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Full text: Offizieller Spezial-Katalog ... der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 Gesundheitspflege, Wohlfahrts-Einrichtungen, Unterricht und Erziehung

54 Spezial-Katalog der Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 
dadurch für die ganze Lebenszeit eine weitgehende Schwächung, 
eine Herabsetzung seiner Leistungsfähigkeit und eine verminderte 
Widerstandsfähigkeit gegen krankmachende Einflüsse. Eine Reihe 
umfassender statistischer Untersuchungen hat die Thatsache, dass 
während der Schulzeit Gesundheitsstörungen in grösserer Zahl auf- 
treten, festgestellt, aber einwandfrei ist noch nicht bewiesen, welcher 
Antheil der Schuld an jenen Leiden der Schule, und welcher dem 
elterlichen Hause zuzuweisen sei. Mag aber auch die Schuld liegen, 
auf welcher Seite sie wolle, so darf sich die Schule doch nicht ab 
halten lassen, mit allen Kräften für die gesundheitsgemässe Er 
ziehung der Jugend Sorge zu tragen, auf dass sie dem Gewerbe 
und der Industrie einen körperlich tüchtigen Nachwuchs zu liefern 
im Stande sei. Die Leistungen dieser Arbeitsgebiete werden zeigen, 
wie weit die Schule in hygienischer Beziehung ihrer Aufgabe nach 
gekommen ist. 
Mannigfache Fäden sind es also, die Gewerbe und Industrie 
mit der Schule verbinden, und in diesem innigen Zusammenhänge 
liegt der Grund, dass Erziehung und Unterricht auch auf einer 
Gewerbe-Ausstellung ihre Berücksichtigung finden. 
Endlich spricht hierfür noch ein rein äusserlicher Grund. Mit 
dem Bau und der Ausstattung der Schulräume, mit der Fabrikation 
von Lehr- und Lernmitteln, mit der Herstellung von Gegenständen, 
die das Haus für die Erziehung der Kinder nöthig hat, ist ein nicht 
geringer Theil der Gewerbe und Industrie beschäftigt. Jeder Tag 
bringt neue Anregungen und Erfindungen, die der Jugend in Schule 
und Familie zu dienen bestimmt sind, und giebt neue Gelegenheit 
zu Arbeit und Verdienst. Wenn auch unter dem Neuen manches 
ist, das bald wieder verschwindet, weil es die erhofften Zwecke 
nicht erfüllt, so verdient doch das bewährte Gute, dass es möglichst 
weit bekannt und reichliche Anwendung findet. Unsere Gewerbe 
treibenden und Industriellen wissen, dass dem Bekanntwerden ihrer 
Fabrikate am besten die Vorführung derselben auf einer Ausstellung 
dient; denn zu dieser eilen die Fabrikanten von Nah und Fern, 
weil sie wissen, dass sie hier die beste Gelegenheit haben, eine 
grössere Menge des für ihren Wirkungskreis Wichtigen ohne viel 
Aufwand an Zeit und Kosten kennen zu lernen. Indem die 
Fabrikanten die Ausstellung beschicken, zeigen sie, was sie in ihrer 
gewerblichen Thätigkeit zu leisten im Stande sind, dienen aber 
auch gleichzeitig den Zwecken des Unterrichts und der Erziehung. 
Je entwickelter unsere Schulen sind, um so grösser werden ihre 
Bedürfnisse sein, aus denen dann für Gewerbe und Industrie 
mancherlei Gelegenheit zu Arbeit und Verdienst erwächst. 
Berlin will in seiner Gewerbe-Ausstellung zeigen, was es auf 
gewerblichem und industriellem Gebiete geschaffen hat und schaffen 
kann. Wegen der mannigfachen Beziehungen, die zwischen dem 
Gewerbe einerseits und dem Unterricht und der Erziehung anderer 
seits bestehen, musste aber auch die Schule berücksichtigt werden, 
die hier die Prüfung zu bestehen hat, ob sie ihrer Aufgabe, jenen
	        
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