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Full text: Alt-Berlin auf der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

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Verein für die Geschichte Berlins ein hinreichend großer, am Gold 
fischteiche zu Treptow sehr geeignet und schön belegener Platz zu 
jener Darstellung von „Alt-Berlin" gratis übergeben werden sollte. 
Der erste Vorsitzende der Gewerbe-Ausstellung, Herr Kommerzienrath Kühne 
mann, erklärte aber bei dieser Zusammenkunft, daß man sich mit HerrnLubszynski pp. 
unter keinen Umständen einlassen werde; eine Erklärung, der dann noch in 
einem offiziellen Schreiben des Herrn Kommerzienrath Kühnemann an Herrn 
Geheimrath Reuter abermals ein weitergehender Ausdruck verliehen ward. Es 
war dabei nochmals erwähnt, daß dem Verein für die Geschichte Berlins der be 
treffende Platz gratis überlassen werden sollte. — Der erste Vorsitzende unseres 
Vereins überließ es nun als selbstverständlich auch unserm Vereinsmitgliede, Herrn 
Müller, anderweitig die erforderlichen Kapitalien zur Verfügung zu bringen, und 
letzterer knüpfte nun, mehrere andere Offerten bei Seite laffenb, deshalb eine Ver 
bindung dazu mit den Herren David Francke Söhne, hier, an, weil das hohe 
Ansehen, welches diese alte und bewährte Firma überall genießt, die sicherste Ge 
währleistung bildete. Auch war der Gesichtspunkt maaßgebend, daß ein Verein für 
die Geschichte der Stadt Berlin wohl eine Verpflichiung hat, zu einem Werke, 
welches in hervorragender Weise die Ehre und das Ansehen unsrer deutschen 
Heimathstadt angeht, auch vorzugsweise jene Kreise heranzuziehen, die, als dem 
Berliner Patrizierthuni angehörend, durch ihr Wirken schon so viel zu dieser Ehre 
und diesem Ansehen beigetragen hatten. — Ferner aber hatte unser Vereinsmitglied, 
Herr Müller, sobald es gelang, das ganze Unternehmen in die Hände und in die 
freie Machtvollkommenheit unseres Vereins zu bringen, sogleich daraus hingewiesen, 
daß zu der Ehre und segensvollen Thätigkeit, die dem Letzteren daraus erwachsen 
mußte, auch die nie wiederkehrende Gelegenheit geboten war, den Verein, indem 
derselbe einen Theil des sich ergebenden Gewinnes für sich reservirte, auch auf alle 
Zeilen hinaus finanziell zu konsolidiren! 
Der vortreffliche Ausgang jener ersten Kühnemann'schen Gewerbe-Ausstellung, 
dann auch der rentable Vorgang von „Italien in Berlin" hatte den Finanzleuten 
das außerordentlich Gewinnbringende und Zeitgeniäße derartiger Unternehmungen 
bewiesen, und das Kapital zeigte sich deshalb für „Alt-Berlin" außerordentlich 
willig, und war, wie schon erwähnt, von mehreren Seiten disponibel. Umsomehr 
als Herr Müller, nicht allein mit umfassenden Kostenanschlägen und festbasirten 
Rentabilitätsberechnungen, den betreffenden Interessenten eine genaue Uebersicht zu 
bieten vermochte, sondern auch mit den von ihni ausgearbeiteten Plänen und An 
sichten ein vollkommenes und deutliches Bild gewährte, das in zwanzig großen 
Blättern eine mit größter historischer Treue ausgearbeitete Darstellung bot, welch 
einer imponirenden Ausgestaltung „Alt-Berlin" fähig sein und deshalb einen der 
rentabelsten Anziehungspunkte der Gewerbe-Ausstellung bilden würde. 
Die verschiedensten Kapitalisten zeigten sich deshalb auch alle gleich bereit, 
gegen eine angemessene Quote vom Reingewinn, das ganze Risiko der baulichen 
Ausführung von „Alt-Berlin" zu übernehmen, so daß unser Verein dann in der 
Lage war, ohne die geringste Gefährdung eine starke finanzielle Basis zu ge 
winnen. Damit kam der Verein in die glückliche Lage, sich für sein Wirken jenen 
dauernden Boden zu sichern, der zum Aufblühen und Gedeihen seiner idealen
	        
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