengen Kontraste mit anderseitigen Bestrebungen, es gewesen 
zu sein, welches Würde und Ansehen unserer Gesellschaft in jeder Weise zu 
wahren suchte. 
Aber geradezu als unerhört müssen wir es bezeichnen, daß man es wagen 
mochte, derartigen Bestrebungen einen derartigen Lohn, eine so unwürdige Be 
handlung finden zu lassen. 
Unser Verein hat sein höchstes Ziel: 
„die Belebung des Sinnes für die Geschichte Berlins!" 
allen anderen Paragraphen unseres Vereinsstatuts vorangestellt. Wir aber 
werfen die Frage auf, was ist hier geschehen, diese unsere erste Satzung in Unehre 
zu bringen? — 
Mit welchem Muthe, mit welchem Vertrauen können ferner sowohl die Mit 
glieder als auch Nichtmitglieder auf das Wirken eines Vereins schallen und sich 
den Zwecken und der Thätigkeit desselben anschließen, wenn auch die allerbesten 
Bestrebungen, wie in diesem Falle, eine derartige Gefahr finden? 
Ersterben wird und muß, wenn einer derartigen Verwüstling nicht Einhalt 
geschieht, alles frische Leben und Streben des Vereins; dieser wird dann langsani 
versinken, und nur der geistlose Popanz wissenschaftlicher Schönthuerei und eine 
gesellschaftliche Maskerade wird übrig bleiben. 
Von allem Anfang an und dann während der langen Dauer einer mehr 
als"- halbjährigen Verhandlung darüber ist von dem Herrn Müller dem Herrn Ge 
heimrath Reuter der Plan in eingehendster Weise unterbreitet, und der Letztere 
kann sich also mit einer Unwisseilheit darüber nicht entschuldigen, daß jene Unter 
nehmung „Alt-Berlin", die durch Gunst und Scharfblick des Herrn Kommerziell- 
raths Kühnemann anfänglich unter so außerordentlich günstige Bedingungen ge 
bracht war, ein für unseren Geschichtsverein in jeder Beziehung einträgliches Werk
	        
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