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Full text: Alt-Berlin auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 (Public Domain)

13 — 
Mehr kann man doch nicht verlangen! 
Wie konnte denn aber so etwas „Großartiges" nun so rasch ohne die ge 
ringsten persönlichen und sachlichen Schwierigkeiten zu Stande kommen? 
Nichts leichter als das! — 
An die Spitze jenes Drei-Männer-Komitees „Lubszynski-Lasker-Ehrlich" 
trat nun, um der gedachten Perhoriscierung des Herrn Lubszynski durch Herrn 
Kommerzienrath Kühnemann zunächst doch nicht gar zu arg entgegen zu treten, 
Herr Lasker. Ein hochgeachteter und als Bruder des ehemaligen bedeutenden 
Reichstagsmitgliedes auch berühmter älterer Herr, der, um das Geschäft zu machen, 
eigens aus Süddeutschland nach Berlin gekommen war. 
Auf formellen Wunsch des Herrn Reuter wurde die Bausumme fiir „Alt- 
Berlin", 300.000 Mk., bei einem sicheren Bankhause deponirt, das oben genannte 
Komitee wurde vom Herrn Reuter zusammengestellt, um für den Verein für die 
Geschichte Berlins zu figuriren, und die Sache schien damit endgültig in 
bester Ordnung, 
Doch, halt! — So ging das doch nicht! — Einer der Herren jenes Komites,. 
das den Berliner Geschichts-Verein in dieser Sache vertreten sollte, hatte sich in 
einer früheren politischen Thätigkeit doch schon gar zu sehr als Antisemit der 
Oeffentlichkeit kundgegeben, und alle drei Mitglieder jenes Geldconsortiums, selbst 
der Depositair, gehörten zufälligerweise unsrer israelitischen Mitbürgerschaft an. 
Die Sache war bedenklich und erforderte Vorsicht, vor allem der Oeffentlichkeit, 
vielleicht auch so nebenbei jenem Vereine gegenüber, der die moralische Verant 
wortung übernehmen sollte und dessen unterwürfiger Gesinnung man doch nicht 
so ganz sicher sein konnte. — Mit heroischer „deutscher" Gesinnung verzichtete man 
nun auf die von Herm Ehrlich deponirte Bausumme, die man doch so hübsch 
hätte nehmen können, da letzterer doch auch eine Holzhandlungsfirma präsentirte 
und man diese doch dann so paßlich gegen jene vom Herrn Müller vorgeschlagene 
Holzhandlungs- und alte Berliner Patrizier-Firma, Francke Söhne, auszuspielen 
vermochte! — Aber Vorsicht ist die Mutter der Weisheit, und diese Vorsicht war 
doch mit dem ersten Vertreter eines deutschen Geschichts-Vereins sowohl, als auch- 
diesem Selbst dringend geboten, denn wo Geldinteressen einem so vornehmen und 
zahlreichen Vereine gegenüber in Frage stehen, kann man garnicht vorsichtig 
genug sein! — 
Herr Lubszynski (dieser war freilich nicht Protege des ersten! Vorsitzenden 
der Berliner Gewerbe-Ausstellung, und von diesem so ausdrücklich abgelehnt) 
ward nun von dem ersten Vorsitzenden des Vereins für die Geschichte Berlins, 
Herm Geheimen Staats-Archivar und Hauptmann der Reserve Bruno Reuter, 
damit beauftragt, ein neues Geldgebcr-Consortium, bezw. eine neue Form für den 
alten Inhalt zu fiuden. Das geschah denn auch im Umsehn und präsentirt sich 
nun den Herren des Berliner Geschichts - Vereins als jene Herren, die 
jetzt in jenem Vertrage als „Pächter" von „Alt-Berlin" genannt werden, über 
deren Namen aber ein so ängstliches Schweigen beobachtet ist. Selbstverständlich 
ist cs nur Zufall, daß neben Herrn Lnbszynski, Lasker, Plaut, Kaufmann andre 
Personen, als diejenigen die unsrer genannten Mitbürgcrschaft angehören, dabei 
nicht in Betracht kommen.
	        
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